MAN-Übernahme: VW stockt weiter auf

In die Übernahme des Münchener LKW-Herstellers MAN kommt Bewegung.

Wie Großaktionär VW heute bekannt gab, hat der Automobil-Riese seinen Anteil an MAN weiter ausgebaut.

Über die Börse haben die Wolfsburger heimlich weitere MAN-Aktien gekauft. In einer Pflichtmitteilung heißt es, dass der Großaktionär mittlerweile 71,1% an MAN hält. Der Anteil an den Stammaktien beträgt 73% – der Anteil an den Vorzugsaktien beträgt 26,5%.

Aktienkäufe feuern MAN-Kurs an

VW hat im Rahmen einer Übernahme-Offerte bereits im vergangenen Jahr den MAN-Anteil auf 54% ausgebaut.

Dabei hatte es der Großaktionär in der ersten Angebotsrunde besonders auf die Stamm-Aktie abgesehen, für die das Angebot 95 Euro betrug. (Die Stamm-Aktie ist in frühen Übernahme-Phasen aufgrund des Stimmrechts wichtiger als die Vorzugsaktie).

Nach dem Erstangebot hat die MAN-Börsenbewertung bedingt durch die europäische Schuldenkrise nachgelassen. So konnte VW zu sehr günstigen Kursen weitere Aktien einsammeln.

Die Käufe verliehen dem Aktienkurs in der Folge deutlichen Rückenwind und sorgten für einen Anstieg von über 60%. Mittlerweile notiert die Aktie knapp über dem Angebotspreis aus der ersten Runde.

Übernahme-Gewinner sahnt ab

In meinem Börsendienst „Der Übernahme-Gewinner“ habe ich meine Leser frühzeitig darüber informiert, dass VW den Anteil an MAN ausbauen dürfte. Mit Hilfe von Hebelzertifikaten konnten wir so an der Kursrally überproportional mitverdienen.

Ein 50%-Gewinn wurde bereits realisiert, ein weiteres Hebelzertifikat liegt aktuell 50% im Plus. Zusätzlich liegen meine Leser mit der MAN-Vorzugsaktie aktuell 57% im Plus.

Volles Synergie-Potenzial nur bei Verschmelzung der LKW-Sparten

Es deutet vieles darauf hin, dass VW weiter zukaufen will. Sollten die Wolfsburger in den kommenden Tagen die 75%-Schwelle erreichen, kann der Großaktionär per Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag den Übernahme-Kandidaten noch fester an sich binden.

Aber auch das dürfte nur eine Zwischenetappe sein. Denn das maximale Kosteneinsparungspotenzial kann nur bei einer Komplett-Übernahme gehoben werden. Als VW zum ersten Mal nach MAN griff, sprach VW-Patriarch Ferdinand Piech von einem Synergiepotenzial in Höhe von 1 Mrd. Euro.

Übernahme-Sensor rechnet mit „großer Lösung“

VW hält sich mit den weiteren Plänen bedeckt. Aus Sicht des Übernahme-Sensors ist jedoch davon auszugehen, dass die Wolfsburger die drei LKW-Sparten VW-Nutzfahrzeuge, MAN und die schwedische Tochter Scania komplett zusammenlegen werden.

Neben der heimlichen MAN-Anteilsaufstockung und der wirtschaftlichen Logik deutet auch die Aktienkursentwicklung von Scania auf eine „große Lösung“ hin. VW hat sich diese Option stets offen gehalten.

Daher haben die investierten Aktionäre gute Chancen auf ein weiteres Übernahme-Angebot. In der ersten Angebotsrunde wurde die Offerte von MAN als zu niedrig abgewiesen.

Genützt hat das damals wenig, denn VW hatte bereits einen großen Anteil an MAN besessen und brauchte nur eine geringe Annahme-Quote.

Jetzt müsste VW mit einer Übernahme-Offerte schon größere Anreize schaffen, um die MAN-Aktionäre zu überzeugen.

13. April 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Jens Gravenkötter. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt