Lufthansa: Kursrückgang nicht wegen gedämpfter Übernahme-Spekulationen um SAS

Übernahme-Gerüchte um die skandinavische SAS bekamen Ende vergangener Woche einen Dämpfer. Während sich dort die Spekulationen nicht bewahrheiteten, könnte es an anderer Stelle dagegen zu Deals kommen. (Foto: Dawid Lech / Shutterstock.com)

Der Wochenstart an den Börsen in Europa verlief mehrheitlich positiv.

Negativen Vorgaben aus Asien zum Trotz legen DAX und Co. leicht zu. Gesucht wurden v. a. die Versorger-Aktien RWE und E.on.

Am Ende des Tableaus notierte die Lufthansa-Aktie, die auch am Freitag zu den Verlierern gehörte.

Schnell hieß es, dass dies daran lag, dass die Lufthansa Übernahme-Spekulationen um den skandinavischen Partner SAS einen Korb gab. Doch das wäre sehr verwunderlich.

Nach Verhandlungs-Marathon: Kooperation statt Übernahme

Hintergrund: Im April wurde berichtet, dass die Lufthansa eine Übernahme der skandinavischen SAS anstreben könnte. Die beiden Luftfahrt-Gesellschaften sind bereits Partner in der Star Alliance.

Ausgangspunkt der Gerüchte war jedoch eher der Wunsch eines starken Partners seitens der SAS-Großaktionär. Die Länder Dänemark, Norwegen und Schweden halten knapp 50% der Anteile und möchten diese offenbar versilbern.

Nachdem die SAS einen harten Sanierungskurs hinter sich hatte, wäre auch das Timing günstig gewesen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr teilte Ende vergangener Woche jedoch mit, dass man die SAS nicht übernehmen, sondern die Kooperation intensivieren wolle.

Mehrheit der Analysten stand SAS-Übernahme kritisch gegenüber

Dass die Ablehnung einer SAS-Übernahme Grund sein soll für die beiden schwachen Handelstage der Lufthansa-Aktie ist kaum vorstellbar.

Eine Übernahme war für viele Branchen-Experten und Analysten zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht, riskant und zu teuer.

Die zuletzt besseren SAS-Ergebnisse hat die Luftfahrt-Gesellschaft vor allem dem schwächeren Ölpreis zu verdanken.

Eine Übernahme hätte noch viel mehr Optimierung bedurft, gleichzeitig also auch Management-Kapazitäten verlangt.

Die Anzahl derer, die den Schritt positiv wertete, war sehr überschaubar. Warum soll also deswegen der Kurs unter Druck geraten sein?

Ölpreis, schwache Passagier-Zahlen, Kursziel-Reduzierung wohl eher Grund für Kursrückgang

Es ist problematisch, wenn erst auf die Kursreaktion geschaut wird, dann auf die Meldungen und dann daraus Zusammenhänge abgeleitet werden.

Wahrscheinlicher ist, dass die Verluste am Freitag und die heutigen Anschluss-Verluste nichts mit einer möglichen SAS-Übernahme-Absage zu tun haben.

Die ablehnende Haltung zur Übernahme wurde im Zuge eines Branchen-Kongresses in Irlands Hauptstadt Dublin bekannt.

In den Medien wurde im Zusammenhang mit der Lufthansa auf dem Kongress sonst wenig geschrieben. Es ist aber davon auszugehen, dass der Kongress noch viel werthaltiger für Investoren und Analysten war.

Die heutige Kursziel-Reduzierung eines Barclays-Analysten gibt Ausschluss: Der Branche mache eine unerwartet schwache Nachfrage zu schaffen.

Das, die Kursziel-Reduzierung und der anziehende Ölpreis sind wohl eher der Grund für die Kursverluste.

Condor, Brussels Airlines: An anderer Stelle könnten sich Übernahme-Gerüchte bewahrheiten

Der Übernahme-Sensor ist der Ansicht, dass die Lufthansa-Entscheidung richtig war.

Seit April kursieren Gerüchte, dass die Lufthansa auch die Übernahme der Brussels Airlines und des Ferienfliegers Condor prüft.

Dass die Brussels Airlines in den Lufthansa-Konzern übergeht, ist so gut wie sicher und eigentlich nur eine Frage der Zeit. Bei Condor ist ein Deal mit vielen Fragezeichen behaftet.

Auch da könnte es am Ende auf eine Kooperation hinauslaufen – doch wäre auch eine Übernahme keine Überraschung und mit Sicherheit eher zu vertreten als eine SAS-Übernahme.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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