Match Group: Auch an Tinder geht die Krise nicht vorbei

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Match Group: Tinder-Mutter spürt Auswirkungen des Social Distancing. Prognose dürfte schwer zu halten sein. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Kaum eine Dating-App verbreitete sich in den letzten Jahren so rasant wie Tinder. Einfach nach rechts wischen – viel mehr braucht es bei der Verkupplungs-App Tinder nicht für das nächste Date. Das machte sich auch in den Zahlen der Konzernmutter Match Group und vor allem auch in der Entwicklung des Aktienkurses bemerkbar. Von Anfang 2016 bis Januar 2020 verzehnfachten sich die Match Group-Papiere.

Doch mit der fortschreitenden Coronaviruskrise sackte auch der Aktienkurs von 92 auf 46 Dollar in den Keller. Verständlich: Sorgt doch der Aufruf zum Social Distancing weltweit dafür, dass die Anzahl der Dates respektive der Neukunden vorrübergehend eine Pause einlegt.

Dating per App voll im Trend

Kontaktanzeigen in Zeitungen, das war gestern. Stattdessen laden sich Single heutzutage einfach eine Dating-App aufs Smartphone. Die Partnersuche im Netz boomt. Analysten schätzen, dass der weltweite Markt für Dating-Apps bis 2020 auf zwölf Milliarden Dollar pro Jahr anwachsen wird.

Platzhirsch unter den Online-Dating-Diensten ist Tinder. Die seit 2012 auf iPhones und seit 2013 auch auf Android-Geräten verfügbare App hatte zuletzt 5,89 Millionen (Q4 2019) zahlende Nutzer weltweit. Seit dem ersten Quartal 2015 hat sich damit die Anzahl der Nutzer beinahe versechzigfacht.

Match Group – der Platzhirsch unter den Dating-Apps

Inzwischen ist die Anzahl der Dating-Apps rasant gewachsen. Ob OKCupid, Hinge, Plenty of Fish und Meetic (neu.de, LoveScout24) oder auf engere Zielgruppen fokussierte Apps wie OurTime (Singles >50 Jahre) oder BlackPeopleMeet (Afroamerikaner) oder Chispa (Latinos). Doch was viele wahrscheinlich nicht wissen. Hinter einem Großteil der Dienste (>40) steckt die Match Group aus Texas, die in den zurückliegenden Jahren auch viele Anbieter aufgekauft hat.

Insgesamt nutzen rund 10 Millionen Mitglieder derzeit die unterschiedlichen Angebote des US-Konzerns.

Rasantes Wachstum und ansehnliche Gewinnmargen

Mit seiner Strategie und dem Fokus auf Onlinedating hat die Match Group eine beeindruckende Erfolgsgeschichte hingelegt. Immerhin kletterten die Erlöse von 910 Millionen Dollar in 2015 auf 2,1 Milliarden Dollar im abgelaufenen Geschäftsjahr. Zeitgleich gelang es dem Konzern deutlich besser, seine Angebote zu monetarisieren, d.h. in Gewinne umzumünzen. Seit 2015 verbesserte sich die Gewinnspanne von 13,23% auf 26,07%. Unter dem Strich blieb zuletzt ein Jahresgewinn von 535 Millionen Dollar in den Büchern hängen.

20% Umsatzwachst im Schlussquartal

Besonders stark ging es zum Jahresschluss vorwärts. Die Umsätze kletterten um 20% auf 547 Millionen Dollar in die Höhe. Umsätze über Tinder Direct wuchsen sogar um 39%. Und der Zuwachs zeigte sich ebenso bei den Tinder-Abonnenten. Im vierten Quartal 2019 waren es im Schnitt 5,9 Millionen und damit 36% mehr als im Vorjahreszeitraum.

Bezogen auf das komplette Geschäftsjahr 2019 konnte Tinder sogar 1,2 Milliarden Dollar Umsatz verzeichnen und trug damit 57% zu den gesamten Konzernumsätzen bei. Im Gesamtjahr erzielte Tinder ein beachtliches Wachstum von 43%.

Match Group vor Meilenstein in der Unternehmensgeschichte

Nun steht ein Großereignis vor der Tür: Bisher hält die ebenfalls an der Börse Nasdaq notierte IAC circa 80% der Anteile an Match Group. Bei den Stimmrechten sind es sogar über 90%. Im Dezember 2019 wurde bekanntgegeben, dass der Hauptaktionär IAC gemeinsam mit dem Management der Match Group eine Abspaltung des Unternehmens vereinbart hat. Match wird bei Abschluss dieser Transaktion in den kommenden Monaten in die Unabhängigkeit entlassen. Die Abspaltung soll im Juni über die Bühne gehen. Damit wird sich der Streubesitz der Match Group-Aktie massiv erhöhen.

Prognose schwer zu halten

Für das Gesamtjahr rechnete das Unternehmen im Februar noch mit einem “vergleichbaren Niveau an Einnahmen wie 2019” und bekräftigte seine Prognose für den Umsatz und das bereinigte Ebitda-Wachstum zwischen 15 und 20%. Zugleich peilte Match 1 Million neue Tinder-Abonnenten im Jahr 2020 an. Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Coronaviruskrise dürfte diese Prognose aber schwer haltbar sein. Entscheidend ist, wie schnell die Ausbreitung verläuft und wann wieder Normalität einkehrt. An den langfristig aussichtsreichen Perspektiven hat sich durch die aktuelle Krise aber wenig geändert.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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