MDAX-Wert Steinhoff in der Krise

Der Möbelriese Steinhoff steckt in der Krise. Ein Ausweg wird – wenn überhaupt – nur unter großen Opfern möglich sein. Für Aktionäre wie Anleihegläubiger. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Seit mehreren Wochen kommt der Möbelriese Steinhoff nicht zur Ruhe. Das Drehbuch könnte aus der Feder eines Hollywood-Autoren stammen. Doch ob es für ein Happy End reichen wird, ist fraglich.

Begonnen hat alles Anfang Dezember mit einem Anfangsverdacht auf Unregelmäßigkeiten in den Jahreszahlen. Kurze Zeit später war bereits von gefälschten Bilanzen die Rede, was für den langjährigen Vorstandsvorsitzenden das Aus bedeutete. Nach seinem Rücktritt konnte der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2016/17 (das Geschäftsjahresende der weitverzweigten und unübersichtlichen Steinhoff-Gruppe ist im September) nicht rechtzeitig veröffentlicht werden, was die kreditgebenden Banken erst recht nervös machte.

Zumal die Wahrheit nur scheibchenweise bekannt wurde. Daran sollte sich auch im weiteren Verlauf nichts ändern: Von einem vertrauenserweckenden Krisenmanagement jedenfalls keine Spur. War ursprünglich nur der 2017er Abschluss Gegenstand der Diskussion, hat der Möbelriese inzwischen zugeben müssen, dass auch ältere Bilanzen von den Unregelmäßigkeiten betroffen sein könnten – was nicht nur das Unternehmen in ein schlechtes Licht rückt, sondern auch die beteiligten Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche.

Aktionäre und Anleihegläubiger stehen kurz vor dem Totalverlust

Vorgeworfen wird dem angeschlagenen Konzern unter anderem, dass überhöhte Umsatzerlöse in die Bilanzen konzernzugehöriger Gesellschaften eingeflossen sind. Bilanzierungsprobleme bedeuten für sämtliche Stakeholder ausnahmslos allergrößte Gefahr. So auch hier. Die Aktie verlor in wenigen Wochen mehr als 90 % ihres Wertes. Aus dem ehemaligen MDAX-Titel wurde ein Penny-Stock.

Kurz vor Jahresende hat die US-Ratingagentur Moody’s mit einem massiven Downgrade reagiert: In mehreren Schritten wurde Steinhoffs Bonität um nunmehr sieben Notches auf Caa1 herabgestuft. Damit befindet sich das Rating tief im Junk-Bond-Bereich. Wobei Moody’s bereits angedeutet hat, dass weitere Herabstufungen nicht ausgeschlossen sind.

Sorgen bereiten den Ratingagenturen vor allem die hohen kurzfristigen Verbindlichkeiten: Allein in diesem Jahr muss Steinhoff Finanzverbindlichkeiten in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro zurückzahlen. Ein schwieriges Unterfangen, wenn die Banken ihre Unterstützung zurückziehen.

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Steinhoff kauft sich Zeit – doch Zeit ist bei Notlagen teuer

In den letzten Tagen haben sich die Gerüchte verdichtet, dass eine Rettung bevorsteht. Eine Brückenfinanzierung von 200 Millionen Euro steht im Raum. Dass dieser bei weitem nicht ausreicht, können Sie leicht nachrechnen.

Doch selbst wenn es für die kurzfristigen Darlehen eine schnelle Lösung gefunden wird: Auch langfristige Kredite ticken auf der Uhr des Möbelunternehmens: Insgesamt hat Steinhoff Finanzverbindlichkeiten von sage und schreibe 10,7 Milliarden Euro im Feuer.

Von einer schnellen Lösung kann also keine Rede sein. Im Gegenteil. Doch je länger die Krise anhält, desto stärker wird die Substanz des Unternehmens ausgehöhlt. Bei ersten Notverkäufen – zum Beispiel bei zwei Immobilien in Wien, die an den österreichischen Investor René Benko (bekannt aus der Karstadt-Übernahme) gingen, musste Steinhoff deutliche Kaufpreisabschläge hinnehmen.

Nur die Spitze des Eisbergs?

Auch wenn Aktien wie Anleihen deutlich unter ihren Vorjahreswerten notieren, ist ein Einstieg reines Harakiri. Ob Steinhoff gerettet werden kann oder nicht kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand beantworten. Zumal meiner Erfahrung nach Bilanzmanipulationen meist nur die Spitze des Eisbergs sind. In den meisten Fällen tun sich schnell weitere Finanzlöcher und Bilanzierungsfehler auf, die die bisherigen Bemühungen um eine Rettung unbedeutend erscheinen lassen.


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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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