Luxottica und Essilor: Brille + Gläser = Genial

Milliarden-Zusammenschluss im Brillen-Markt: Der Gestell-Hersteller Luxottica sucht den Schulterschluss mit Essilor, der Nr. 1 unter den Brillengläser-Herstellern.

Ohne ein Kenner des Übernahme-Geschäfts zu sein, ist es für Außenstehende einfach zu verstehen, dass dieser Deal eine gewisse Logik besitzt.

Dementsprechend begeistert reagierten heute auch die Aktionäre der beiden Unternehmen:

Während sich das Papier von Luxottica am Nachmittag an der Heimatbörse in Mailand um 9% vorarbeitet, legt die Essilor-Aktie in Paris sogar um 11,5% zu.

Deal bringt dreistellige Synergien mit sich…

Klappt die Fusion, entsteht ein Brillen-Konzern mit einer Marktkapitalisierung von rund 50 Mrd. €.

Zumindest die Gunst der Aktionäre dürfte der Zusammenschluss haben, denn das Management stellt Synergien von 400 – 600 Mio. € in Aussicht.

Die Führung des neuen Unternehmens soll dabei an den Luxottica-Gründer Leonardo Del Vecchio gehen.

Der 81-jährige hält aktuell über seine Beteiligungs-Gesellschaft Delfin einen 62% Anteil an Luxottica und wird diesen voll einbringen.

Nach dem Deal bleibt Del Vecchio mit 31 – 38% größter Einzel-Aktionär, sein Stimmrechts-Anteil wird allerdings bei 31% gedeckelt.

…und löst Luxotticas Nachfolge-Problem

Der Zusammenschluss vereinigt 2 Konzerne, die sich bereits kennen; vor 4 Jahren versuchten die Parteien schon einmal eine Fusion, doch die Verhandlungen scheiterten gerüchteweise an der Position von Luxottica.

Jetzt ist die Situation etwas anders:

Die Nachfolge-Regelung gestaltet sich bei Luxottica schwieriger als gedacht und die Fusion, die selbstverständlich die gleichen Vorteile wie damals mit sich bringt, löst dieses Problem.

Del Vecchio wird der Essilor-Chef Hubert Sagnieres als gleichberechtigter Manager zur Seite gestellt.

Wettbewerbs-Behörden als potenzieller Stolperstein

Sie kennen die beiden Firmen vermutlich nicht direkt, dafür aber ihre Marken: Luxottica bietet Gestelle der Marken Ray-Ban, Armani oder Prada an. Essilor ist bekannt für Gleitsicht-Gläser der Marke Varilux.

Geschäftlich sind die beiden Unternehmen bereits jetzt eng verbunden: Essilor ist größter Brillenglas-Hersteller und Luxottica ist als größter Brillen-Vertriebskonzern wichtiger Kunde.

Das kann einigen Analysten zufolge dann auch zu Problemen bei der Deal-Genehmigung führen – auch wenn die beiden Firmen mit Blick auf die Produktion kaum Überschneidungen haben.

Fazit: Ordentlicher Deal mit Gewinnern auf beiden Seiten

Wenn die Fusion wie geplant klappt, dann gewinnen letztendlich alle Beteiligten. Der Zusammenschluss führt zweifelsfrei zu einem starken Spieler im Brillen-Geschäft.

Der Markt besitzt angesichts einer alternden Bevölkerung eine gute Perspektive und die Synergien nehmen Druck, der durch aufstrebende Konkurrenten aus Fernost entsteht.

Für Luxottica-Aktionäre ist zudem die Ungewissheit beseitigt, wie es mit der Unternehmens-Führung weiter geht.

Essilor-Aktionäre – zuletzt von einigen Problemen in den USA, einer Prognose-Kürzung sowie schwacher Kursentwicklung geplagt – haben jetzt auch mehr Geschäftssicherheit.

Luxottica begann ein wenig im Essilor-Markt „zu fischen“ – unter dem Strich ein ordentlicher Deal mit den Wettbewerbs-Behörden als einzigem Stolperstein.

16. Januar 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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