Lufthansa: Jetzt auch noch Condor-Übernahme-Gerüchte

Die Gerüchte-Küche um mögliche Lufthansa-Allianzen brodelt weiter. Nachdem zu Wochenbeginn Insider vom starken Übernahme-Interesse der skandinavischen SAS und der belgischen Brussels Airlines berichteten, soll die Lufthansa auch auf den Ferienflieger Condor ein Auge geworfen haben.

Wie es aus Unternehmenskreisen heißt, verhandelt die Lufthansa bereits seit Monaten mit dem Condor-Mehrheitseigner Thomas Cook über eine Übernahme, eine Beteiligung oder eine Kooperation.

Es sei der zweite Anlauf heißt es – Gespräche im Sommer 2015 sollen wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen gescheitert sein.

Condor-Übernahme sinnvoller als SAS-„Abenteuer“

Es ist sehr gut möglich, dass die Gerüchte stimmen. Die in Frankfurt beheimatete Condor zu übernehmen erscheint strategisch viel sinnvoller als ein Skandinavien-Abenteuer. Durch die Frankfurter Basis ergeben sich nämlich Synergie-Effekte.

Condor arbeitete darüberhinaus im Geschäftsjahr 2014/2015 (endet am 30.Sept.) operativ profitabel. Die Gesellschaft ist zuversichtlich den schwachen Auftakt im Geschäftsjahr 2015/2016 im weiteren Jahresverlauf wieder wett machen zu können.

Ein weiterer Aspekt ist, dass Condor 46 Flugzeuge mitbringen würde, was der Lufthansa dem Ziel des Flottenausbaus von aktuell 86 auf 220 bis 230 bei der Billigflug-Tochter Eurowings näher bringt.

Verkauf zum fairen Preis auch im Interesse der Thomas Cook-Aktionäre

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat erst vor einem Monat die Wichtigkeit einer weiteren Branchenkonsolidierung hervorgehoben. Die Condor-Gerüchte sind schon sehr naheliegend.

Doch wenn jemand kaufen will, muss es auch jemanden geben, der verkaufen will. Der operative Verlust der Airline im ersten Quartal könnte dazu geführt haben, dass Mehrheitseigner Thomas Cook die Idee eines Verkaufs doch besser findet als im Vorjahr und von der ursprünglichen Preisvorstellung jetzt abrückte.

Zumal die vergangenen Monate auch gezeigt haben, dass der Druck aufgrund sinkender Ticketpreise nicht geringer wird. Einige Thomas Cook-Aktionäre empfinden die Condor mit 800 Mio. Euro Schulden ohnehin als Bremsklotz.

Ein Verkauf verbessert wichtige Kennziffern auf die Investoren schauen und stärkt die Bilanz. Allein die Gerüchte reichen aus, um die Aktie in einem schwächeren Markt um 3% nach oben zu schicken.

Brussels Airlines wird später übernommen – SAS ist Kooperations-Partner

Die Lufthansa hat sich nicht zu den Condor-Gerüchten geäußert. In einem Interview mit der Wirtschaftswoche teilte ein Insider jedoch mit, was von den Gerüchten zum Thema Brussels Airlines und SAS zu halten ist.

So soll eine Entscheidung über den Kauf der Brussels Airlines nicht wie berichtet am kommenden Mittwoch fallen. Offenbar will die Lufthansa noch warten, bis die Geschäfte nach den Terroranschlägen wieder normal laufen.

Den SAS-Übernahme-Gerüchten gab der Insider einen Korb – zumindest vorerst. SAS sei eher eine Art Franchise-Partner.

Die Neuigkeiten kamen an der Börse gut an. In einem schwachen Marktumfeld kann die Lufthansa-Aktie am Mittag um 0,5% zulegen.

22. April 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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