Megafusion auf dem Automarkt: Peugeot und FiatChrysler wollen fusionieren

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In der Automobilindustrie bahnt sich eine Megafusion an. Der französische PSA-Konzern und Fiat Chrysler wollen gemeinsame Sache machen. (Foto: r.classen / shutterstock.com)

Kurz vor dem langen Wochenende ging die Nachricht über eine mögliche Megafusion durch die Presse: Die international aufgestellten Autokonzerne Peugeot Société Anonyme (PSA) und Fiat Chrysler Automobiles N.V. (FiatChrysler) haben Gespräche über eine mögliche Fusion aufgenommen. Da Informationen über eine solche Megafusion nicht im Übernahme-Sensor fehlen dürfen, möchte ich heute für Sie den aktuellen Stand der Dinge zusammenfassen.

Ursprünglich waren es nur Gerüchte, aber am frühen Donnerstagmorgen bestätigten PSA und FiatChrysler in einer gemeinsamen Presseerklärung, dass sie offizielle Verhandlungen über eine Fusion unter Gleichen führen. Durch den Zusammenschluss würde – gemessen an der jährlichen Autoproduktion – der viertgrößte Automobilproduzent der Welt mit einem Gesamtumsatz von fast 170 Mrd. EUR entstehen.

Autobranche steht unter Druck

Die Automärkte kriseln schon seit Jahren: Der Absatz an Pkw ist in den USA und Europa schon seit Jahren stagnierend und auch die Absatzzahlen in China gehen aktuell sogar zurück. So wurden im ersten Halbjahr 2019 in China nur 9,9 Millionen Pkw verkauft, ein deutliches Minus von -14%.

Der Dieselskandal und die schwierige Umstellung auf Elektroantriebe belasten die Autobranche zusätzlich. Kein Wunder, dass Unternehmen wie FiatChrysler und PSA in einer Fusion die mögliche Lösung ihrer Probleme sehen.

Vorteile einer Fusion

Beide Konzerne rechnen mit deutlichen Synergieeffekten: Durch den Zusammenschluss von PSA und FiatChrysler sollen jährlich Einsparpotentiale von rund 3,7 Mrd. EUR entstehen. Diese ergeben sich vor allem aus einer effizienteren Allokation von Ressourcen für Großinvestitionen in Fahrzeugplattformen, Antriebsstrang und Technologie sowie aus der verbesserten Einkaufskompetenz des neu entstehenden Unternehmens.

FiatChrysler würde durch eine Fusion mit PSA insbesondere von den fortschrittlichen E-Antriebstechnologien des französischen Autokonzerns profitieren. Das ist auch dringend notwendig, denn FiatChrysler hat bisher auf große Investitionen im Bereich der E-Mobilität verzichtet.

Auch für PSA würde ein Zusammenschluss mit FiatChrysler große Vorteile bringen. Durch die Fusion würde PSA einen besseren Zugang zum wichtigen US-Markt bekommen. Hier besitzt FiatChrysler ein gut ausgebautes Vertriebsnetz.

Fusion unter Gleichen

Geplant ist eine Fusion unter Gleichen, d.h. die Aktionäre beider Konzerne würden jeweils 50% des Eigenkapitals der neu zusammengeschlossenen Gruppe halten und somit zu gleichen Teilen an den Vorteilen aus dem Zusammenschluss beteiligt sein. Auch die Besetzung des neuen Vorstandes würde mit je fünf Mitgliedern paritätisch erfolgen. Chief Executive Officer des Fusionsunternehmens soll der bisherige PSA-CEO, Carlos Tavares, werden.

Die Muttergesellschaft des neuen Konzerns wird ihren Sitz in den Niederlanden haben. Das operative Geschäft wird weiterhin an den derzeitigen Standorten in Frankreich, Italien und den USA ausgeführt werden.

Börsen reagieren uneinheitlich

Am vergangenen Donnerstag, dem Tag der Bestätigung der Fusionsgespräche, reagierten die Investoren sehr unterschiedlich. Die Aktie von FiatChrysler legte kräftig zu und stieg um +8% an. Die PSA-Papiere verloren hingegen deutlich um -11%.

Investoren sehen die Vorteile einer Fusion also eindeutig bei FiatChrysler. Die Italoamerikaner könnten nach dem Zusammenschluss vom PSA-Know-how im Zukunftsmarkt der E-Mobilität profitieren.

Wie es weitergeht

An der möglichen Fusion wirken eine „Menge Köche“ mit. Das diese den „Brei verderben“ können, hat sich bereits im Frühjahr dieses Jahres bei den Übernahmeverhandlungen zwischen FiatChrysler und Renault gezeigt. Hier hat die französische Regierung, die mit 15% der größte Einzelaktionär bei Renault ist, die Fusionsträume platzen lassen.

Der französische Wirtschaftsminister Le Maire begrüßte aber die neuen Fusionspläne: „Das ist eine gute Nachricht für die französische Industrie, das ist eine gute Nachricht für die europäische Industrie“. Für Le Maire ist insbesondere die Erhaltung der französischen Standorte von großer Bedeutung. Ähnlich argumentiert auch der italienische Ministerpräsident Conte: „Ich kann das Abkommen nicht beurteilen, aber was der Regierung am Herzen liegt ist, dass das Produktions- und Beschäftigungsniveau in Italien gesichert ist.“

Der Berater des US-Präsidenten, Larry Kudlow, erklärte am Freitag, dass die Amerikaner sich die mögliche Fusion „sehr, sehr genau ansehen“ wollen. Problematisch für die Amerikaner ist insbesondere die Rolle des chinesischen Autobauers Dongfeng, der 12,2% der Aktien und 19,5% der Stimmrechte am PSA-Konzern hält.

Wie auch immer die Verhandlungen ausgehen werden, ich werde Sie über den weiteren Verlauf der Fusionsgespräche auf dem Laufenden halten.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.