Medizintechnik: Das Marktwachstum schwächt sich ab

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Strengere Zulassungsregeln für medizinische Produkte werden in erster Linie kleinere europäische Hersteller treffen, die sich die teureren Zulassungsverfahren nicht mehr leisten können. (Foto: Marco Crupi / shutterstock.com)

Die Medizintechnik-Branche steht vor einem tief greifenden Wandel.

Weil die Budgets im Gesundheitswesen schrumpfen, müssen die Hersteller in Zukunft nachweisen, dass ihre neuen Produkte einen echten Vorteil für den Patienten bieten, wenn sie denn zugelassen werden sollen. Die strengeren Zulassungsregeln für medizintechnische Produkte werden in erster Linie kleinere europäische Hersteller treffen, die sich dann die teureren Zulassungsverfahren nicht mehr leisten können.

Denn in Europa ist die Versorgung mit Risikokapital traditionell schlechter als in den USA. Das Branchenwachstum hat sich zwar seit 2008 deutlich abgeschwächt, von einer Krise in der Medizintechnik kann aber noch nicht gesprochen werden.

Nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young stieg der globale Umsatz zuletzt um 2% auf 340 Mrd $ und in Europa ebenfalls um 2% auf 130 Mrd $. Der Gewinn der europäischen Unternehmen stieg sogar um 11% auf 6,8 Mrd $. In Deutschland betrug das Wachstum 5% auf 17,8 Mrd $. Gleichzeitig stieg der Gewinn um 9% auf 1,3 Mrd $. Die Zahlen beziehen sich nur auf Unternehmen, die aufgrund ihrer Rechtsform transparent sind.

Die Zahlen belegen aber auch, dass Deutschland für Produkte von höchster Qualität steht, die sich weltweit gut verkaufen lassen. Finanzinvestoren und Pharmakonzerne sind daher immer auf der Suche nach Übernahmekandidaten. Medizintechnik ist gefragt, weil immer mehr Menschen eine immer bessere Gesundheitsversorgung wünschen.

Andererseits werden die Sparzwänge in den Gesundheitssystemen immer größer, besonders in den Industrieländern. Und auch auf die Schwellenländer ist kein Verlass mehr. Die Gesundheitsversorgung wird zwar ausgebaut, aber die Aufträge kommen unregelmäßig und unterliegen obendrein hohen Wechselkursrisiken.

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Unternehmen wie Carl Zeiss Meditec (7211) haben diese Entwicklung bereits zu spüren bekommen. Medizintechnik ist eben kein Selbstläufer mehr.

Höhere Festbeträge können die Nachfrage nach Hightech-Geräten bremsen

Seit dem 1. November 2013 gilt in Deutschland für Hörgeräte ein Festbetrag von 754 €. Bis dahin erhielten Hörgeschädigte nur 421 € von der Krankenkasse erstattet. Was die Hörgeschädigten freut, sorgt bei Händlern und Herstellern für reichlich Unsicherheit. Denn es wird befürchtet, dass sich künftig immer mehr Kunden mit Modellen zufrieden geben, die sie zum Festbetrag bekommen und auf Zusatzausstattungen verzichten.

Die Folge: Der Absatz von Hightech-Geräten könnte zurückgehen. Dennoch ist die Neuregelung für Hersteller wie Sonova noch kein Grund, die Weiterentwicklung von Premium- Geräten zurückzufahren. Zwar ist Deutschland, wo 2013 rund 950.000 Hörgeräte verkauft wurden, ein großer und für Sonova sehr wichtiger Absatzmarkt, aber auch nur einer von vielen. Die Schweizer sind jedenfalls optimistisch und haben ihre Jahresprognose erhöht.

Fazit Neben Sonova gehört nach wie vor Medtronic zu unseren Favoriten. Der Konzern überzeugt durch kontinuierliches Wachstum und eine im Branchenvergleich überdurchschnittliche Rentabilität. Auch Straumann macht Rentabilitätsfortschritte. Die Aktie ist aber sehr hoch bewertet.

Für Eckert & Ziegler spricht zwar die starke Position in der Krebstherapie, das Unternehmen hat aber mit drei Gewinnwarnungen viel Vertrauen verspielt. Die Jahresprognose blieb ebenfalls hinter unseren Erwartungen zurück. Uninteressant ist auch Analytik Jena. Die Aktie notiert seit Monaten knapp über dem Pflichtangebot des Großaktionärs. Für eine Erhöhung des Angebots gibt es aber keine Veranlassung.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.