Mastercard schluckt US-Fintechunternehmen Fincity für 825 Millionen Dollar

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Mastercard: Kreditkartengigant setzt Einkaufstour ungebremst fort und legt 825 Millionen Dollar für Fintech-Firma auf den Tisch. Übernahme soll Technologieportfolio weiter stärken. (Foto: Allmy / shutterstock.com)

Das Übernahmekarussell unter den Zahlungsabwicklern, Kreditkartenkonzernen und Fintechunternehmen dreht sich munter weiter. Zum Jahresbeginn legte Visa für das Finanztechnologie-Start-Up Plaid 5,3 Milliarden Dollar auf den Tisch. Plaid ist ein Technologieanbieter, der digitale Zahlungs-Apps wie Transferwise oder Paypals Venmo mit klassischen Bank- oder Kreditkartenkonten verknüpft. Das Unternehmen ermöglicht es Verbrauchern, mit Hilfe einer Programmier-Schnittstelle, ihre Finanzinformationen mit diversen Apps und Diensten zu teilen. So können sie beispielsweise Payment-Apps ermächtigen, Zahlungen über bestimmte Konten zu tätigen.

Auch der Rivale Mastercard ist momentan dabei, seine Technologie durch Zukäufe kräftig zu verstärken. Im vergangenen Jahr schluckte der Konzern die Platform von Nets für 3,2 Milliarden Dollar. Nun folgt der nächste Coup: Für 825 Millionen Dollar legt sich der US-Kreditkarten-Gigant das Fintechunternehmen Finicity ins Portfolio.

Bedeutung von Technologie nimmt weiter zu

Sollten festgelegte Meilensteine erreicht werden, dann könnte Mastercard sogar noch weitere 160 Millionen Dollar an Zahlungen hinterherschieben. Insgesamt investiert der Konzern also knapp eine Milliarde Dollar und positioniert sich mit dem Deal in einem neuen Zukunftsmarkt. Insgesamt übernimmt Mastercard mit dem Zukauf auch die 500 Mitarbeiter von Finicity in Salt Lake City und in Indien.

Das US-Startup untersucht das Kundenverhalten und generiert auf Basis gesammelter Daten visualisierende Elemente zum Beispiel in Apps. Eingesetzt werden die Analytikplattformen Finicitys auch bei Kreditentscheidungen. Die Verifizierungs-Tools für Kontoinhaber sollen in Mastercards neue Zahlungsplattform integriert werden.

Finicity mit bewährtem Geschäftsmodell

Durch den Kauf erhält Mastercard noch mehr Tools, mit denen Banken Kreditentscheidungen beschleunigen oder Kontobestätigungsprozesse verbessern können. Dabei wird die Finicity-Technologie verwendet, mit der Unternehmen die Finanzdaten der Verbraucher austauschen können. Finicity hat ein bewährtes Geschäft, das auf Partnerschaften mit Tausenden von Banken und Fintechs aufgebaut ist, so der Mastercard-Präsident Michael Miebach in einer Erklärung am Dienstag.

Sowohl Finicity als auch Plaid (die von Visa gekauft wurden) sind sogenannte Datenaggregatoren. Finanzielle Giganten und Startups bezahlen sie gleichermaßen dafür, dass sie die von ihnen gebauten Pipes für den Zugriff auf Consumer-Banking-Daten verwenden.

Es ist eine Branche, die manchmal von Banken verärgert wird, die behaupten, dass Verbraucher möglicherweise nicht verstehen, wie viele Daten sie offenlegen, wenn sie sich für externe Apps und Dienste anmelden. Als Reaktion darauf schloss sich Finicity einer Gruppe mehrerer Kreditgeber an, um den Financial Data Exchange zu gründen, eine gemeinnützige Organisation, die einheitliche Standards für den Austausch von Bankdaten von Verbrauchern schaffen wollte.

Mastercard trotzt der Krise

Zuletzt machten sich zwar auch bei den Kreditkartenkonzernen die Auswirkungen der Corona-Krise bemerkbar, aber unter dem Strich konnten sich die Geschäftszahlen dennoch sehen lassen. Im ersten Quartal kletterte der Konzernumsatz um 3% auf rund 4 Milliarden Dollar. Die operative Gewinnmarge erreichte mit 55,2% immer noch ein beachtliches Niveau. Für Sie zum Vergleich: Im vergleichbaren Vorjahresquartal lag die Marge bei 56,9%. Unter dem Strich lag der Nettogewinn bei 1,7 Milliarden Dollar und damit 9% unter Vorjahresniveau.

Damit scheint die Erfolgsgeschichte des Kreditkartenspezialisten offenbar noch lange nicht zu Ende zu sein.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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