Lufthansa mit harten Einschnitten

lufthansa

Dividende gestrichen, Boni ausgesetzt, Gehälter gekürzt und 700 von 763 Maschinen am Boden: Die Lufthansa spart, wo sie kann. (Foto: nitpicker/Shutterstock)

Sie war eines der ersten Unternehmen, das die Auswirkungen der Coronakrise direkt zu spüren bekam. Schon vor Wochen hat die Lufthansa ihren Flugplan drastisch zusammengestrichen: zunächst um 50 Prozent, später sollten nur noch 10 bis 20 Prozent der sonst üblichen Verbindungen stattfinden.

Nun hat die Traditionsairline den Rotstift noch einmal angesetzt. 95 Prozent des Flugplans fallen aus, lediglich eine Hand voll Verbindungen pro Woche zu ausgewählten Zielen wird weiterhin angeboten. Damit reagiert die Fluggesellschaft auf die rapide eingebrochene Nachfrage, vor allem aber auch auf die inzwischen weltweit greifenden Reisebeschränkungen.

Grenzschließungen belasten Flugbranche

Etliche Staaten haben ihre Grenzen dichtgemacht und lassen grundsätzlich keine ausländischen Gäste mehr ins Land. Einige Regionen und Staaten wurden als Hochrisikogebiete eingestuft, Reisenden von dort wird der Grenzübertritt ebenfalls meist untersagt. So riegelt die Europäische Union ihre Außengrenzen ab, die deutsche Bundesregierung hat zum ersten Mal in der Geschichte eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen und mehrere EU-Staaten schließen auch die Binnengrenzen zu ihren Nachbarländern, wie beispielsweise Frankreich, Österreich oder Italien.

Touristische Reiseaktivitäten fallen damit ebenso flach wie Businessreisen. Viele Unternehmen haben ihre Mitarbeiter angehalten, auf Videokonferenzen zurückzugreifen, anstatt die Geschäftspartner am anderen Ende der Welt persönlich zu besuchen.

Lufthansa-Chef setzt Rotstift an

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht den Konzern finanziell gut gerüstet, um mit einer solchen Ausnahmesituation fertig zu werden. Zudem macht der Rotstift auch vor dem Vorstand nicht halt: Obwohl das Jahr 2019 für die Lufthansa noch recht ordentlich lief, werden Bonuszahlungen vorerst ausgesetzt, die eigentlich vorgesehene Dividende für Anleger wird gestrichen und die Vorstandsbezüge werden um 20 Prozent reduziert.

Für zigtausende Beschäftigte hat der Konzern zudem Kurzarbeitergeld beantragt. Auf diese Weise sollen an möglichst vielen Stellschrauben gleichzeitig Kosten eingespart werden. Ein Vorteil für die Lufthansa als große und langjährig etablierte Fluggesellschaft ist, dass ihr die Flugzeugflotte selbst gehört. Die Maschinen, die am Boden bleiben, verursachen damit keine direkten Cash-Kosten, mit denen sich viele kleinere Airlines derzeit konfrontiert sehen.

Insofern ist mittelfristig durchaus mit einer weiteren Konsolidierung in der Luftfahrtbranche zu rechnen. Spohr argumentierte, dass auch die Lufthansa nach der Coronakrise wohl kleiner sein werde als zuvor, am Überleben der Airline ließ er jedoch keinen Zweifel.

Frachtgeschäft läuft gut

Ein Lichtblick ist zudem, dass trotz der eingebrochenen Passagierzahlen eine andere Sparte umso besser läuft: der Frachtverkehr. So ist im Gespräch, eilige Güter auch per Flugzeug zu transportieren, angesichts der Mega-Staus, die sich in innereuropäischen Grenzregionen in den letzten Tagen gebildet hatten. An einem deutsch-polnischen Grenzübergang standen Lkws bis zu 20 Stunden im Stau – ein auf Dauer unhaltbarer Zustand, nicht nur für die betroffenen Fahrer.

Bei der Lufthansa wird nun in Erwägung gezogen, auch Passagiermaschinen für den Frachttransport einzusetzen. Dennoch zeichnet sich bereits ab, dass die Branche die Krise kaum ohne staatliche Unterstützung überstehen wird. Wie hoch diese am Ende ausfallen, wird maßgeblich davon abhängen, wie lang der Ausnahmezustand noch andauert.

lufthansa

DAX mit Punktlandung am 62er Fibonacci-Retracement!Besser hätte der DAX diesen Bereich nicht treffen können. Die Aufwärtsbewegung seit Ende 2018 hat heute präzise ihr 62er Retracement erreicht. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von David Gerginov. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz