Megadeal im Kaffeemarkt: Milliardärs-Familie Reimann baut Kaffeeimperium weiter aus

Milliardärs-Clan aus Deutschland legt Milliardenofferte für Keurig Green Mountain auf den Tisch (Foto: Craig Russell / Shutterstock.com)

Die Meldung war ein wahrer Paukenschlag im Kaffeegeschäft und kam vollkommen unerwartet. Die Investorengruppe um die JAB-Holding bastelt an der Übernahme des US-Kaffeekonzerns Keurig Green Mountain. Hinter dem Konsortium steht der deutsche Milliardärs-Clan Reimann, der für den Deal immerhin knapp 14 Milliarden Dollar auf den Tisch legt.

Der Angebotspreis von 92 Dollar je Aktie entspricht einem Aufschlag von immerhin 78% gegenüber dem Schlusskurs des Vortages. Mit dem Zukauf will JAB sein Kaffeegeschäft deutlich ausbauen und dem bislang größten Player im Markt, dem Schweizer Nestle-Konzern, ordentlich auf die Pelle rücken.

Wachstum durch Übernahmen

Wenige Firmen haben ihr Wachstum mit Übernahmen so forciert wie die Reimann-Familie. Bereits seit Jahren bastelt die Unternehmerdynastie, die auch am Kosmetik-Konzern Coty und dem Luxusschu-Anbieter Jimmy Choo beteiligt ist, an einem weltweiten Kaffeeimperium. Alleine in den vergangenen vier Jahren hat die Familie mehr als 30 Milliarden Dollar in das Kaffeegeschäft gesteckt.

So gehören zum Firmengeflecht auch der neu gegründete Senseo-Hersteller und Nestle-Wettbewerber Jacobs Douwe Egberts, die US-Kette Peet’s Coffee & Tea und der Starbucks-Rivale Caribou Coffee.

Zudem hat JAB kürzlich über seine US-Kette auch die Edelmarkte Stumptown Coffee Roasters gekauft. Aber auch in Skandinavien ist der Konzern engagiert. Neben der Kaffeekette Espresso House gehört auch Baresso Coffee zum Firmenverbund.

Auf dem Weg zur globalen Kaffeeplattform

Mit dem Keurig-Zukauf setzt die Reimann-Familie auf den Pionier bei Kaffeekapseln. Denn bereits in den 90igern hat der Konzern Kaffeekapseln in den USA eingeführt und den Markt entscheidend mitbestimmt. So explodierten die Erlöse regelrecht von 96 Millionen Dollar in 2001 bis auf über 4,7 Milliarden Dollar in 2014.

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Im Gegenzug stiegen die Gewinne von 6 Millionen Dollar auf fast 600 Millionen Dollar. Doch zuletzt hat der immer schärfer werdende Wettbewerb dem Konzern ganz schön zugesetzt. Seit dem Verlust des Patents für die Kapseln in 2012 strömten immer mehr Konkurrenten auf den Markt.

Kaltgetränke sollten für weiteres Wachstum sorgen

Keurig Green Mountain versuchte mit einer Ausdehnung der Produktpalette gegenzusteuern. Nach dem Einstieg von Coca Cola in 2014 sollten auch Limonaden oder Eistees aus der Kapsel produziert werden. Der Vorteil für Kunden – es müssen keine kiloschweren Flaschenkisten geschleppt werden, sondern eben nur leichte Kapseln.

Die Anleger zeigten sich begeistert von Ideen und trieben den Aktienkurs bis auf über 140 Dollar in die Höhe. Doch die Pläne ließen sich nicht annähernd so erfolgsversprechend umsetzen wie geplant. Im vergangenen Quartal musste sogar ein Umsatzrückgang um 14% verbucht werden – der Aktienkurs fiel bis auf 40 Dollar in den Keller.

Kaufpreis nicht gerade günstig

Der Deal kam für die Anleger ziemlich unerwartet. Zuletzt spekulierten immer mehr Hedgefonds auf Grund der strukturellen Probleme beim Kaffeekonzern auf weiter fallende Kurse. Der Einstieg der Reimann-Familie gibt den Investoren jetzt neuen Mut. Dabei ist der Kaufpreis mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 keinesfalls günstig.

Unterdessen soll die Zusammenarbeit mit Coca Cola weiter ausgebaut werden. Auch wenn die Reimann-Familie das 17,4%ige Aktienpaket beim Brausekonzern ablöst, soll der Kaltgetränkemarkt weiter beackert werden.

Nach der Übernahme soll der Kaffeekonzern als eigenständiges Unternehmen weitergeführt werden. Auf Grund des hohen Aufpreises gehe ich davon aus, dass die noch ausstehende Zustimmung der übrigen Keurig-Aktionäre erreicht wird. Demnach sollte der Deal im ersten Quartal 2016 erfolgreich über die Bühne gehen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.