Macht der MDAX es besser als sein großer Bruder?

mdax

Wir sind gewohnt, eher auf DAX und Dow Jones zu schauen. Nach dem TecDAX gestern checken wir daher heute den MDAX. (Foto: Delux/Shutterstock)

Wohin Sie auch blicken: In den Börsenmedien wird zumeist die Entwicklung der großen Indizes wie DAX, Dow Jones oder S&P 500 betrachtet. Davon nehme ich mich auch nicht völlig aus.

Daher haben wir uns bereits gestern einmal gemeinsam die Charttechnik des TecDAX angeschaut: Eines von gleich 3.512 (!) Geschwistern der DAX-Familie.

Heute nehmen wir uns einen weiteren Verwandten vor: Der MDAX – ausgeschrieben bedeutet das MidCap-DAX. Dieser Index bildet die Kursentwicklung der 50 größten mittelgroßen deutschen Aktiengesellschaften ab.

Ihr Starter: Der langfristige Chart

Wenn Sie schon mal bei klarem Wetter auf einem Flug aus dem Fenster geschaut haben, dann wissen Sie: Von dort oben genießen Sie nicht nur eine phantastische Aussicht, sondern können weit mehr erkennen, als wenn Sie in Bodennähe um sich blicken.

In der Charttechnik ist es nicht die Höhe, sondern die Historie, die Ihnen einen besseren Überblick gewährt: Bei einem historischen Kursverlauf werden Ihnen plötzlich langfristige Trends offenbart, die Sie auf einem nur wenige Wochen oder Monate umspannenden Chart nie entdecken können.

Daher beginne ich meine Analysen in weniger bekannten oder unbekannten Märkten stets mit dem Blick auf einen Monats-Chart. Dazu bilde ich im unteren Teil den 14-Monats-Relative-Stärke-Index (RSI) ab.

Der zuverlässigste Langfrist-Signalgeber

Genau das tun wir jetzt mit dem MDAX:

MDAX: Der Aufwärtstrend seit 2009 schon im Februar 2018 verlassen

Der RSI zeigt Ihnen die Trend-Intensität eines Kursverlaufes an. Da der Indikator auch zur Trendbildung neigt, lassen sich hier sehr gut Trendlinien im Chart eintragen und in der Folge Trendbrüche erkennen.

Die Kenntnis darüber verleiht Ihnen einen gewaltigen Vorsprung gegenüber weniger erfahrenen Investoren: Da hier langfristig andauernde Kauf- und Verkaufssignale generiert werden, brauchen Sie nicht gleich nervös zu werden, wenn es beispielsweise in einem Aufwärtstrend mal eine Zeitlang gegen Sie läuft.

Der Aufwärtstrend seit 2009 schon im Februar 2018 verlassen

Folgende Punkte sind hier im Monats-Chart von Bedeutung:

1. Der Relative-Stärke-Index hat seinen seit 2009 bestehenden Aufwärtstrend im Februar des vergangenen Jahres durchbrochen (übrigens 3 Monate später als der TecDAX). In der Folge kam es indes nicht zu einer größeren Korrektur, die Sie durchaus hätten erwarten dürfen:

Stattdessen sahen wir bislang eine recht breit angelegte Seitwärts-Bewegung. Die Abwärtsbewegung im RSI der vergangenen Monate erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit dafür, dass wir noch eine größere Korrektur zu sehen bekommen.

mdax

Januar-Effekt: Überrenditen können nicht nachgewiesen werdenDen Januar-Effekt für die Anlageentscheidung zu nutzen, ist zwar verlockend, doch für die künftige Entwicklung kein geeigneter Maßstab. › mehr lesen

2. Wie auch der TecDAX hat der MDAX zum Jahreswechsel 2013/14 eine Divergenz (Abweichung) ausgebildet: Der Index kletterte munter weiter auf neue Tops (pinkfarbene Linie). Der Relative-Stärke-Index hingegen generierte tieferliegende Hochs.

Eine Divergenz (Abweichung) macht Sie auf einen in der Zukunft anstehenden Trendwechsel aufmerksam. Bis dieser eintritt, kann indes noch viel Zeit vergehen. Daher eignet sich der RSI in dieser Funktion nicht als Timing-Instrument.

Ohne jeglichen Schwung

Wie schon gestern beim TecDAX schauen wir auch heute beim MDAX noch auf einen Tages-Chart mit dem 50-Tage-Momentum:

MDAX: Ohne jeglichen Schwung

Erneut finden wir eine Divergenz (Abweichung) des Index gegenüber dem Indikator vor:

Nach dem Top im März dieses Jahres gab das Momentum immer weiter nach. Der MDAX hingegen bildete noch bis Ende Juli höhere Hochs aus.

Ebenfalls auffällig: Seit Juni 2019 ist der Schwung aus dem Indikator raus: Das Momentum pendelt nur noch lustlos um den Nullpunkt herum. Per Monatsbeginn rutschte der Indikator sogar tiefer in den Minusbereich ab.

Fazit

Leider ist auch die Charttechnik des MDAX – wie schon die des TecDAX und des DAX – eine Enttäuschung. Derzeit spricht weit mehr für weitere Index-Verluste, als für neue Jahreshochs.

Im Monats-Chart sahen Sie, dass der MidCap-Index seinen seit 2009 bestehenden Aufwärtstrend schon im Februar 2018 nach unten verlassen  hat. Seither kämpft er in einer Seitwärts-Bewegung um seine Stabilität.

Bei allen 3 genannten Indizes liefert uns das Momentum ein identisches Bild: Die Rallye von Mitte August bis Mitte September wurde nicht mitgetragen – im Gegenteil tendierte der Schwung-Indikator weiter abwärts.

Und der Rutsch in den Minusbereich in den letzten 10 bis 14 Tagen verspricht Ihnen mindestens noch ein Andauern der Korrektur. Immerhin:

Achten Sie im MDAX auf die Marke 24.500: Sollte diese Unterstützung fallen, drohen weitere deutliche Index-Verluste.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Andreas Sommer. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz