Manager Mehdorn – alles im Griff?

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Hartmut Mehdorn hält sich selbst für den einzig Richtigen an der Spitze des BER. Einen Rücktritt schließt er aus, doch einen Eröffnungstermin hat er auch nach einem Jahr nicht parat. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Der Mann hat Nerven – und ein solides Selbstbewusstsein: Nach einem Jahr an der Spitze des BER hat Hartmut Mehdorn, 71, seinen Rücktritt ausgeschlossen.

Dabei hagelt es zunehmend Kritik von allen Seiten, denn einen erkennbaren Fortschritt am werdenden Flughafen kann der BER-Chef bislang nicht vorweisen. Es gibt nach wie vor nicht einmal einen Eröffnungstermin.

Die Kosten steigen und steigen und steigen

In den vergangenen Monaten war es ruhiger geworden um Deutschlands bekannteste Baustelle. Hier und da wurden noch einmal Zahlen publik, steigende Zahlen, steigende Kosten, natürlich. Was sonst.

Ungefähr doppelt so teuer wie ursprünglich geplant soll der Flughafen bereits werden, und ob die bereitstehenden Mittel ausreichen werden ist mehr als fraglich.

Fest steht: Je länger es dauert, desto teurer wird das Ganze.

Doch der Berliner an sich bleibt gelassen. Man kennt das ja schon, das Gewurschtel und Gemauschel auf kommunaler sowie auf Länderebene.

Und schließlich läuft es anderswo ja auch nicht besser, man denke etwa an die Hamburger Elbphilharmonie oder den gerade verlustreich verkauften Nürburgring, in den die rheinland-pfälzische Landesregierung einst große Hoffnungen gesetzt hatte.

Abreißen und neu bauen?

Rund um den Hauptstadtflughafen gibt es indes noch jede Menge Fragezeichen. Die Nachbesserungen fallen offenbar umfassender aus als ursprünglich angenommen. Manch einer fragt sich bereits, ob abreißen und neu bauen nicht die lukrativere Variante wäre.

Doch das Projekt läuft weiter, irgendwie. Was einmal angefangen wurde, wird auch zu Ende gebaut, und Mehdorn hält sich selbst für den einzig Richtigen an der Spitze dieses Mammutvorhabens.

Sein Ehrgeiz ist vielleicht auch gar nicht so schlecht, denn allzu begehrt ist sein Job nicht. Er ist der Manager, er muss machen, er muss liefern.

Der Aufsichtsrat hat seine Glaubwürdigkeit verspielt

Der Aufsichtsrat der Betreibergesellschaft ist längst nicht mehr ernst zu nehmen, spätestens seit dort das politische Stühlerücken auf die Spitze getrieben wurde: Erst tritt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit wegen des gesamten Debakels als Aufsichtsratsvorsitzender zurück, auf ihn folgt der damalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck.

Als der aus gesundheitlichen Gründen seine Ämter niederlegt, rückt Wowereit wieder nach – nur wenige Monate, nachdem er zurückgetreten war.

Das ganze Team hat schon seit Jahren keine gute Figur abgegeben, die kurzfristig geplatzte Eröffnung im Frühsommer 2012 warf ein Schlaglicht auf den scheinbar kaum vorhandenen Kenntnisstand des Aufsichtsrats zum Stand des Projekts.

Manager Mehdorn – alles im Griff?

Damals war Mehdorn noch nicht dabei, genauer gesagt, er war Chef der Fluggesellschaft Air Berlin – und stand somit quasi auf der Gegenseite, die die BER-Betreibergesellschaft, der er heute vorsteht, sogar verklagte wegen der Verzögerungen.

Aber jetzt soll alles besser werden. Mehdorn hat alles im Griff, zumindest versucht er, diesen Eindruck öffentlich zu vermitteln.

Zumindest auf die Schließung des bisherigen Flughafens Tegel hat man sich wohl inzwischen verständigen können. Zwischenzeitlich hatte Mehdorn einen Parallelbetrieb ins Gespräch gebracht, war damit aber auf wenig Gegenliebe gestoßen.

Immerhin: Die Altflughäfen Tegel und Schönefeld konnten 2013 Gewinne erwirtschaften. Unterm Strich dürften diese aber vom brachliegenden BER verschlungen und ins Gegenteil verkehrt werden.

Wann die genauen Zahlen vorgelegt werden sollen, steht noch nicht fest. Ebenso wenig wie ein Eröffnungstermin. Mittlerweile kursiert das Jahr 2016. The Show must go on.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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