Maschinenbau: Übernahmewelle beginnt mit der Schuler AG

Der DAX setzte heute den Erholungsversuch fort.

Zeitweise wurde sogar die charttechnisch wichtige Marke von 6.400 Punkten übersprungen.

Am Ende setzten jedoch wieder Gewinnmitnahmen ein und der DAX schloss knapp unter der wichtigen Marke bei 6.396 Punkten.

Stark überdurchschnittliche Gewinne verbuchten in der zweiten Börsenreihe die Maschinenbau-Aktien Rational, Dürr und Kuka. Eine spektakuläre Übernahme ruft in Erinnerung, dass deutsche Top-Unternehmen aus dem Maschinenbau an der Börse für wenig Geld zu haben sind.

Käufer und Übernahme-Kandidat gewinnen

Das kommt selten vor: Ein Unternehmen will einen kleineren Konkurrenten kaufen, bietet einen üppigen Aufpreis von rund 30% und wird dennoch von den eigenen Aktionären gefeiert.

Genau das konnten Sie heute an der Börse erleben. Der österreichische Anlagenbauer Andritz hat völlig überraschend ein Übernahmeangebot für die deutsche Schuler AG veröffentlicht.

Die Reaktionen an der Börse: Die Schuler-Aktie springt 27% nach oben, aber auch die Andritz-Aktie gewinnt fast 4%. Die Investoren gehen also von einer Win-Win-Situation aus (beide Seiten gewinnen).

Schuler schafft Comeback und lockt Käufer an

Die Schuler AG ist der weltweit führende Hersteller von Industriepressen. In der konjunkturellen Krisenphase 2008/2009 musste das Unternehmen, das vorher (zu) stark auf Wachstum gesetzt hatte, um das Überleben kämpfen.

In der Folgezeit schaffte Schuler ein eindrucksvolles Comeback. Werfen wir einen kurzen Blick auf die Halbjahreszahlen für das Geschäftsjahr 2011/2012:

Der Umsatz stieg von 404 auf 581 Mio. Euro, der operative Gewinn von 24,3 auf 44,6 Mio. Euro und der Gewinn je Aktie von 0,27 auf 0,73 Euro. Gleichzeitig wurde auch die Bilanz saniert. Die Eigenkapitalquote stieg von 14,6 auf 24,2%.

Die Andritz AG hat die Entwicklung offensichtlich sehr genau beobachtet und schlägt mit dem Übernahme-Angebot jetzt zu, bevor andere Investoren die volle Ertragsstärke erkennen.

Übernahme-Chancen stehen gut

Da sich Andritz mit der Gründerfamilie Schuler-Voith auf den Übernahmepreis in Höhe von 20 Euro je Aktie geeinigt und sich so knapp 40% der Aktien bereits gesichert hat, dürfte der Übernahme-Deal klappen.

Die restlichen freien Aktionäre erhalten in den nächsten Tagen ebenfalls ein schriftliches Übernahmeangebot mit den gleichen Konditionen (20 Euro je Aktie).

Andritz wächst in eine neue Liga

Auf den ersten Blick überraschend ist die positive Entwicklung der Andritz-Aktie. Oft ist es so, dass die Aktie des Bieters in der ersten Reaktion verliert. Fast immer beschweren sich Investoren, dass der Übernahmepreis zu hoch sei. Auch in diesem Fall bietet Andritz eine Übernahme-Prämie von fast 30%.

Die Andritz-Aktionäre haben jedoch erkannt, dass der Deal auch für den Käufer attraktiv ist. Wenn Andritz alle Schuler-Aktien kauft, kostet die Übernahme rund 600 Mio. Euro. Im Gegenzug erhält Andritz einen Weltmarktführer mit einem Jahresumsatz von 1,2 Mrd. Euro.

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) liegt also bei 0,5. In guten Börsenphasen wird für solche Übernahmen ein KUV von 1 verlangt. Andritz hat also mit 50% „Rabatt“ eingekauft.

Auch strategisch macht die Übernahme Sinn: Mit einer einzigen Übernahme steigt Andritz zum Weltmarktführer auf. Schuler ist bestens in Asien positioniert (China) und beliefert in den westlichen Märkten attraktive Premium-Kunden (BMW).

Ebenfalls attraktiv für Andritz: Die Übernahme kann quasi aus der Portokasse finanziert werden. Die Übernahme kostet 600 Mio. Euro, Andritz hat aber aktuell 1,3 Mrd. Euro in der Kasse. Die Finanzierung ist also kein Problem.

29. Mai 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Rolf Morrien. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt