Man-Übernahme durch VW: Zahltag für Aktionäre

Dass der VW-Konzern schon seit längerem an einer LKW-Allianz mit Scania und MAN bastelt, ist bekannt.

Nach mehreren Monaten des Wartens, hat der VW-Konzern jetzt den entscheidenden Schritt getätigt und seinen Anteil am MAN-Konzern auf über 30% ausgebaut.

Börsenrechtlich ist der VW-Konzern dadurch verpflichtet, allen MAN-Aktionären ein Übernahme-Angebot zu unterbreiten. Noch in diesem Monat will VW sowohl Stamm- als auch Vorzugsaktionären ein Übernahme-Angebot unterbreiten.

Vorzugsaktionäre räumen ab: +33% in 6 Monaten

MAN-Stamm-Aktionäre sollen demnach ein Angebot von 95 Euro je Aktie in bar bekommen, Vorzugsaktionäre einen Preis von rund 60 Euro.

Egal, für welche Aktiengattung sich die Anleger bei einer MAN-Investition entschieden haben – es ist bald Zahltag.

Eine genaue Betrachtung zeigt aber, wer die eigentlichen Gewinner einer Übernahme-Spekulation sind. Denn seit Mitte November ist die Vorzugsaktie deutlich stärker gestiegen als die Stammaktie des Übernahme-Kandidaten.

Wer in die Stämme investierte, kommt auf eine beachtliche Performance von etwa 13%. Vorzugsaktionäre konnten sogar einen noch größeren Kursgewinn erzielen.

Das bisherige Plus beträgt rund 30% (die MAN Vorzugsaktie befindet sich auch im Depot meines Börsendienstes „Der Übernahme-Gewinner).

Synergie-Effekte von bis zu 1 Mrd. Euro

Dass VW direkt eine MAN-Übernahme anstrebt, zeichnete sich erst vor wenigen Tagen ab. Lange Zeit wurde spekuliert, dass zunächst Scania sich MAN einverleibt und VW sein Aktienpaket bei der Übernahme an Scania abgibt.

Dass es jetzt nicht so kommt, erleichtert die Scania-Aktionäre, denn so werden die Finanzen geschont. Die Scania-Aktie gewinnt heute rund 4%.

Langfristig ist das Ziel jedoch gleich: VW wird mit einer LKW-Allianz noch stärker in die Weltspitze aufrücken und sowohl den schwedischen Scania-Konzern als auch MAN unter dem eigenen Firmendach zusammenführen.

Mit der Dreier-Allianz aus der VW-Nutzfahrzeugsparte, Scania und MAN erhofft VW, Synergie-Effekte von bis zu 1 Mrd. Euro heben zu können. Allein im Einkauf sollen jährlich 200 Mio. Euro gespart werden.

Damit ist der Konzern gerüstet, um den Branchenriesen Daimler, Dongfeng oder Tata im LKW-Bereich Marktanteile abjagen zu können.

Piech kommt seinem Ziel näher

Nicht nur die Aktionäre können sich über die kommende Übernahme freuen. Ganz oben auf der Gewinner-Liste befindet sich VW-Patriarch Ferdinand Piech.

Er war es, der angekündigt hat, VW zum größten Auto-Imperium der Welt formen zu wollen. Er hat auch bei der LKW-Allianz die Strippen gezogen.

Jetzt ist Piech seinem Lebenswerk einen großen Schritt näher gekommen. VW rangiert aktuell zwar noch auf Platz drei der größten Autobauer der Welt, wird aber den Vorsprung des Branchenführers Toyota mit der Übernahme verkleinern.

9. Mai 2011

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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