Mehr als 2 Jahre lang kostenlos Auto fahren

Das deutsche Aktieninstitut tritt für funktionierende Kapitalmärkte ein. Das heißt:

Aktiengesellschaften sollen möglichst problemlos an Kapital gelangen, das sie zur Finanzierung unternehmerischer Vorhaben benötigen. Das kann natürlich nur gelingen, wenn Anleger, privat und professionell, dafür ihr Kapital zur Verfügung stellen.

Wenn beide Seiten für Ihren Einsatz eine ausreichende Entlohnung erhalten – die Unternehmen eine Gewinnmarge, die Anleger eine Verzinsung – dann ist allen Beteiligten geholfen. Soweit das Idealbild.

Aktienkultur in Deutschland ein Fremdwort

Tatsache ist jedoch, dass sich in diesem Jahrtausend tendenziell immer weniger Privatanleger am Aktienmarkt engagieren. Der Aktienkultur in Deutschland ist dies selbstredend wenig zuträglich.

Das Deutsche Aktieninstitut weist in ihren jährlichen Untersuchungen regelmäßig darauf hin. Soeben ist der Bericht für das Jahr 2014 vorgelegt worden. Und wieder einmal mit einem niederschmetternden Ergebnis:

Eine halbe Million Menschen haben sich im vergangenen Jahr von ihrem Aktienbesitz oder gehaltenen Investmentfonds-Anteilen getrennt. Somit sind derzeit nur noch 13,1% der deutschen Bevölkerung in Aktien investiert.

Aktien-Verweigerer schädigen sich selbst

Das Schlimme daran ist: Mit ihrer Enthaltsamkeit schädigen sich die Aktien-Verweigerer selbst. Und das spätestens seit 2008 in zunehmendem Maße, wie ich Ihnen gleich demonstrieren werde.

Doch hören wir zunächst einmal, was das Deutsche Aktieninstitut zu dieser Thematik sagt:

„Hätten die Deutschen seit 2001 nur jeden vierten Euro, den sie Jahr für Jahr bei Banken und Sparkassen neu als Tagesgeld, Termingeld oder andere Einlagen sparen, in Aktien angelegt, wäre das Geldvermögen heute grob geschätzte 106 Milliarden Euro höher. Pro Haushalt entspräche dies immerhin einem Vermögenseffekt von über 2.600 Euro.

Dieser Effekt wäre noch größer, wenn man eine stärkere Umschichtung aus neuen Bankeinlagen in die Aktie annimmt. Je nach Szenario könnten deutsche Haushalte von dem zusätzlichen Vermögen zwei bis drei Jahre lang ihre Benzinrechnungen begleichen.“

Die Probe aufs Exempel

Prüfen wir das doch einmal durch ein einfaches Beispiel nach. Nehmen wir einmal an, Sie hätten am 29. Dezember 2000 ein Wertpapier gekauft, das den DAX 30 eins zu eins nachbildet, beispielsweise einen ETF (Exchange Traded Fund).

(Hinweis: Mir ist bewusst, dass dieses Beispiel fiktiv ist, da es ETFs noch nicht so lange gibt. Jedoch geht es hier ausschließlich um die Performance des deutschen Leitindex.)

Der DAX 30 ist hierfür besonders geeignet, da er nicht nur den reinen Kursverlauf der 30 in ihm enthaltenen Aktiengesellschaften nachvollzieht, sondern auch die zwischenzeitlichen Erträge aus Kapitalmaßnahmen kumuliert, beispielsweise vereinnahmte Dividendenzahlungen.

An jenem Tag pendelte der DAX 30 zwischen 6.364 und 6.469 Punkten. Unterstellen wir also, dass Sie den DAX zum mittleren Tagespreis, mithin für 6.416 Euro erworben hätten.

Stand 31. Dezember 2014 notierte der DAX 30 bei 9.927 Punkten. Das entspricht einem Wertzuwachs von 3.511 Euro. Klingt sehr ordentlich, doch umgerechnet auf den Zeitraum von 14 Jahren errechnet sich eine jährliche Rendite von 3,415%, wie die nachfolgende Tabelle belegt.

jährliche dax 30-rendite von 2001 bis 2015-12-02-2015

Jährliche DAX 30-Rendite von 2001 bis 2015

Ich habe spaßeshalber das Jahr 2015 noch mit abgebildet, obwohl dieses ja noch weitgehend vor uns liegt. Auf diese Weise können Sie indes erkennen, dass der DAX 30 seit dem Jahresende schon weit mehr als die jährliche Rendite für Sie erwirtschaftet hätte (Schlussstand gestern: 10.752).

Aktuell: 10,7mal mehr Rendite am Aktienmarkt

3,415% Rendite pro Jahr klingt für Sie mickrig?

Der nachfolgende Chart demonstriert Ihnen, dass Sie in diesem Zeitraum nur in 19 (von insgesamt 168) Monaten mehr als 4,65% Rendite mit einem Investment in deutsche Staatsanleihen erzielen konnten.

vergleich dax 30 und rendite 10-jähriger deutscher staatsanleihen 2001 bis 2014-12-02-2015

Vergleich Jahresrendite DAX 30-Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen von 2001 bis 2014

Wohlgemerkt: Wir vergleichen hier mit einer Anlage, die Ihnen aufgrund der langen Laufzeit die höchste Rendite erbracht hätte. Mit Sparguthaben, Fest- oder Termingeldern hätten Sie auf jeden Fall weniger Verzinsung erhalten.

Sie sehen aber auch: Spätestens seit dem Jahr 2008 (mithin in 73 von 168 Monaten) erzielten Sie am Aktienmarkt definitiv eine höhere Rendite. Aktuell ist diese gar 10,7mal so hoch wie die, die Sie mit besagten Staatsanleihen (0,32% p.a.) erzielen können!

Da fahren Sie in den kommenden Jahren mit Aktien-Investments gewiss noch viel länger kostenfrei Auto, als die vom Deutschen Aktieninstitut errechneten 2 Jahre.

12. Februar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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