Mazor Robotics-Aktie: Roboter Startup trotz guter Zahlen unter Druck

Die Roboter sind auf dem Vormarsch – ob in riesigen Fabrikhallen, als fleißige Helferlein im Haushalt, als Concierge in der Hotellobby oder im Krankenhaus.

Besonders der Bereich mit Operations-Robotern gilt unter Experten als ausgesprochen aussichtsreich.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Schonendere Eingriffe mit weniger Nebenwirkungen und kürzere Krankenhaus-Aufenthalte sollen für alle Beteiligten Vorteile bringen.

So soll es auch das vom israelischen Startup Mazor Robotics entwickelte „Renaissance“-System.

Präzisions-Roboter macht Eingriffe noch sicherer

Aber bevor ich auf die aktuelle Geschäfts-Entwicklung eingehe, möchte ich Ihnen erst einmal die hochspannende Technologie der Israelis vorstellen.

Das Unternehmen hat nämlich ein System für minimalinvasive Eingriffe an der Wirbelsäule entwickelt.

Das sogenannte „Renaissance System“ ermöglicht eine robotergestützte OP an der Wirbelsäule, die wesentlich genauer funktioniert als eine „freihändige“ OP durch den Arzt.

Wie Sie bestimmt wissen ist bei Eingriffen an der Wirbelsäule nämlich höchste Präzision geboten, denn sie umhüllt das im Wirbelkanal liegende Rückenmark als Teil des zentralen Nervensystems.

Allein eine Abweichung von nur wenigen Millimetern kann fatale Folgen für den Patienten haben. Mit Hilfe des Renaissance-Systems kann Patienten jedoch einiges erspart bleiben.

Jeder Eingriff wird vorab mit Hilfe einer 3D-Software auf Basis von CT-Bildern des Patienten vom durchführenden Arzt detailliert geplant.

So kann auch die Größe benötigter Implantate wie Schrauben oder Stangen optimal auf den Patienten angepasst werden.

Weniger Belastung für den Patienten

Außerdem ist der Eingriff selbst nur minimal-invasiv. Durch wenige kleine Einschnitte in der Haut wird der Roboter an der Wirbelsäule des Patienten fixiert.

Eine physische Führungshilfe unterstützt den Chirurgen bei der Platzierung der zuvor geplanten Schrauben.

Für die Mediziner bedeutet das einen großen Vorteil, denn bisher konnte erst bei Eingriffen die genaue Lage der Schrauben bestimmt werden.

Das Ergebnis ist v. a. für den Patienten von bedeutendem Vorteil:

  • weniger Blutverlust und Komplikationen,
  • geringere Röntgen-Zeiten
  • sowie eine schnellere Genesung.

Partnerschaft mit Medtronic sorgt für Rückenwind

Bislang ging die Vermarktung des Systems aber nur langsam voran.

Auf Grund der hohen Anschaffungs-Kosten (ca. 1 Mio. Dollar) zögerten viele Kliniken mit dem Kauf der Hard- und Software-Lösung.

Hinzu kommen Verbrauchs-Materialien für jede Operation.

Zugleich schließen die Kliniken sogenannte Service-Verträge ab, die ab dem 2. Jahr starten und nochmal rund 10% der Anschaffungs-Kosten jährlich ausmachen.

Die Verkäufe könnten aber bald einen Schub bekommen. Denn mit dem Einstieg des Medizintechnik-Riesen Metronic hat sich die Ausgangslage deutlich verbessert:

Medtronic kaufte im 1. Schritt 4% der Aktien und nahm Mazor gleich 15 der Operations-Roboter ab.

Zugleich darf der US-Konzern weitere Aktien kaufen und übernimmt exklusiv den Vertrieb des Roboter-Systems.

Zahlen über den Erwartungen

Dennoch dürfte der Sprung in die Gewinnzone noch etwas andauern, auch wenn die Zahlen die Erwartungen übertreffen konnten:

Im 4. Quartal kletterten die Erlöse immerhin um 59% auf 14 Mio. Dollar in die Höhe. Für das Gesamtjahr 2016 kommt Mazor Robotics damit auf einen Jahres-Umsatz von 36,4 Mio. Dollar (+39%).

Mittlerweile wurden über 23.000 Eingriffe mit dem System durchgeführt.

Besonders erfreulich ist der hohe Anteil an wiederkehrenden Erlösen, die inzwischen bei 16,8 Mio. Dollar (46% der Gesamtumsätze) liegen.

Allerdings stiegen im Jahres-Vergleich auch die Verluste deutlich an. Insgesamt fuhr das Start-Up Verluste von 18,7 Mio. Dollar ein – und damit 21% mehr als Vorjahr.

Fazit

Vor dem Hintergrund der noch überschaubaren Umsätze und Verluste erscheint die Bewertung der Aktie mit einem Börsenwert von knapp 500 Mio. Dollar ziemlich ambitioniert.

Auf dem aktuellen Niveau ist bereits viel von den (durchaus vorhandenen) Zukunfts-Chancen eingepreist. Die Aktie eignet sich daher ausschließlich für hochspekulative Anleger.

21. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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