Machtkampf bei Grammer: Morgen großer Showdown

Erfahren Sie hier, was Sie über den morgigen Showdown zwischen dem Autozulieferer Grammer und der Unternehmer-Familie Hastor wissen müssen. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Die morgige Hauptversammlung des deutschen Autozulieferers Grammer verspricht eine der spannendsten Hauptversammlungen des Jahres zu werden.

Diejenigen unter Ihnen, die meine Beiträge regelmäßig verfolgen, wissen bereits warum.

Für diejenigen, die noch nicht im Bilde sind, möchte ich die Hintergründe kurz zusammenfassen:

Warum denn eigentlich Showdown?

Die bosnische Unternehmer-Familie Hastor, die u. a. hinter dem Autozulieferer Prevent steht, versucht derzeit bei Grammer die Kontrolle zu übernehmen.

So will die Familie Hastor etwa Grammer-Chef Hartmut Müller stürzen und 5 amtierende Aufsichtsrats-Mitglieder durch der bosnischen Familie nahestehende Personen ersetzen.

Die Personal-Entscheidungen im Aufsichtsrat wollen die Hastors bereits auf der morgigen Hauptversammlung des im SDax gelisteten Autozulieferers durchdrücken.

Sie kontrollierten zuletzt über ihre beiden Investment-Vehikel Halog und Cascade gut 20% der Grammer-Anteile.

Daher rechnen sie sich daher gute Chancen auf eine Einflussnahme auf das operative Geschäft von Grammer aus.

Das Grammer-Management wehrt sich seit Wochen gegen diese Pläne. Zur Unterstützung holte sich Grammer den chinesischen Investor Ningbo Jifeng ins Boot.

Der Plan dahinter: Mit wachsendem Anteil des chinesischen Investors sinken die Chancen der Familie Hastor auf eine Kontroll-Übernahme bei Grammer.

Erst in der vergangenen Woche hatte Nigbo Jifeng seinen Anteil an Grammer von knapp 10 auf gut 12% aufgestockt und will zukünftig noch weiter aufstocken.

Die Pläne der Kontroll-Übernahme durch die Unternehmer-Familie Hastor stoßen nicht nur bei dem Grammer-Management, Gewerkschaften, Belegschaft und Politik auf Gegenwind, sondern v. a. auch bei der Kundschaft von Grammer.

Vorgeschichte mit VW

Der größte Grammer-Kunde, VW, hat mit der Familie Hastor bereits unschöne Erfahrungen gesammelt:

Im Sommer des vergangenen Jahres hat die von der Familie Hastor kontrollierte Firmengruppe Prevent in Folge eines Machtkampfes mit VW dafür gesorgt, dass die Bänder in den VW-Werken in Emden und Wolfsburg durch einen Lieferstopp kurzzeitig zum Stillstand gebracht wurden.

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Seitdem ist die bosnische Unternehmer-Familie in der deutschen Automobil-Branche nicht unbedingt beliebt.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer äußerte sich gegenüber n-tv wie folgt zu dieser Angelegenheit:

„Nach meiner Einschätzung sind die Namen Hastor und Prevent in großen Teilen der Auto-Industrie verbrannt.“

Ausgang der Hauptversammlung offen

Wie es morgen ausgehen wird? – Schwer zu sagen!

Zwar hält die Familie Hastor nur 20 – 25% der Grammer-Anteile und liegt damit weit unter der 50%-Marke.

Doch der chinesische Grammer-Partner Jifeng kommt auch nur auf 12% der Anteile – und damit auf weniger als die Hastors.

Daneben hält ein US-amerikanischer Fonds knapp 5% der Anteile an Grammer.

Von diesem Fonds hat sich jedoch noch nie ein Vertreter auf einer Hauptversammlung von Grammer blicken lassen.

„Bei einer Präsenz von vielleicht 45% auf der Hauptversammlung ist offen, wie das ausgeht“, sagt Grammer-Chef Hartmut Müller.

Es bleibt die Frage, was passiert, wenn Familie Hastor ihre Ziele morgen nicht erreichen sollte?

„Die Familie Hastor verschwindet nicht einfach nach der Hauptversammlung – egal, wie das läuft“, sagt ihr Anwalt Franz Enderle.

Aus meiner Sicht wäre es für alle Beteiligten (außer für die Hastors) besser, wenn die Kontroll-Übernahme durch die bosnische Unternehmer-Familie auf der morgigen Hauptversammlung von Grammer nicht gelingt.

Denn feindliche Übernahmen bringen selten einen echten Mehrwert.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.