Lufthansa: Übernahme zum Börsenjubiläum?

Die Lufthansa-Aktie feierte gestern ihr Börsenjubiläum. 50 Jahre wird die Aktie von Europas größter Luftfahrtgesellschaft gehandelt und hat den Langfrist-Investoren unter dem Strich einen ordentlichen Gewinn eingebracht.

Auch auf Jahressicht gehört die Aktie mit einem Plus von 11,5% zu den besseren DAX-Performern. Der niedrige Ölpreis und eine höhere operative Effizienz sorgten zuletzt dafür, dass sich die Kranich-Aktie gegen einen fallenden Gesamtmarkt behaupten konnte.

SAS und Brussels Airlines auf dem Radar

Die Herausforderungen sind indes weiterhin groß. Vorstandschef Carsten Spohr hat zwar in seiner jungen Amtszeit bereits Erfolge erzielt, doch bleibt der Weg lang, um sich gegen die Billigflug-Konkurrenz aus Ryanair und Easyjet behaupten zu können.

Eine Möglichkeit könnte das Management in der Übernahme der belgischen Brussels Airlines und der skandinavischen SAS sehen. Insidern zufolge wird parallel mit den beiden Partnern über einen Deal gesprochen.

Brussels Airlines befördert Politiker: Gutes Geschäft auch in schwachen Konjunkturphasen

Brussels Airlines gehört bereits teilweise zum Lufthansa-Imperium. Die Lufthansa hält ein 45%-Aktienpaket mit der Option bis 2018 die restlichen 55% zu erwerben. In Abhängigkeit vom Erfolg der Airline liegt der Preis dafür bei bis zu 140 Mio. Euro.

Eine Entscheidung soll dem Insider zufolge auf der Aufsichtsratssitzung am 27. April erfolgen. Einen Tag später findet die Hauptversammlung statt, auf der dann der Deal bekannt gegeben werden kann.

Brussels Airlines hat 50 Maschinen im Betrieb und erwirtschaftete im Vorjahr einen Gewinn von 41 Mio. Euro. Für die Lufthansa ist das Unternehmen attraktiv, da in Brüssel verschiedene europäische Institutionen vertreten sind und dementsprechend viele Politiker dort hinfliegen. Da Politik in guten und in schwachen Konjunkturphasen betrieben wird, sind die Fluggastzahlen auch nicht so anfällig.

SAS-Gerüchte glaubhaft

Seit dem Herbst verhandelt die Lufthansa mit der SAS über eine Übernahme. Die Großaktionäre Schweden (21%) Norwegen (14%) und Dänemark (14%) wollen ihre Anteile versilbern und die Lufthansa könnte die SAS an die Unternehmenstochter Eurowings andocken. SAS selbst sieht sich als „aktiven Konsolidierer“.

Die Eurowings ist extra so konzipiert worden, dass Zukäufe relativ problemlos angegliedert werden können. Zudem ist ein massiver Ausbau der Flotte geplant, sodass die Spekulationen nicht weit hergeholt sind.

Analysten und Branchenexperten vom Mehrwert einer Transaktion nicht überzeugt

Die SAS ist aber weit weg vom Premium-Übernahme-Ziel. Die Airline hat einen sehr harten Sanierungskurs hinter sich und soll in diesem Jahr die Gewinnzone erreichen. Die Gesellschaften erfahren aber allerdings massiven Rückenwind von den Ölpreisen, sodass der vermutlich kommende Gewinn nicht überbewertet werden sollte.

Analysten und Luftfahrt-Experten stehen einer Komplett-Übernahme ziemlich kritisch gegenüber. So sei die SAS trotz des Sanierungskurses noch eine Baustelle und der zu zahlende Preis wäre zu teuer.

Kooperation vermutlich die bessere Lösung

Auch der Übernahme-Sensor ist skeptisch. Die Lufthansa hatte bei früheren Deals nicht immer das beste Händchen und fragt sich, ob die SAS aktuell eine einmalige Chance ist. Sehr gut möglich, dass die Integration Management-intensiv ist und die Kapazitäten an anderer Stelle besser eingesetzt wären.

Zudem sollte an die 30 Gewerkschaften in den drei skandinavischen Ländern gedacht werden. Mit Gewerkschaften hat die Lufthansa nicht gerade die beste Erfahrung gemacht. Allein in den vergangenen 2 Jahren kam es zu 14 Streiks. Die von Analysten favorisierte Minderheitsbeteiligung oder lose Kooperation erscheint dem Übernahme-Sensor ebenfalls vernünftiger.

15. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Jens Gravenkötter. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt