Medienkonzern ProSiebenSat1 mit starken Zahlen

Von dem im MDax gelisteten Medienkonzern ProSiebenSat1 gibt es gleich auf zwei Ebenen Neuigkeiten zu vermelden. Erstens wurde jetzt klar, dass eine mögliche Fusion mit dem ebenfalls im MDax notierten Springer-Konzern vom Tisch ist und zweitens präsentierte ProSiebenSat1 am heutigen Tag überraschend positive Zahlen für das zurückliegende Quartal.

Bevor ich Ihnen die Zahlen gleich im Detail vorstelle, möchte ich Ihnen kurz die wichtigsten Einzelheiten rund um die geplatzte Fusion zwischen ProsiebenSat1 und Axel Springer liefern.

Zusammenarbeit ja – Fusion nein

Statt einer Fusion, die vor wenigen Wochen im Raum stand, beschränken sich die beiden Medienkonzerne ProSiebenSat1 und Axel Springer jetzt auf die gemeinsame Förderung von Startups in der Digitalbranche. Sprecher beider Konzerne erklärten am gestrigen Mittwoch, dass darüber hinaus keine weitere gesellschaftsrechtliche Verbindung geplant ist. Mit anderen Worten: Eine Fusion ist – zumindest vorerst – vom Tisch!

Dafür wollen beide Unternehmen vermehrt Kooperieren und teilten mit, dass sie gemeinsam Geschäftsideen unterstützen wollen, um den Digitalstandort Deutschland auch international besser zu positionieren.

Branchenexperten hatten zuvor bereits Zweifel an einer Vereinigung beider Konzerne geäußert. Aus Sicht von Stefan Wimmer, der beim Bankhaus Metzler tätig ist, hätte ein vollständiger Zusammenschluss keinen Sinn gemacht. „Die Anstrengungen dafür wären nicht zu rechtfertigen gewesen“, sagte er. Die geplante Kooperation im digitalen Bereich begrüßt er dagegen.

Überraschend starke Quartalszahlen

Im abgelaufenen 2. Quartal 2015 liefen die Geschäfte bei ProSiebenSat1 besser als es die Experten erwartet hatten. Der Umsatz legte um 12% auf 773 Mio. Euro zu und der Betriebsgewinn (bereinigtes EBITDA) stieg um 8% auf 238 Mio. Euro. Der Überschuss wuchs sogar deutlich überproportional um 32% auf 118 Mio. Euro.

Analysten hatten lediglich mit einem Umsatz von 750 Mio. Euro und einem bereinigten EBITDA von 234 Mio. Euro gerechnet. Den Überschuss hatten die Analysten bei 116 Mio. Euro erwartet. Damit konnte der Medienkonzern auf allen Ebenen die Analystenerwartungen übertreffen.

Nach den guten Quartalszahlen und insgesamt guten Geschäften im 1. Halbjahr 2015 rechnet ProSiebenSat1 jetzt für das Gesamtjahr mit einem Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Das ist das obere Ende der bisher veranschlagten Spanne.

Bis zu 500 Mio. Euro für weitere Zukäufe

Weiterhin ist die Kriegskasse derzeit mit einem Volumen von rund 500 Mio. Euro gut gefüllt. Dies erklärte der Vorstand im Rahmen der Zahlenvorlage. Nach dem Kauf des Strompreis-Vergleichsportals Verivox sei ProSiebenSat1 auf der Suche nach weiteren Vergleichsportalen als Ergänzung des bestehenden Portfolios.

Eine Absage erteilte das Unternehmen jedoch den Gerüchten um eine mögliche Übernahme des Internetportal-Betreibers Scout24. Diese Übernahme dürfte allein schon aus Kostengründen nichts werden. Denn: ProSiebenSat1 will bis zu 500 Mio. Euro in weitere Übernahmen investieren – die Scout24-Gruppe wird hingegen mit bis zu 2,5 Mrd. Euro bewertet.

ProSiebenSat1 übe nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden, Thomas Ebeling, Disziplin bei der Bewertung von Unternehmen. Soll heißen: Der Medienkonzern ist nicht bereit, Mondpreise zu zahlen. Wenn dies so bleibt, ist ein Grundstein für den zukünftigen Erfolg von ProSiebenSat1 gelegt. Denn: Überteuerte Zukäufe führen früher oder später zu hohen Abschreibungen und diese wiederum belasten den Gewinn.

ProSiebenSat1-Aktionäre sollten sich sowohl über die guten Zahlen als auch darüber freuen, dass es nicht zu einer Fusion mit dem Springer-Konzern kommen wird. Die geplante Kooperation der beiden Medienkonzerne im digitalen Bereich ist aus meiner Sicht besser als eine komplette Verschmelzung beider Parteien..

30. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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