Mazor Robotics-Aktie: Hersteller von Operationsroboter verfehlt Erwartungen

Kursdebakel nach schwachen Quartalszahlen bei der Mazor Robotics-Aktie. Erfolg des Herstellers von Operationsrobotern lässt weiter auf sich warten. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Die Roboter sind auf dem Vormarsch. Nicht nur in riesigen Fabrikhallen, als fleißige Helfer im Haushalt oder als Concierge in der Hotellobby. Auch im Operationssaal kommen die smarten Maschinen immer öfter zum Einsatz. Bislang beherrschte der Marktführer und Platzhirsch Intuitive Surgical (Börsenwert 57 Milliarden Dollar) das Geschehen. Dabei konnte sich die Erfolgsgeschichte des Konzerns durchaus sehen lassen:  Seit 2000 explodierte der Umsatz regelrecht von 26 Millionen Dollar auf über 3,12 Milliarden Dollar – die Gewinnmargen lagen zum Teil deutlich über der 20%-Marke.

Kein Wunder das der Erfolg auch Nachahmer auf den Plan ruft. Die Investoren haben unterdessen großzügig Vorschusslorbeeren verteilt und die Kurse der kleinen Newcomer kräftig nach oben getrieben. So kletterten die Mazor Robotics-Papiere seit 2016 von 8 auf in der Spitze fast 75 Dollar. Einen Dämpfer gab es aber nach Vorlage der jüngsten Zahlen. Die Aktie rauschte um 16% in den Keller und notiert mittlerweile mit 51 Dollar deutlich unter den kürzlich erreichten Höchstkursen.

Mazor Robotics – Spezialist für Operationen an der Wirbelsäule

Aber bevor ich Ihnen die Hintergründe des Kurseinbruchs erläutere, erst einmal zum Geschäftsmodell der Israelis. Das Unternehmen hat nämlich ein System für minimalinvasive Eingriffe an der Wirbelsäule entwickelt. Das sogenannte „Renaissance System“ ermöglicht eine robotergestützte Operation an der Wirbelsäule, die wesentlich genauer funktioniert als eine „freihändige“ Operation durch den Arzt.

Vor der Operation wird mit Hilfe eines Röntgenbilds ein 3D-Modell von der Wirbelsäule erstellt und mit der Software so bearbeitet, dass der genaue Operationsverlauf feststeht. Hier kommt es besonders auf die Einstichkoordinaten an, wo beispielsweise ein Implantat hineingespritzt werden soll.

Dann erfolgt das Anbringen einer speziellen Operationshardware, also einer Befestigungsarmatur am Patienten. Hier wird dann mit Hilfe der Software und einer 3D-Synchronisation das Operationsbesteck eingesteckt und die Operation kann starten. Da es softwaregestützt ist, erfolgt der Einstich und die Operation genau dort, wo es vorher am Computer errechnet worden ist.

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Die Fehlerquote bei der OP wird damit deutlich reduziert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Eine schnellere Genesung, ein kürzerer Krankenhausaufenthalt und deutlich geringere Kosten für das Gesundheitssystem.

Medtronic-Einstieg sorgte für Höhenflug

Vor gut zwei Jahren gab es dann den Ritterschlag für das noch junge Unternehmen. Der Pharmariese Medtronic stieg nämlich bei Mazor ein, zeichnete eine Kapitalerhöhung und kaufte gleich einige der Operationssysteme. Zugleich übernahm Medtronic den exklusiven Vertrieb der Produkte. Der Deal verschaffte der Aktie deutlichen Rückenwind und trieb den Börsenwert in der Spitze bis auf 1,8 Milliarden Dollar nach oben.

Zahlen hinken der Kursentwicklung noch hinterher

Dabei hinkt die operative Entwicklung dem Kurs noch hinterher. Im gerade abgelaufenen Quartal erzielte der Robotik-Konzern gerade einmal einen Umsatz von 13,2 Millionen Dollar. Von Wachstum keine Spur. Für Sie zum Vergleich: Im vergleichbaren Vorjahresquartal lag der Umsatz noch bei 15,5 Millionen Dollar. Unter dem Strich fiel ein Verlust in Höhe von 3,8 Millionen Dollar an, was in etwa auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums lag.

Trotz Kursrutsch ambitionierte Bewertung

Trotz des jüngsten Kurseinbruchs ist die Mazor Robotics-Aktie alles andere als günstig. Sollten Die Analystenschätzungen für 2019 eintreffen (Umsatz: 93,9 Millionen Dollar), wäre die Aktie immer noch mit dem 15-Fachen Umsatz bewertet. Gleichzeitig ist das Erreichen der Gewinnschwelle noch lange nicht in Sicht. In den kommenden Jahren dürften sich erst einmal die Verluste weiter auftürmen. Auch wenn die Kooperation mit  Mazor Robotics erfolgsversprechend ist dürften sich Anleger noch länger auf eine ausgesprochen volatile Kursentwicklung gefasst machen.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.