Lufthansa: Italiens Regierung blockiert Alitalia-Übernahme

Die Wahl in Italien im laufenden Jahr kam für die Lufthansa etwas zu früh. Möglicherweise wäre die Alitalia-Übernahme sonst gelungen. (Foto: Markus Mainka / shutterstock.com)

Die ehemalige staatliche italienische Airline Alitalia wurde im Jahr 2007 privatisiert und hatte in den vergangenen Jahren erhebliche Probleme, die schlussendlich zu einer Insolvenz führten. Die deutsche Airline Lufthansa befand sich in der „Poleposition“ für die Übernahme von Alitalia.

Das Management des DAX-Unternehmens war mehrmals zu Vorgesprächen in Rom. Nach dem Ende des Bieterverfahrens im April dieses Jahres sollten die konkreten Verhandlungen im Mai beginnen. Der Haken: Zu dem Zeitpunkt hatten bereits die Populisten der Lega und die Bewegung 5 Sterne die Wahlen in Italien gewonnen und stoppten den Verkaufsprozess.

„Wir werden alles dafür tun, dass ein Flagschiffunternehmen wie Alitalia nicht an irgendeinen multinationalen Konzern oder ein ausländisches Unternehmen verkauft wird“, sagte der heutige italienische Innenminister Matteo Salvini, der zugleich auch Chef der rechtspopulistischen Lega ist, nach der Wahl.

Lufthansa investiert in Italien

Dass die Lufthansa nun 100 Mio. Euro in den bislang eher kleinen Italien-Ableger Air Dolomiti investieren will, ist ein klares Indiz dafür, dass das Management Europas größter Fluggesellschaft den Glauben an eine Übernahme von Alitalia wohl verloren hat.

Denn wenn man bei der Lufthansa den Deal noch für wahrscheinlich hielte und von einer zeitnahen Einigung ausginge, würde die Investition in Air Dolomiti keinen Sinn machen.

Zu der Investition teilte Jörg Eberhard, Chef der Lufthansa Tochter Air Dolomiti, mit, dass man in Italien wachsen und neue Verbindungen schaffen wolle. Zu diesem Zweck soll die Flotte von 10 auf 20 Jets verdoppeln.

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Was mit Alitalia passieren soll

Wie schon geschrieben, ist die aktuelle italienische Regierung dagegen, Alitalia an die Lufthansa zu verkaufen. Stattdessen soll das Unternehmen womöglich wieder verstaatlicht werden. Eine andere Möglichkeit: Es könnte ein strategischer Investor gesucht werden.

Staatssekretär Michele Geraci brachte Ende August im Vorfeld einer Reise nach China chinesische Fluggesellschaften als mögliche Kooperationspartner ins Spiel, die sich mit 49% an Alitalia beteiligen könnten. 49% deshalb, weil die italienische Regierung in jedem Fall will, dass Alitalia in italienischer Hand bleibt.

Nach Einschätzung des Übernahme-Sensors ist ein Verkauf an Lufthansa unter der aktuellen Regierung nahezu ausgeschlossen. Da es in Italien aber jederzeit Neuwahlen geben kann, heißt das nicht, dass es nicht doch noch in absehbarer Zeit zu dem Deal kommen könnte.

Lufthansa-Aktie im Blickpunkt

Die Lufthansa-Aktie war im vergangenen Jahr der große Überflieger im DAX. Im laufenden Jahr belasteten zunächst Gewinnmitnahmen und ein schwacher Gesamtmarkt. Darüber hinaus belastete der höhere Ölpreis.

Sinkt der Ölpreis, zieht die Lufthansa-Aktie wieder an. Ein Zukauf von Alitalia könnte sich – sofern er denn noch klappt – auch positiv auf die Lufthansa-Aktie auswirken. Ich bleibe für Sie am Ball.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.