Mazor Robotics: Roboter-Aktie geht nach Medtronic-Deal durch die Decke

Dass Sie als Anleger bei Robotik-Aktien starke Nerven brauchen ist Ihnen wahrscheinlich hinlänglich bekannt. Insbesondere wenn Sie noch in junge Unternehmen investieren. Diese haben zwar oft vielversprechende hochinnovative Produkte, sind aber meistens noch meilenweit von der Gewinnzone entfernt.

Gerade hier liegen Freud und Leid der Anleger oft ganz nahe beinander. Denn die Kursschwankungen werden bei diesen Papieren noch stärker von Hoffnungen und Ängsten getrieben als bei Technologiefirmen in einem reiferen Entwicklungsstadium.

So auch bei dem Start Up Mazor Robotics aus Israel. In 2013 wagte die Firma den Sprung aufs Parkett. Schnell kletterten die Papiere um knapp 150% auf 25 Dollar, nur um anschließend wieder auf 10 Dollar zu fallen. Doch nach einer eineinhalb jährigen Seitwärtsphase hat die Aktie innerhalb kürzester Zeit um 50% zugelegt. Grund war der Einstieg des Pharmariesen Medtronic.

Mazor Robotics – Spezialist für Operationen an der Wirbelsäule

Aber bevor ich Ihnen die Hintergründe des Kurssprungs erläutere, erst einmal zum Geschäftsmodell der Israelis. Das Unternehmen hat nämlich ein System für minimalinvasive Eingriffe an der Wirbelsäule entwickelt. Das sogenannte „Renaissance System“ ermöglicht eine robotergestützte Operation an der Wirbelsäule, die wesentlich genauer funktioniert als eine „freihändige“ Operation durch den Arzt.

Vor der Operation wird mit Hilfe eines Röntgenbilds ein 3D-Modell von der Wirbelsäule erstellt und mit der Software so bearbeitet, dass der genaue Operationsverlauf feststeht. Hier kommt es besonders auf die Einstichkoordinaten an, wo beispielsweise ein Implantat hineingespritzt werden soll.

Dann erfolgt das Anbringen einer speziellen Operationshardware, also einer Befestigungsarmatur am Patienten. Hier wird dann mit Hilfe der Software und einer 3D-Synchronisation das Operationsbesteck eingesteckt und die Operation kann starten. Da es softwaregestützt ist, erfolgt der Einstich und die Operation genau dort, wo es vorher am Computer errechnet worden ist.

Die Fehlerquote bei der OP wird damit deutlich reduziert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Eine schnellere Genesung, ein kürzerer Krankenhausaufenthalt und deutlich geringere Kosten für das Gesundheitssystem.

Bislang 108 Systeme weltweit im Einsatz

Die Vermarktung des Systems ging bislang aber nur schrittweise voran. Waren  2010 gerade einmal 11 Systeme weltweit im Einsatz, ist die Zahl im letzten Jahr auf 108 gestiegen. Für die Kliniken bedeutet die Technologie erhebliche Anschaffungskosten. Das System kostet (Hard- und Software) knapp 1 Mio. Dollar.

Hinzu kommen Verbrauchsmaterialien für jede Operation. Zugleich schließen die Kliniken sogenannte Service-Verträge ab, die ab dem zweiten Jahr starten und nochmal rund 10% der Anschaffungskosten jährlich ausmachen.

Umsätze erst bei 26 Mio. Dollar in 2015

Die Umsatzsteigerung von über 560% seit 2010 sieht auf den ersten Blick beeindruckend aus. Aber Sie müssen immer die Basis im Auge behalten. Denn die Erlöse lagen in 2010 bei gerade einmal 3,9 Mio. Dollar und sind jetzt auf 26 Mio. Dollar in 2015 angestiegen. Gewinne suchen Sie bei Mazor Robotics noch vergeblich. Unterm Strich verbrannten die Israelis im letzten Jahr noch 15,3 Mio. Dollar.

Medtronic steigt ein und übernimmt die Vermarktung

Auf Basis der aktuellen Zahlen sieht die Bewertung (Börsenwert über 300 Mio. Dollar) sehr ambitioniert aus. Aber der Grund für den Kurssprung hat durchaus einen Hintergrund. Denn der milliardenschwere Pharmakonzern Medtronic greift dem Unternehmen jetzt unter die Arme.

Und das gleich auf mehreren Ebenen: zuerst kauft Medtronic 4% der Aktien für 11,9 Mio. Dollar. Im zweiten Schritt will der Pharmariese auf 10% der ausstehenden Aktien aufstocken. Sollte die Zusammenarbeit erfolgreich sein, könnte im dritten Schritt noch eine durch Medtronic finanzierte Kapitalerhöhung anstehen.

Zusätzlich kauft Medtronic 15 Operationssysteme der Israelis in diesem Jahr und wird der exklusive Partner für die Vermarktung der Produkte. Darüber hinaus wollen beide Firmen neue Produkte entwickeln.

Fazit: Der Einstieg des Pharmariesen zeigt, dass sich robotergestützte Operationen immer stärker ausbreiten. Diverse Großkonzerne (Stryker, Johnson & Johnson, Medtech) versuchen sich gerade durch Zukäufe und eigene Entwicklungen zu positionieren.

Für Mazor Robotics ist der Medtronic-Einstieg ein Ritterschlag. Die Vertriebstruppe des Pharmariesen wird die Internationalisierung deutlich beschleunigen. Zugleich ist das Finanzierungsrisiko mit dem Einstieg deutlich gesunken. Sollte die Zusammenarbeit sich erfolgreich gestalten, dürften Sie in den nächsten Jahren noch so einiges von den Israelis zu hören bekommen.

23. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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