Lufthansa prüft Norwegian-Übernahme

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Lufthansa bestätigt Interesse an Norwegian. Ein Deal zum richtigen Preis trägt viele Chancen. (Foto: Markus Mainka / shutterstock.com)

In der europäischen Luftfahrtbranche kündigt sich eine weitere Konsolidierung an. Nur wenige Tage nachdem Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einem Interview mitteilte, dass „jeder mit jedem spreche“, sind auch schon die ersten Namen bekannt, wen sich Deutschlands größte Fluggesellschaft schnappen könnte: Die norwegische Billigairline Norwegian Air Shuttle.

Spohr bestätigte die Gerüchte, dass die Lufthansa mit Norwegian spreche – und auch das Management des Übernahme-Kandidaten bestätigte den Kontakt. Ein Deal ist damit zwar alles andere als sicher, doch die Norwegian-Aktie profitiert bereits dennoch stark: 11% fliegt die Aktie der Norweger in einem schwachen Gesamtmarkt höher.

IAG tritt Übernahme-Spekulationen los

Norwegian ist schon seit geraumer Zeit Übernahme-Kandidat. Im April stieg der Lufthansa-Rivale IAG im Zuge einer Kapitalerhöhung mit knapp 5% bei Norwegian ein und bekräftigte, dass man auch gerne mehr wollen würden.

Es dauerte dann auch nicht lange, bis IAG eine unverbindliche Offerte für den Billigflieger vorlegte. Doch diese wurde ebenso wie ein aufgestocktes Angebot vom Norwegian-Großaktionär Kjos als unzureichend zurückgewiesen.

Norwegian-Großaktionär facht Übernahme-Chance an

Weiteres Übernahme-Interesse wird auch dem irischen Billigflieger Ryanair nachgesagt. Dieser habe Norwegian bereits im Vorjahr auf einen Deal angesprochen. Ende Mai sagte Norwegian-Chef Bjön Kjos, dass man mit Ryanair im Gespräch sei.

Der Konkurrent bestritt zwar ein Interesse, doch der Übernahme-Spekulation tat das keinen Abbruch. Und mit dem jetzt bestätigten Übernahme-Interesse der Lufthansa ist sich der Norwegian-Großaktionär sicher: Wir sind für verschiedene Branchenkollegen sehr attraktiv.

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Lufthansa Aktie: Was bringt eine Übernahme von Norwegian?Ob die Lufthansa-Aktie von einer Übernahme von Norwegian profitieren würde, ist sehr fraglich. Die Airline ist den Zahlen nach im Aufwind. › mehr lesen

Norwegian als alleinstehendes Unternehmen keine interessante Investitionsstory

Diese Attraktivität rührt aber zumindest aktuell nicht aus der operativen Stärke der Norweger. Denn die Geschäfte laufen schlecht. Obwohl die Luftfahrtgesellschaften 2017 vom niedrigen Ölpreis profitierten, musste Norwegian einen hohen Verlust ausweisen.

2018 dürfte die Situation nicht besser werden. Der Ölpreis (WTI) hat auf Jahressicht fast 50% zugelegt, die Kostenseite wird also dementsprechend belastet. Wer auch immer von der Norwegian-Übernahme profitieren will: Zunächst einmal muss die Gesellschaft wieder in die Spur gebracht werden.

Übernahme zum richtigen Preis bietet Käufer große strategische Möglichkeiten und trägt hohes Kosteneinsparungspotenzial

Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Norwegian demnächst einen Deal bekannt gegeben wird. Dies bedeutet allerdings nicht, dass es auf Basis des aktuellen Kurses zwangsläufig eine für Aktionäre wertsteigernde Transaktion geben muss.

Das Übernahme-Szenario ist großzügig eingepreist, immerhin notiert der Aktienkurs rund 60% über dem Kurs vor Aufkommen der Gerüchte. Kommt es nach den  Gesprächen „nur“ zu einer Minderheitsbeteiligung oder Kooperation, könnten die Investoren verschnupft reagieren.

Im Falle einer Übernahme könnte die Aktie jedoch noch höher fliegen. Einige operativen Norwegian-Probleme sind auf die fehlende Größe der Gesellschaft zurückzuführen. Als Teil einer Lufthansa oder IAG könnten große Kostenvorteile entstehen, die die Rentabilität deutlich steigern.

Daher stehen vielleicht auch die Lufthansa-Aktionäre heute dem Übernahme-Interesse eher offen gegenüber. Die Lufthansa-Aktie notierte zwar heute kurz vor Börsenschluss leichter – doch im schwachen Marktumfeld gehört das Papier von Deutschlands führender Luftfahrtgesellschaft zu den besseren Werten.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.