Medtronic-Aktie: Übernahmehammer im Robotik-Sektor

Medtronic-Aktie: Übernahmehammer im Robotik-Markt. Medizintechnik-Riese schluckt Spezialisten für Operationsroboter (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Es hatte sich fast schon angedeutet, kam am Ende jedoch deutlich früher als von Marktteilnehmern erwartet. Vor über 2 Jahren stieg der Medizintechnikriese Medtronic bei Mazor Robotics ein, sicherte sich die Vertriebsexklusivität der robotergestützten Operationssysteme und wollte gemeinsam mit dem Startup neue Produkte entwickeln.

Jetzt hat Medtronic eine Kaufofferte für die komplette Firma auf den Tisch gelegt. Der Kaufpreis 58,50 Dollar je Aktie, was einer Unternehmensbewertung von 1,64 Milliarden Dollar entspricht.

Mazor Robotics – Spezialist für Operationen an der Wirbelsäule

Aber bevor ich auf die Details des Deals eingehe, erst einmal zum Geschäftsmodell der israelischen Firma Mazor Robotics. Das Unternehmen hat nämlich ein System für minimalinvasive Eingriffe an der Wirbelsäule entwickelt. Das sogenannte „Renaissance System“ ermöglicht eine robotergestützte Operation an der Wirbelsäule, die wesentlich genauer funktioniert als eine „freihändige“ Operation durch den Arzt.

Vor der Operation wird mit Hilfe eines Röntgenbilds ein 3D-Modell von der Wirbelsäule erstellt und mit der Software so bearbeitet, dass der genaue Operationsverlauf feststeht. Hier kommt es besonders auf die Einstichkoordinaten an, wo beispielsweise ein Implantat hineingespritzt werden soll.

Dann erfolgt das Anbringen einer speziellen Operationshardware, also einer Befestigungsarmatur am Patienten. Hier wird dann mit Hilfe der Software und einer 3D-Synchronisation das Operationsbesteck eingesteckt und die Operation kann starten. Da es softwaregestützt ist, erfolgt der Einstich und die Operation genau dort, wo es vorher am Computer errechnet worden ist.

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Die Fehlerquote bei der OP wird damit deutlich reduziert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Eine schnellere Genesung, ein kürzerer Krankenhausaufenthalt und deutlich geringere Kosten für das Gesundheitssystem.

Milliardendeal soll Wachstumsgeschwindigkeit beschleunigen

Nachdem Medtronic seit zwei Jahren sukzessive den Anteil an der Firma erhöht hat wurde jetzt ein komplettes Übernahmeangebot auf den Tisch gelegt. Abzüglich der bestehenden Beteiligung muss Medtronic 1,34 Milliarden Dollar in bar für die israelische Firma hinblättern. Die Übernahme von Mazor durch Medtronic stärkt die Position von Medtronic als weltweit führender Anbieter von Basistechnologien für die Wirbelsäulenchirurgie und treibt die Vision von Mazor Robotics voran, seine Kerntechnologie an die Spitze des globalen Marktes zu bringen.

Diese Transaktion baut auf einer Beziehung auf, die im Mai 2016 im Rahmen einer mehrstufigen Strategie- und Beteiligungsvertrag zwischen Medtronic und Mazor entstanden ist. Im August 2017 erweiterte Medtronic die Partnerschaft zum exklusiven weltweiten Vertriebspartner des Mazor X-Systems. Seither wurden mehr als 80 Mazor X-Systemen auf den Markt gebracht.

Medtronic zahlt hohen Preis

Mit Sicherheit handelt es sich bei Mazor Robotics um ein spannendes Unternehmen mit einer innovativen Technologie. Dennoch erscheint der gezahlte Preis ziemlich ambitioniert. Bislang wird das System an 200 Kliniken eingesetzt. Im vergangenen Jahr kam die Firma gerade einmal auf einen Jahresumsatz von 64,95 Millionen Dollar. Unter dem Strich erzielte Mazor Robotics einen Verlust in Höhe von 12 Millionen Dollar. Kein Wunder also, dass der Deal erst einmal die Bilanzen des Medizintechnikspezialisten belastet.

Bis zum vierten Jahr will Medtronic mit dem Investment eine zweistellige Rendite auf das investierte Kapital erzielen, mit einem steigenden Beitrag danach. Bis dahin dürfte der Beitrag auf die Geschäftsentwicklung des US-Konzerns ohnehin gering sein. Denn im Vergleich zu Medtronic ist Mazor Robotics noch ein richtiger Zwerg. Sie müssen wissen: Zuletzt erzielte Medtronic bei einem Jahresumsatz von knapp 30 Milliarden Dollar einen Gewinn in Höhe von 3,1 Milliarden Dollar. Bis der Neuerwerb also einen spürbaren Effekt auf die Geschäftsentwicklung hat, dürften noch einige Jahre ins Land ziehen.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.