Mastercard: Kreditkartenriese schlägt in Dänemark zu

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Mastercard-Aktie: Der Kreditkartengigant setzt seine Einkaufstour ungebremst fot. Ein Milliarden-Deal in Dänemark stellt Weichen für die Zukunft. Unterdessen laufen die Geschäfte auf Hochtouren. (Foto: Allmy / shutterstock.com)

Die Geschäfte des US-Kreditkartenanbieters Mastercard laufen dank des boomenden Online-Handels weiterhin prächtig. Zugleich bringt sich der Konzern mit der milliardenschweren Übernahme des Zahlungsdienstleisters Nets aus Dänemark für die Zukunft in Stellung. Das dänische Technologieunternehmen war im vergangenen Jahr mit Concardis fusioniert worden, einem deutschen Gemeinschaftsunternehmen der Kreditwirtschaft. Mit dem Megadeal will sich Mastercard vor allem bei Dienstleistungen für Echtzeitzahlungen verstärken.

Branchenkonsolidierung in vollem Gange

Mit der geplanten Transaktion setzt sich die auf Hochtouren laufende Konsolidierung unter den Zahlungsdienstleistern ungebremst fort. Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass der US-Finanzinvestor KKR mit 600 Millionen Euro beim deutschen Zahlungsdienstleister Heidelpay einsteigt. In den Vereinigten Staaten hat es in diesem Jahr bereits mehrere Großfusionen in der Branche gegeben, insgesamt summierten sich die Deals auf umgerechnet mehr als 72 Milliarden Euro.

Die Hintergründe der Übernahmewelle liegen auf der Hand: Zum einen boomt die Branche, da immer weniger Bargeld zum Einsatz kommt und das Volumen von Karten- und Onlinezahlungen rasant in die Höhe schießt. Zum anderen erhalten die Zahlungsdienstleister immer nur einen kleinen Teil der Umsätze, müssen auf der Gegenseite aber immense Investitionen stemmen. Vor diesem Hintergrund machen die Übernahmen Sinn, da Größe in diesem Umfeld einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellt.

Zusätzlich befeuern zahlreiche Private Equity Investoren den Übernahmemarkt. Seit einigen Jahren sind diese in den Markt für Zahlungsdienstleister eingestiegen und suchen nun zum Teil wieder nach Ausstiegsmöglichkeiten.

Mastercard legt 2,8 Milliarden Euro auf den Tisch

Im Rahmen der Transaktion will Mastercard Teile des dänischen Unternehmens Nets für 2,85 Milliarden Euro schlucken. Für diesen Betrag erhält der US-Konzern neben den Instant Clearing- und Instant-Payment-Diensten auch die Lösungen zur elektronischen Rechnungsstellung. Vor allem dürfte Mastercard mit dem Deal den aussichtsreichen Markt mit Zahlungen in Echtzeit im Fokus haben. Mit dem Zukauf erweitert der Kreditkartengigant nicht nur seine Kundenbasis deutlich, sondern verstärkt auch seine Position im Bereich der Datenanalyse und Schutz vor Betrug.

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Vor allem in Skandinavien stark

Das Objekt der Begierde ist europaweit einer der größten Zahlungsdienstleister und beschäftigt rund 3500 Mitarbeiter. Besonders stark ist die Firma in Skandinavien. Nach der Fusion mit Concardis hat der Konzern aber auch in Deutschland deutlich an Schlagkraft zugelegt. Concardis war einst der gemeinsame Zahlungsdienstleister der deutschen Banken, sie verkauften das Unternehmen im Jahr 2017 an die Finanzinvestoren Bain und Advent.

Mastercard und die Lust am Schoppen

Unterdessen läuft es auch operativ für den US-Kreditkartenkonzern wie am Schnürchen. Im zweiten Quartal kletterte der Gewinn im Jahresvergleich um 31% auf 2 Milliarden Dollar. Damit erreichte Mastercard eine beeindruckende Gewinnspanne von 48,7%. Die Erlöse wuchsen um 12% auf 4,1 Milliarden Dollar. Damit übertraf der Konzern die Markterwartungen. Für Rückenwind sorgten weiterhin die brummende Konjunktur und die demensprechende Kauflaune der Konsumenten.

Konzern als aktiver Branchenkonsolidierer

Mit der geplanten Übernahme setzt auch Mastercard selbst seine Shoppingtour ungebrochen fort. Der Konzern hat in diesem Jahr bereits 1,1 Milliarden Dollar für Akquisitionen und strategische Beteiligungen ausgegeben. Die Liste der Deals ist lang: Anfang dieses Jahres kündigte Mastercard den Kauf von Ethoca, das Händlern hilft, Betrug zu erkennen, und Vyze, einem Anbieter von Zahlungslösungen am Point of Sale, an. Das Unternehmen erwarb auch Transactis, das bei Rechnungszahlungen hilft, und Transfast, ein grenzüberschreitendes Zahlungsnetzwerk.

Sie können davon ausgehen, dass der Nets-Zukauf nicht die letzte Übernahme gewesen ist. Um sich neue Märkte zu erschließen und zusätzliche Formen des elektronischen Zahlungsverkehrs zu entwickeln, wird Mastercard auch zukünftig die eigene Schatulle öffnen und sich nach geeigneten Übernahmekandidaten umsehen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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