MACD-Kaufsignale: DAX-Rücksetzer wahrscheinlich

In meinem gestrigen Beitrag Reisen Sie auch ohne Auto-Check und Routenplan? hatte ich mich darum bemüht, deutlich zu machen, dass Sie an den Börsen nicht ohne Check des Marktzustandes und ohne Plan agieren sollten.

Schließlich kämen Sie auch nie auf die Idee, eine längere Autoreise ohne Auto-Check und Routenplan zu beginnen.

Erst checken, dann fahren!

Einen ersten Ansatz, den Marktzustand zu checken, hatte ich Ihnen gestern mit dem Börsenklima-Index vorgestellt. Heute möchte ich Ihnen eine weitere Möglichkeit präsentieren: Die MACD-Kaufsignale.

Den MACD als Indikator habe ich hier auf Chartanalyse-Trends schon viele Male zur Analyse eingesetzt. In dem von mir entwickelten Indikator mache ich mir einen seiner größten Vorteile zunutze: Die Tatsache, dass er sich stets entweder in einem Kaufsignal oder in einem Verkaufssignal befindet.

Ein Kaufsignal entsteht bekanntlich immer dann, wenn die MACD-Linie die Signallinie von unten nach oben durchkreuzt. Im umgekehrten Fall wird ein Verkaufssignal generiert.

Da wir also von jeder Aktie in einem Index zu jedem Zeitpunkt bestimmen können, ob sich diese in einem Kauf- oder Verkaufssignal bewegt, können wir auf zu jeder Zeit bestimmen die Gesamtzahl der Kaufsignale in einem Index ermitteln. Diese Zahl wird dann in ein Verhältnis zur Zahl aller im Index enthaltenen Aktien gesetzt.

Genau dies tue ich für den DAX täglich. Um den Chart übersichtlicher zu gestalten, bilde ich ihn hier allerdings als Wochenchart ab. Im Chart ist der Indikator grün und der DAX in blau eingeblendet.

Funktion des MACD-Kaufsignale-Indikators

Auch dieser Indikator pendelt zwischen 0% und 100%: Bei 0% wären mithin alle DAX-Aktien in einem MACD-Verkaufssignal, bei 100% alle in einem MACD-Kaufsignal.

Werte über 75% deuten in der Regel auf einen überhitzten DAX hin. Ab 90% läuft der DAX dann richtig „heiß“. Sinkt er anschließend wieder unter 75% ab, folgt in aller Regel eine „abkühlende“ Abwärtsbewegung.

Sondersituation Herbst 2010

Auch hier sehen Sie, wie schon beim Börsenklima-Index, dass der MACD-Kaufsignale-Indikator im Herbst 2010 falsch gelegen hätte (blaues Rechteck).

Das ist deshalb bemerkenswert, weil der DAX im November / Dezember 2010 rund 300 Punkte anstieg, sich in dieser Phase jedoch lediglich 43,3% bis 60% aller DAX-Aktien in einem Kaufsignal befanden.

Tatsächlich klaffte die Performance der DAX-Werte in dieser Phase extrem auseinander: Sie reichte von +19,1% für Infineon, +14,4% für BMW und +14,0% für ThyssenKrupp auf der Plusseite bis zu -8,3% für Deutsche Post, -8,6% für Commerzbank und -9,8% für Beiersdorf auf der Minusseite.

Alles nicht so eindeutig, wie es schien

Die aktuelle Lage unterstreicht das gestern in der Analyse des Börsenklima-Index Gesagte: Der DAX ist zuletzt heiß gelaufen. Der in der letzten Woche von 76,7% auf 53,3% gefallene Anteil der MACD-Kaufsignale signalisiert bereits eine bevorstehende Abkühlung.

Die Entwicklung des Indikators im Januar demonstriert zudem, dass sich die Einschätzung des DAX in den letzten Wochen nicht gar so eindeutig gestaltete wie beim Börsenklima-Index.

Schon am 6. Januar notierten die MACD-Kaufsignale bei 90% (gelber Kreis) und zeigten damit einen heiß gelaufenen DAX an. Und am 27. Januar, eine Woche vor dem Erreichen des bisherigen Jahreshochs, fiel der Indikator unter die 75%-Marke und gab damit ein Verkaufssignal.

14. Februar 2012

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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