Machtpoker in Brüssel drückt Stimmung in Frankfurt

Am Rosenmontag blieben die Umsätze noch vergleichsweise gering, das Dax-Minus fiel mit 0,4 Prozent recht moderat aus. Am Ende konnte sich der Leitindex noch auf stolzen 10.923 Zählern behaupten.

Doch damit dürfte es bald vorbei sein. Denn was die Dax-Anleger im Handelsverlauf vielleicht ahnten, aber noch nicht wissen konnten, war, dass die Verhandlungen in Brüssel um weitere Hilfsprogramme für Griechenland am Abend ergebnislos abgebrochen wurden.

Geringe Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten

Obwohl die Zeit davonrennt, scheint die Kompromissbereitschaft bei allen Beteiligten relativ gering ausgeprägt zu sein. Stattdessen bleibt Griechenlands Finanzminister im Wahlkampfmodus, doch auch die europäischen Amtskollegen setzen bislang noch auf Konfrontationskurs.

In diesem Fall war der Stein des Anstoßes die Frage einer Übergangsfinanzierung, bis man sich auf ein neues Programm verständigt. Zunächst einmal sollen die kommenden sechs Monate überbrückt werden, um während dieser Zeit neue Rahmenbedingungen auszuhandeln.

Zankapfel Übergangsfinanzierung

Doch während die Finanzminister der Euro-Gruppe darauf drängen, das bestehende Programm um eben diese sechs Monate zu verlängern, scheint dies für die neue Athener Regierung undenkbar. Sie müssten dann – zumindest vorläufig – Bedingungen  zustimmen, die sie im Wahlkampf rigoros abgelehnt haben und weiterhin ablehnen.

Die griechische Regierung ihrerseits stellt sich offenbar eine Art Moratorium vor, finanziert durch Hilfen der Europäischen Zentralbank, ohne im nächsten halben Jahr an die ungeliebten Reformforderungen der Gläubiger gebunden zu sein.

Verhärtete Fronten

Kurzum: Die Fronten sind verhärtet, eine Einigung nicht in Sicht. Dafür aber eine Deadline, denn wenn sich die Finanzminister bis zum Ende der Woche nicht einigen, droht Griechenland der Staatsbankrott.

Die Verhandlungstaktik beider Seiten erinnert an „Zuckerbrot und Peitsche“. Einerseits signalisieren die Beteiligten grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft, andererseits rücken sie dann, wenn es darauf ankommt, nicht wirklich von ihren Positionen ab.

Inwiefern der Konflikt nun hinter den Kulissen in den kommenden Tagen beigelegt werden kann, steht derzeit völlig in den Sternen. Das dürfte auch die Anleger in Alarmbereitschaft versetzen, die am Montag noch relativ gelassen auf die anstehenden Verhandlungen reagierten.

Börsianer rechnen mit „Grexit“

Allerdings zeigt eine aktuelle Umfrage, dass bereits rund ein Drittel der institutionellen Investoren mit einem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion während der kommenden zwölf Monate rechnet.

Dass zum Wochenauftakt noch leise Hoffnung auf eine Einigung in puncto Griechenland herrschte, zeigt der Blick auf die Einzelwerte. Erneut konnten sich Deutsche Bank und Commerzbank an der Dax-Spitze behaupten mit Aufschlägen von 1,6 beziehungsweise 1,1 Prozent.

17. Februar 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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