Management-Umsturz bei Akzo Nobel?

Die geplante Übernahme des niederländischen Chemie-Konzerns Akzo Nobel durch den US-amerikanischen Rivalen PPG entwickelt sich zum Krimi:

Nachdem der Übernahme-Kandidat zunächst eine 21 Mrd. Dollar schwere Offerte in den Wind schoss und danach eine auf 22,4 Mrd. Dollar aufgestockte Offerte, wird der Ton rauher.

PPG-Chef Michael McGarry teilte mit, dass auch ein feindlicher Übernahme-Versuch eine Option ist. In den Niederlanden, ist ein feindlicher Vorstoß jedoch nahezu unmöglich.

Das Stiftungs-System erlaubt es einem Unternehmen bei „außergewöhnlichen Umständen“ – zu denen eine feindliche Übernahme gehört – die Stiftung mit stimmberechtigten Vorzugsaktien auszustatten, um den Übernahme-Versuch unmöglich zu machen.

Übernahme-Aktivist Elliott Management hat aber einen Weg gefunden, wie trotz der Stiftung ein Deal möglich ist. Und der geht über die Entmachtung des Akzo-Managements.

Stiftung bei Management-Wahl nicht stimmberechtigt

Elliott Management hält 3% an Akzo Nobel.

Und wenn es dem Aktivist gelingt mit Hilfe anderer Aktionäre auf 10% der stimmberechtigten Anteile zu kommen, dann kann eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden.

Auf dieser ist die Akzo-Stiftung nicht stimmberechtigt. Ist auf der Hauptversammlung mehr als die Hälfte der Stimmrechte vertreten, kann über das Management abgestimmt werden.

Wenn bei dieser Abstimmung die Mehrheit für die Absetzung der Übernahme-Gegner votiert, wäre ein Deal mit PPG möglich.

Es heißt, dass Elliotts Plan bereits erste Befürworter gefunden hat. PPG-Chef McGarry rührt gerade in Amsterdam die Werbetrommel.

Und wenn berücksichtigt wird, dass die US-Amerikaner einen satten Aufschlag auf den Börsenkurs bieten und im Zuge der Verhandlungen ein noch höherer Preis möglich ist, dann könnte sich eine Mehrheit finden.

Elliott: Preis nicht ausreichend für Übernahme – aber gute Basis für Verhandlungen

Im Moment ist es aber noch nicht so weit. Aktuell geht es darum, den Druck auf das Management Aufrecht zu halten, um Akzo an den Verhandlungstisch zu bringen.

PPG ist enttäuscht, dass die aufgestockte Offerte postwendend abgelehnt wurde; nicht einmal 1 Tag Zeit zur Prüfung des Angebots nahm sich Akzo.

Zwar teilen Elliott und andere Aktionäre die Ansicht, dass der gebotene Preis noch nicht den fairen Wert von Akzo widerspiegelt, doch wird verlangt, dass sich das Management wenigstens offen für Verhandlungen zeigt.

Treffen in Amsterdam: PPG-Führungsspitze prüft möglichen Widerstand der Politik

Es ist durchaus vorstellbar, dass PPG das Angebot noch einmal nachbessert, um den Übernahme-Kandidat vom Mehrwert der Transaktion zu überzeugen.

Ganz risikolos ist das aber nicht, denn immerhin hat PPG noch keine Buch-Einsicht. Der Bieter muss auch befürchten, dass ein Deal am politischen Widerstand scheitert.

McGarry und der Finanzchef werden sich heute mit niederländischen Politikern treffen, um für den Deal zu werben. Dabei wollen sie Kosten-Einsparungen abseits eines Stellenabbaus aufzeigen.

Nach den Gesprächen wird das Führungsduo ein besseres Gefühl dafür haben, wie groß der politische Widerstand sein könnte.

Bläst ihnen zu starker Gegenwind ins Gesicht, ist durchaus vorstellbar, dass der Übernahme-Plan zeitnah beerdigt wird.

Übernahme mit 3 großen Stolpersteinen: Was ist mit Plan B?

Mit politischem Widerstand, Wettbewerbs-Bedenken vor Augen und einem Management, das keinen Deal will, könnten die Voraussetzungen für einen erfolgreichen wertsteigernden Deal kaum schlechter sein.

Vielleicht ist es besser sich einer Alternative zuzuwenden, statt mit der Brechstange zu versuchen Akzo Nobel zu bekommen.

24. März 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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