Mega-Deal im US-Bankensektor: PNC schluckt US-Tochter der BBVA

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Nach einer längeren Flaute ist es im US-Bankensektor wieder zu einem Mega-Deal gekommen. Die PNC Financial Services Group übernimmt das US-Geschäft der spanischen Großbank BBVA. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Die neue Woche startete gestern mit der Bekanntgabe eines Mega-Deals: Die US-amerikanische PNC Financial Services Group Inc (PNC) teilte am frühen Montagmorgen mit,  dass sie das US-Geschäft der spanischen Großbank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) für 11,6 Mrd. US-Dollar (USD) in bar kaufen werde.

Damit ist dieser Mega-Deal die zweitgrößte Übernahme im US-Finanzsektor seit der Finanzkrise von 2008. Der größte US-Bankendeal seit der Finanzkrise war die Übernahme der SunTrust Banks Inc. durch den US-Regionalkreditgeber BB&T Corp. für sagenhafte 28 Mrd. USD im vergangenen Jahr.

US-Wahlergebnis wurde abgewartet

Laut Reuters haben die in Pittsburgh/Pennsylvania ansässige PNC und die im spanischen Bilbao beheimatete BBVA bereits seit einigen Wochen Übernahmeverhandlungen geführt. Die Vorstände haben aber beschlossen, den Deal erst nach der US-Wahl vom 3. November bekannt zu geben.

Nachdem klar wurde, dass die Demokraten mit Joe Biden den neuen Präsidenten stellen werden, der Senat aber weiterhin mehrheitlich durch die Republikaner dominiert wird, sind die Banken an die Öffentlichkeit getreten. Insider gehen aufgrund der neuen politischen Lage davon aus, dass das regulatorische Umfeld sich aufgrund dieser Pattsituation in den nächsten Monaten großartig ändern wird.

Finanzierung des Deals unproblematisch

Für PNC ist der Deal trotz des hohen Volumens relativ einfach zu stemmen. Schließlich hat das US-Finanzinstitut seine 22,4%ige Beteiligung an dem Investmentfondsgiganten BlackRock vor einem halben Jahr für stolze 14,2 Mrd. USD verkaufen können.

Außerdem geht der Vorstand der PNC davon aus, dass das Finanzinstitut seine Gewinne durch die Übernahme der BBVA-Tochter bis 2022 um etwa 21% steigern werde. Hinzu kommt noch, dass die Bankengruppe durch die Übernahme der insgesamt 637 BBVA-Filialen ihre US-Präsenz durch die Übernahme deutlich ausdehnen wird.

Lag der regionale Fokus der PNC bisher an der Atlantikküste und im mittleren Westen, kommen durch die Übernahme weitere Standorte im Südwesten der USA (Texas, Arizona und New Mexico) hinzu. Nach dem Closing wird PNC eine Bilanzsumme von fast 560 Mrd. US-Dollar haben und in zwei Dutzend US-Bundesstaaten präsent sein.

BBVA zieht sich größtenteils aus dem US-Geschäft zurück

Die spanische BBVA war erst 2007, kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise, groß in das US-Geschäft eingestiegen. In diesem Jahr übernahmen die Spanier Compass Bancshares Inc. für 9,6 Mrd. USD und wandelten das Unternehmen in seine US-Tochtergesellschaft um.

Allerdings florierte das US-Geschäft nicht und wurde zu einer Belastung für die spanische Großbank. Dies führte zu einem Kursverfall und auch die Investoren übten einen hohen Druck auf das Unternehmen aus.

Auch einige von der Trump-Regierung beschlossene Gesetzesänderungen haben den Mega-Deal forciert. Die Unternehmenssteuern wurden deutlich gesenkt, sodass Finanzinstitute das dadurch frei werdende Kapital für Übernahmen zur Verfügung hatten.

Hinzu kam auch noch eine Lockerung im Bereich der Fusionskontrolle: Nach der Finanzkrise waren Kreditgebern mit einem Vermögen von mehr als 50 Mrd. USD deutlich strengere Übernahme-Regeln auferlegt worden. Banken mit Compliance-Problemen wurden sogar von den Aufsichtsbehörden ganz von einer Expansion ausgeschlossen.

Laut BBVA bedeutet der Verkauf jedoch kein vollständiger Rückzug aus dem US-Geschäft. Die spanische Großbank wird z. B. ihre Maklertätigkeit in den Vereinigten Staaten aufrechterhalten. Das US-Großkundengeschäft werden die Spanier auch weiterhin von ihrem New Yorker Büro aus abwickeln.

Spanische Bankaktien machen Kurssprünge

Die Bekanntgabe des Deals führte am Montag zu einem deutlichen Kursgewinn bei spanischen Bankaktien. So schossen die Papiere der BBVA an der Madrider Börse um gute +20% in die Höhe. Anleger begrüßen also den Verkauf der wenig profitablen US-Tochter der BBVA. Aber auch andere spanische Bankentitel wie Santander, Banco de Sabadell und Bankinter zogen deutlich an.

Die Übernahme der US-Tochter der BBVA durch PNC soll voraussichtlich bis Mitte 2021 abgeschlossen werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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