Medienkonzern erfindet sich neu

„Irgendwas mit Medien!“ Wenn Enkel oder Kinder sich auf diese Weise über ihre berufliche Zukunft äußern, spricht das in den meisten Fällen für große Ahnungslosigkeit. Zu weit ist das Feld, zu diffus die Vorstellung, irgendwas mit Medien reiche als Berufsbild aus.

Meistens wird das Bild nach einigen Erfahrungen in der Branche konkreter – und Eltern oder Großeltern sind entsprechend erleichtert. Dass man im Medien-Dschungel schnell den Überblick verlieren kann, zeigt auch die Geschichte des französischen Medienkonzerns Vivendi.

Der hat in den vergangenen Jahren alles Mögliche gemacht, Hauptsache es hatte mit Medien zu tun. Vivendi S.A. war an Marken wie: SFR zweitgrößter französischer Telekommunikationsanbieter (zu 100%), Maroc Telecom Group (zu 53%), GVT, Canal+ Group und Zaoza (alle zu 100%) beteiligt.

Ist seit der Umstrukturierung (seit 2011) vor allem im französischen Pay-TV-Markt aktiv. Der Umbauprozess ist aber noch nicht abgeschlossen.

Umsatz im Sinkflug

Vivendi befindet sich in einem schwierigen Umstrukturierungsprozess. Dabei werden unprofitable Geschäftsbereiche veräußert oder neu ausgerichtet. Bis 2017 sollen insgesamt 5,7 Mrd € eingenommen werden.

Allerdings gibt Vivendi dafür auch einen Großteil seiner Marktstellung auf. Auf bereinigter Basis sank der Umsatz 2014 um 1,6% auf rund 10 Mrd €. Der Gewinn hat sich mehr als verdoppelt.

Allerdings sind die Zahlen aufgrund der hohen Sondereffekte nicht vorbehaltlos miteinander vergleichbar. Auf operativer Basis konnte nur ein leichtes Plus erzielt werden.

Der Ausverkauf bei Vivendi geht weiter

Von der Umstrukturierung erhofft sich Vivendi wieder eine Steigerung der Profitabilität. Der Fokus liegt auf dem Pay-TV-Geschäft und der Musikbranche. Alle anderen Geschäftsbereiche sollen langfristig verkauft werden. Zuletzt hat sich der Medienkonzern schon von Maroc Telcom und der Breitbandtochter GVT getrennt.

Jetzt steht noch der Komplettausstieg aus dem Telekommunikationsgeschäft bevor. Dazu sollen sämtliche Anteile an dem Mobilfunkunternehmen SFR abgestoßen werden. Ein Angebot liegt bereits vom Kabelkonzern Numericable vor.

Im Gespräch ist eine Übernahmesumme von 3,9 Mrd €. Sollten sich die beiden Konzerne einigen, möchte Vivendi das frische Geld in den Ausbau seiner Kernbereiche investieren.

Top-Rendite als Argument

Zugleich sollen die Aktionäre von den Sondereinnahmen profitieren. Ob eine höhere Dividende gezahlt oder die Aktienanzahl gesenkt werden soll, hat Vivendi noch nicht entschieden.

Auf Sicht von 6 bis 12 Monaten erwarten wir allerdings nur eine unterdurchschnittliche Kursentwicklung. Daran ändert auch die durchaus beachtliche Dividendenrendite von 4,6% nichts. Zunächst einmal muss Vivendi in die Spur kommen.

25. März 2015

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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