Lufthansa steht auch nach einer Staatsbeteiligung vor schweren Zeiten

Lufthansa Flugzeug RED – shutterstock_577658362 Dawid Lech

Besser ein Ende mit Schrecken: Buffett verkauft seine Airline-Aktien. Was sind die Folgen für Lufthansa? (Foto: Dawid Lech / Shutterstock.com)

Auch Legenden machen Fehler. Der Milliardär Warren Buffett, für viele Value-Investoren ein unfehlbares Idol, hat am Wochenende mitgeteilt, dass seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway sämtliche Anteile an den vier großen US-Fluggesellschaften verkauft hat. Zwischen 9% und 11% hatte Buffett an Delta Airlines, Southwest Airlines, American Airlines und United Airlines gehalten. Nun wurden die Beteiligungen im Wert von rund 6,5 Mrd. US-Dollar komplett abgestoßen.

Die Welt hat sich verändert

Während seiner im Live-Stream übertragenen Hauptversammlung erklärte die Investorenlegende, das Airline-Geschäft habe sich nach den Reisebeschränkungen im Zuge der Coronavirus-Pandemie grundlegend verändert. Gleichzeitige lehnte es Buffett ab, die Vorstände der Fluggesellschaften für ihre Misere verantwortlich zu machen und fügte hinzu, dass er sie nicht für ihre Jobs beneide.

“Die Welt hat sich für Fluggesellschaften verändert und ich wünsche ihnen alles Gute”, erklärte Buffett in einem Webcast. Gleichzeitig gestand er sich seinen Fehler ein und erklärte, dass er allein die Entscheidung getroffen und Geld für seine Investoren verloren habe. “Das Airline-Geschäft – und ich kann mich irren und ich hoffe, ich liege falsch -, aber ich denke, es hat sich sehr stark verändert”, sagte Buffett.

Ein Minus von 96%

US-amerikanische Fluggesellschaften haben Hunderttausende von Flügen gestrichen und Tausende von Flugzeugen eingemottet. Nach einer Analyse des US-Transportministeriums ist die Anzahl der Flugpassagiere im April um bis zu 96% gesunken – auf Werte, wie sie seit den 1950er-Jahren nicht mehr festgestellt wurden. Einen Zeitplan, wann die Welt wieder wie vor der Krise fliegen wird, gibt es nicht.

Was uns zur Lufthansa bringt, der größten Fluggesellschaft Europas, die gestern ihre Hauptversammlung abgehalten hat – virtuell natürlich. Und dabei einen Quartalsverlust von 1,2 Milliarden Euro bekannt geben musste. Dass das nicht lange gut gehen kann, klingt einleuchtend, weshalb die Rufe nach einem Eingreifen des Staates immer lauter werden. Fragen auf der Hauptversammlung zu diesem Thema blieben indes unbeantwortet.

Sperrminorität für den Staat?

Was Gerüchten Vorschub leistet. Das für gewöhnlich gut informierte Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat bereits am Freitag berichtet, dass Lufthansa mit der Bundesregierung ein Rettungspaket in Höhe von 10 Milliarden Euro verhandelt. Dem deutschen Staat würden damit 25,1% des Unternehmens und ein Sitz im Aufsichtsrat eingeräumt werden.

Doch ob die mit einer Beteiligung von 25,1% verbundene Sperrminorität gut für Lufthansa wäre, darf bezweifelt werden. Unabhängig von ihrer politischen Couleur dürften im Aufsichtsrat vertretene Politiker kaum dabei zusehen, wie ein notwendiges Restrukturierungsprogramm, das mit einem Personalabbau von 10.000 Stellen verbunden sein dürfte, verabschiedet wird. Zumindest ohne dass auch die Aktionäre bluten müssen. Denn das ist die unangenehme Seite staatlicher Intervention: Die unternehmerische Entscheidungs- und Handlungsfreiheit eines Vorstands ist dann weg. Dabei ist entschlossenes unternehmerisches Handeln gerade in der Krise der beste Weg für, diese zu überleben. Nein, Lufthansa stehen keine guten Zeiten bevor.

Dax30 – Lufthansa Trading-Idee startet durch!

Dax30 – Lufthansa Trading-Idee startet durch!Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des John Gossens Daily Dax. Täglich analysiere ich zwei Mal für Sie die internationalen Aktienmärkte. Morgens starten wir immer mit dem Blick auf den… › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
thilo-hassler-experte
Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Peter Thilo Hasler. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz