Megafusion wirbelt Cannabisbranche durcheinander

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Megafusion rüttelt Cannabisbranche durcheinander: Tilray und Aphria planen Zusammenschluss und schaffen neues Schwergewicht im Marihuana-Markt (Foto: Matej Kastelic / Shutterstock.com)

Es ist eine Fusion der Superlative und die Nachricht schlug am Aktienmarkt ein wie eine Bombe. Die beiden Cannabis-Schwergewichte Tilray und Aphria wollen sich zusammenschließen. Die Transaktion wirbelt die noch junge Cannabisbranche ordentlich durcheinander und führt zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse. Nach dem Zusammenschluss liegt der Wert des Eigenkapitals bei 4,8 Milliarden kanadischen Dollar (rd. 3,1 Milliarden Euro). Damit überholen die beiden Firmen den aktuellen Marktführer Canopy Growth.

Blockbuster Fusion im Marihuana-Sektor

Die Fusion soll als reiner Aktienzusammenschluss erfolgen. Aphria mit Sitz in Leamington bietet den Tilray-Aktionären laut der Vereinbarung einen Aufschlag von 23% auf den Schlusskurs vom Dienstag und damit rund 9,68 Dollar je Aktie, wie die Unternehmen am Mittwoch mitteilten. Nach Abschluss der Transaktion sollen die bisherigen Aphria-Aktionäre 62% der Anteile an der Gesellschaft halten. Zusammen kommen beide Firmen auf einen Börsenwert von rund 4,8 Milliarden kanadischen Dollar.

Neuer Marktführer entsteht

Durch den Zusammenschluss entsteht ein neues Schwergewicht. Beide Firmen kommen auf einen gemeinsamen Umsatz von 685 Millionen Dollar. Bezogen auf den Umsatz würde sich der fusionierte Konzern deutlich vor die aktuelle Nummer Eins, Canopy Growth, schieben. Zum Vergleich: Im letzten Geschäftsjahr kam Canopy Growth auf einen Jahresumsatz von 440 Millionen Dollar. Das Unternehmen soll nach dem Deal unter dem Namen Tilray fortgeführt werden, Aphria-Vorstandschef Irwin Simon soll das Ruder übernehmen.

Tilray und Aphria –Spezialisten für medizinisches Cannabis

Die beiden Firmen gehören schon jetzt zu den größten Anbietern für medizinisches Cannabis und haben sich ein Produktions- und Vertriebsnetz auch in Europa, darunter in Deutschland und Portugal, aufgebaut. Aphria verfügt über seine deutsche Tochter über eine behördliche Anbau- und Verarbeitungsgenehmigung von medizinischem Cannabis auf deutschem Boden. Tilray bietet in Deutschland unter anderem bereits Cannabis-Extrakte zur Behandlung von Patienten an.

Internationale Expansion im Fokus

Aphria-Firmenboss Irwin Simon begründet die Entscheidung zum Zusammenschluss mit dem Fokus auf dem Ausbau der internationalen Aktivitäten. Aphria erwirtschaftet immer noch einen Großteil der Erlöse in Kanada. Da kommt das starke Standbein von Tilray gerade recht. Der Konzern ist nicht nur in Europa aktiv, sondern verfügt auch über eine Präsenz in Australien, Neuseeland und Lateinamerika.

Neben dem Ausbau der medizinischen Produkte wollen beide Firmen gemeinsam auch ihr Geschäft auf dem Markt mit anderen Produkte, die Cannabis-Inhaltsstoffe enthalten (bspw. Kosmetik oder Getränke) forcieren.

Konsolidierungsdruck ist hoch

Dabei dürfte der Zusammenschluss aber nicht nur weitere Wachstumspläne als Hintergrund haben. Der Konsolidierungsdruck im Mariuhana-Sektor hat zuletzt nämlich deutlich zugenommen. Die Goldgräberstimmung, die noch vor ein paar Jahren im Hanfmarkt herrschte, hat sich spürbar abgekühlt. Zwar wachsen die Firmen weiterhin mitunter kräftig, aber von der Gewinnzone sind die Cannabis-Firmen in der Regel noch Lichtjahre entfernt. So auch Tilray und Aphria: Zwar kletterten die Tilray-Umsätze von 2016 bis 2019 von 12,6 auf 167 Millionen Dollar in die Höhe, gleichzeitig schnellte aber auch der Verlust rasant 7,9 auf 321,2 Millionen Dollar nach oben.

Aphria der Senior Partner

Der Fusionspartner Aphria kam im abgelaufenen Geschäftsjahr immerhin auf einen Jahresumsatz von 543 Millionen kanadische Dollar (umgerechnet rd. 426 Millionen Dollar). Allerdings stand auch dort ein Jahresverlust von 84,6 Millionen kanadische Dollar (umgerechnet rd. 66,41 Millionen Dollar) in den Büchern. Mit zunehmender Größe setzen beide Firmen auch auf Synergieeffekte: Innerhalb von zwei Jahren sollen Einsparungen in der Größenordnung von 100 Millionen kanadische Dollar pro Jahr erreicht werden.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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