Megadeal: Seven & i Holdings will US-Tankstellenkette Speedway kaufen

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Die japanische Einzelhandelskette 7-Eleven will die US-Tankstellenkette Speedway übernehmen. Stolze 21 Mrd. Dollar müssen die Japaner für diesen Deal hinblättern. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Es scheint wieder Bewegung in das weltweite Übernahmegeschehen zu kommen. Nachdem ich Ihnen gestern den Megadeal von Siemens Healthineers präsentiert habe, kann ich Ihnen heute von einer weiteren Übernahme im zweistelligen Milliardenbereich berichten.

Die japanische Seven & i Holdings Co., Ltd., der Mutterkonzern der 7-Eleven-Einzelhandelskette, will die Tankstellenkette Speedway, die sich im Besitz des US-Kraftstoffkonzerns Marathon Petroleum Corporation befindet, übernehmen.

Dies gaben beide Unternehmen in separaten Pressemitteilungen bekannt. Für die etwa 3.900 Speedway-Tankstellen müssen die Japaner stolze 21 Mrd. US-Dollar (USD) – das sind 17,9 Mrd. Euro – in bar auf den Tisch legen.

Die Financial Times berichtete, dass die Übernahmeverhandlungen zwischen Seven & I und Marathon nach Ausbruch der Coronakrise Anfang März abgebrochen worden waren. Laut Insidern soll die Tankstellenkette damals noch mit 22 Mrd. USD bewertet worden sein.

Die beteiligten Unternehmen im Kurzporträt

Da beide am Deal beteiligten Konzerne nicht in Deutschland aktiv sind, möchte ich sie Ihnen kurz vorstellen. Die japanische Seven & i Holdings mit Firmensitz in Chiyoda/Tokio ist der Mutterkonzern der Einzelhandelskette 7-Eleven.

Die mehr als 69.000 7-Eleven-Geschäfte sind vor allem in Asien (etwa 56.000 Filialen) und Nordamerika (11.800 Filialen) ansässig. In Europa betreibt der Konzern etwa 479 Filialen in einigen skandinavischen Ländern.

Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die gut 140.000 Mitarbeiter der Seven & i Gruppe einen Umsatz von 96,26 Mrd. Euro. Unter dem Strich konnte das Unternehmen in 2019 einen operativen Gewinn von 3,3 Mrd. Euro erzielen.

Die Marathon Petroleum Corporation hat ihren Sitz in Findlay/Ohio und ist sowohl im Raffineriesektor als auch im Öltransport- bzw. Pipelinegeschäft tätig. Marathon betreibt unter der Marke Speedway etwa 3.900 Tankstellen mit angeschlossenen Lebensmittelgeschäften.

In 2019 erzielten die gut 40.000 Marathon-Mitarbeiter einen Umsatz von 123,95 Mrd. USD (105 Mrd. Euro). Der Netto-Gewinn belief sich im vergangenen Jahr auf 2,637 Mrd. USD (2,24 Mrd. Euro).

Japaner sehen Wachstumspotenzial in den USA

Die Seven & i Holdings hat vor allem im eigenen Land mit einer immer kleiner werdenden Nachfrage zu kämpfen. Das liegt vor allem an den stetig sinkenden Bevölkerungszahlen, einem langsamen Wirtschaftswachstum und einem harten Preiswettbewerb. Anders ist die Lage in den USA, wo es keinen dominanten Player im Einzelhandelsbereich gibt.

„Nach Abschluss der Transaktion wird 7-Eleven, Inc. über Geschäfte in 47 der 50 bevölkerungsreichsten Metropolregionen der USA verfügen und sich als klarer Branchenführer auf dem nordamerikanischen Convenience-Store-Markt etablieren, der ein beträchtliches Wachstumspotential aufweist“, so das Unternehmen in einer Mitteilung.

7-Eleven ist bereits mit knapp 12.000 Einzelhandelsgeschäften in Nordamerika vertreten.  Erst vor 3 Jahren haben die Japaner für 3,3 Mrd. USD über 1.100 US-Tankstellen nebst Geschäften von der texanischen Sunoco LP übernommen.

Marathon steht unter Druck

Marathon ist durch den Ölpreisverfall der letzten Monate immer tiefer in die Schuldenspirale geraten. Aktuell belasten den Erdölkonzern Schulden von über 30 Mrd. USD.

Darüber hinaus steht Marathon unter dem anhaltenden Druck des aktivistischen Investors Elliott Management, der eine umfassende Umstrukturierung des Konzerns sowie eine Abspaltung von Speedway verlangt.

Marathon hat diesen Wünschen nachgegeben und will sich zukünftig auf das Raffinerie- und Pipelinegeschäft konzentrieren. Versüßt wird der Verkauf von Speedway durch einen parallel abgeschlossenen Liefervertrag. Marathon wird für weitere 15 Jahren seine jetzt verkauften Tankstellen mit Treibstoffen beliefern können.

Kurse ziehen an

Die Aktien der Seven & i Holdings verloren am frühen Montag in Tokio zunächst an Boden, gewannen die Verluste bis zum Börsenschluss jedoch wieder zurück. Am heutigen Dienstag legten die Papiere deutlich zu und stiegen um +8,9% an.

Aufgrund der frühen Verluste kann davon ausgegangen werden, dass einige Investoren der Meinung waren, 7-Eleven habe zu viel für den Kauf der US-Tankstellen gezahlt. Diese Auffassung änderte sich jedoch im Tagesverlauf und setzte sich heute in Form einer deutlich gesteigerten Nachfrage nach 7-Eleven-Aktien fort.

Der Kurs der Marathon-Papiere stieg im vorbörslichen Handel an der New Yorker Börse um +9%. Im Tagesverlauf lies die Nachfrage jedoch deutlich nach und die Aktien gingen mit einem kleinen Plus von +0,44% aus dem Handel. Die anfängliche Euphorie der Anleger über den erfolgreichen Verkauf der Speedway-Kette ist also schnell wieder verpufft.

Wie es weitergeht

Beide Unternehmen gehen davon aus, dass der Deal im ersten Quartal 2021 abgeschlossen werden wird. Vorher müssen noch die Aktionäre und Aufsichtsbehörden der Transaktion zustimmen.

Marathon rechnet damit, dass der Verkauf Einnahmen in Höhe von etwa 16,5 Mrd. Dollar netto einbringen wird. Diese Erlöse sollen zur Schuldentilgung und für Dividendenzahlungen verwenden werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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