McCormick & Co: Gewürz-Hersteller tütet Milliardendeal ein

Die Karten auf dem Senfmarkt werden neu gemischt. Warum und inwiefern das so ist und wer dabei die Finger im Spiel hat, lesen Sie hier: (Foto: monticello / Shutterstock.com)

Schon seit einigen Tagen hielten sich hartnäckige Gerüchte.

Spekuliert wurde, dass der Verkauf der Lebensmittel-Sparte des britischen Konsumgüter-Riesen Reckitt Benckiser kurz vor dem Abschluss steht.

Jetzt haben sich die Spekulationen bewahrheitet. Die Logik hinter dem Deal ist mehr als einleuchtend.

Der weltweite Hersteller von Reinigungsmitteln und Haushaltswaren hatte kürzlich selbst einen Megakauf (15,6 Mrd. Dollar für den Babynahrungs-Hersteller Mead Johnson) eingefädelt.

Und so stand das übrige Lebensmittel-Geschäft des Konzerns zur Finanzierung des Deals zur Disposition.

Karten auf Gewürzmarkt werden neu gemischt

Der US-Gewürz-Spezialist McCormick & Co setzt mit der Übernahme auf eine deutliche Ausweitung seiner bereits angebotenen Produkt-Palette.

Zugleich schiebt sich das Unternehmen mit dem Deal auf die marktführende Position in den USA. Vorher lag der Konzern auf dem 10. Rang.

Durch die Akquisition rückt McCormick international auf den 3. Rang der größten Gewürz-Hersteller weltweit.

4,2 Mrd. Dollar für Ketchup und Senf

Der Deal ist auch für den US-Konzern ein großer Schluck aus der Pulle, immerhin blättert McCormick & Co 4,2 Mrd. Dollar für das Lebensmittel-Geschäft von Reckitt auf den Tisch.

Dafür erhält der Konzern den Zugriff auf Senf und Ketchup der Marke French’s und die bekannten Cattlemen Saucen. Günstig erscheint der Deal auf den 1. Blick trotzdem nicht.

Denn über alle Marken hinweg erzielte die Lebensmittel-Sparte zuletzt ein operatives Ergebnis von umgerechnet rund 211 Mio. Dollar.

Damit entspricht der Kaufpreis ungefähr dem 20-Fachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

Besonders vor dem Hintergrund des starken US-Fokus des Geschäft ist das ein ziemlich stolzer Preis.

Zahlreiche Bieter zeigten Interesse

Nicht zuletzt dürfte die hohe Anzahl an Interessenten den Preis in die Höhe getrieben haben. Laut informierten Kreisen gab es nämlich zahlreiche potenzielle Käufer:

U. a. hatten Campell Soup, der Weetabix- und Power-Bar-Hersteller Post Holdings und der Bertolli-Konzern Conagra Brands ein Auge auf sie geworfen.

Zusätzlich fielen Namen wie Unilver und Hormel Foods als mögliche Käufer.

Geschäftsbereich mit stabilen Margen

Mit dem Zukauf beschleunigt McCormick sein Wachstum erheblich.

Denn organisch wuchs das Unternehmen in den vergangenen Jahren nur mit überschaubaren Raten: Seit 2012 kletterten die Umsätze von 4,01 auf 4,41 Mrd. Dollar.

Durchaus beeindruckend stabil entwickelten sich hingegen die Gewinnspannen: Seit nunmehr sieben Jahren pendeln die Gewinnmargen zwischen 9,36 und 11,09%.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr lag der Konzern mit 10,68% Gewinnrendite am oberen Ende der Bandbreite.

US-Lebensmittelmarkt in Bewegung

Mit der Transaktion setzt sich die hohe Übernahme-Tätigkeit auf dem amerikanischen Lebensmittelmarkt ungebremst fort:

Im Frühjahr versuchte der Ketchup-Hersteller Kraft, den britisch-niederländischen Konsumgüter-Konzern Unilever zu schlucken – allerdings erfolglos.

Die weltweite Nr. 1, Nestlé, steht wiederum in den Startlöchern, um ihr Süßwaren-Geschäft in den USA zu veräußern.

McCormick selbst hatte im vergangenen Jahr einen erfolglosen Versuch unternommen den Konzern Premier Foods zu schlucken.

Da die Preisvorstellungen aber zu stark auseinandergingen, zog der Gewürz-Hersteller sein Angebot wieder zurück.

Mit dem Deal dürfte dem Konzern jetzt der große Wurf gelungen sein. Mit dem Abschluss der Transaktion wird spätestens im 4. Quartal gerechnet.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.