Lufthansa stellt sich auf eine längerfristige Krise ein

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Der Lufthansa-Chef rechnet damit, dass die Krise erst 2023 überwunden sein könnte. Wenn es das Unternehmen dann noch in der Form gibt. (Foto: Dawid Lech / Shutterstock.com)

Eines der Unternehmen, das in Deutschland am stärksten von der Covid-19-Pandemie betroffen ist, ist die Deutsche Lufthansa. Nun hat der Vorstand, unterstützt von seinen Betriebsräten, von der Politik schnelle Entscheidungen zu der geforderten Staatshilfe angemahnt. In einem offenen Brief warnten die Arbeitnehmervertreter am Dienstag vor einer Insolvenz oder einem Schutzschirmverfahren für die deutsche Airline. In beiden Vorschlägen sehen die Betriebsräte unkalkulierbare Risiken, die zudem wirtschaftlich und politisch falsche Signale setzen würden.

Eigenverwaltung kein einfacher Weg

Die Befürchtungen haben sie zu Recht. Wird doch bei einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, so die offizielle Bezeichnung des Schutzschirmverfahrens, der Bock wird zum Gärtner bestellt. Sprich: Der Vorstand betreibt sein Geschäft munter weiter und wird dabei unterstützt von einem vorläufigen Sachverwalter. Gemeinsam wird dann ein Sanierungsplan aufgestellt, der nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens als Insolvenzplan durchgeführt werden soll.

Von diesem Sanierungsplan werden in erster Linie die Mitarbeiter betroffen sein. Wenn nicht Entlassungen, dann dürfte doch zumindest ein Verlust von Arbeitnehmerrechten die Folge sein. Die Belegschaft von Germanwings etwa hat dem Lufthansa-Management bereits vorgeworfen, die Corona-Krise als Vorwand zu nutzen, um schon länger geplante Umstrukturierungsmaßnahmen durchzusetzen. In dieselbe Kerbe schlägt die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die Lufthansa aufgefordert hat, Arbeitsplätze der Beschäftigten zu schützen und keine pauschalen Personalabbau-Szenarien durchzurechnen.

Ist eine staatliche Beteiligung die Lösung?

Sie bevorzugen eine staatliche Beteiligung, bei der Arbeitsplätze und Einkommen am besten so bleiben, wie sie sind. Je nach politischer Couleur soll sich der Staat in diesem Fall in die Unternehmensführung einbringen, um mitzubestimmen und einen sozial-ökologischen Umbau voranzutreiben, oder seine Milliarden in Form stiller Beteiligungen einbringen, das heißt: Ohne jede Mitsprache.

Die Rede ist von bis zu zehn Milliarden Euro. Für ein Unternehmen, das an der Börse inzwischen weniger als vier Milliarden Euro wert ist. Dass die Bundesregierung so viel Geld in eine seit Jahren kaum profitable Airline investiert, ohne im Gegenzug ein Mindestmaß an Mitsprache zu bekommen, dürfte politisch kaum durchsetzbar sein. Das weiß auch der Lufthansa-Vorstand und baut die Insolvenz in Eigenregie als Drohkulisse auf. Was wiederum eine riskante Strategie ist, denn Missmanagement durch übertriebene Forderungen zu kaschieren, ist kaum angemessen. Faktisch dürfte die Deutsche Lufthansa schließlich schon jetzt bilanziell überschuldet sein.

Rausschmiss aus dem DAX

Als wäre die Lage nicht schon kompliziert genug, kommen nun auch noch Gerüchte hinzu, die Aktie würde Anfang Juni den DAX verlassen müssen. Die Meldung ist insofern spektakulär, als dass es sich bei der Lufthansa immerhin um ein Gründungsmitglied des deutschen Leitindizes handelt. Zwar ist der Juni kein regulärer Verkettungstermin – diesen gibt es beim DAX nur im September – doch dürfte im Juni die sogenannte Fast-Exit- bzw. Fast-Entry-Regel zur Anwendung kommen.

Dabei wird ein DAX-Mitglied aus dem Leitindex entfernt, wenn es in den Kriterien Free-Float-Marktkapitalisierung (20-Tage-Durchschnitt des volumengewichteten Durchschnittskurses) und Börsenumsatz (Summe der letzten zwölf Monate) nicht länger unter den Top-45 der im Prime Standard notierten Aktien zu finden ist. Dies ist bei der Lufthansa wohl der Fall: Sie dürfte bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes mit 3,4 Milliarden Euro nur noch auf Rang 51 rangieren. Eine Ära neigt sich damit dem Ende zu.

Doch bei der aktuellen Gemengelage zuzugreifen dürfte für Sie keine gute Idee sein. Angesichts gedämpfter Aussichten, einer drohenden Kapitalerhöhung mit oder ohne politischer Intervention oder einer Insolvenz in Eigenverantwortung dürften sich der Aktienkurs kaum nennenswert erholen.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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