Mehr Wirtschaftswachstum für Algerien durch Verlegung des Wochenendes

Bis zu diesem Jahr waren in der früheren französischen Kolonie ebenfalls Samstag und Sonntag als arbeitsfreie Tage vorgesehen. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Einen ungewöhnlichen Ansatz, das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts anzuregen, hat Algerien gewählt:

In dem 32 Millionen Einwohner zählenden Land wird das Wochenende um einen Tag verlegt, um den Wochenverlauf besser mit den wirtschaftlich weitaus stärkeren Ländern im Westen zu synchronisieren.

Seit 1976 findet das Wochenende in Algerien am Donnerstag und Freitag statt, sodass sich Algerien und die westliche Wirtschaftswelt nur drei Werktage miteinander teilen.

Mehr Wachstum und effizienterer Handel mit dem Westen

Europäer sind es gewohnt, dass am Samstag und Sonntag Wochenende ist und allenfalls notorische Workaholics können an diesen beiden Tagen ihre Finger nicht von der Arbeit lassen.

In Algerien ist dies jedoch seit 1976 anders geregelt:

Bis zu diesem Jahr waren in der früheren französischen Kolonie ebenfalls Samstag und Sonntag als arbeitsfreie Tage vorgesehen.

Als ein Zugeständnis an die islamische Bevölkerung des Landes wurde das Wochenende jedoch auf Donnerstag und Freitag verlegt, da am Freitag der islamische Gebetstag stattfindet.

Ab dem 14. August 2009 soll das Wochenende in Algerien jedoch am Freitag und Samstag stattfinden, um die Zahl der Werktage und somit die Zahl der Tage, an denen Handel mit der westlichen Welt getrieben werden kann, zu erhöhen.

Dies hat die algerische Regierung am heutigen Mittwoch entschieden. Der Freitag als Gebetstag wird allerdings allen wirtschaftlichen Bestrebungen zum Trotz auch weiterhin frei bleiben.

Die algerische Regierung erhofft sich von dieser Entscheidung mehr Wachstum und einen effizienteren Handel mit dem Westen, da statt der bislang drei gemeinsamen Werktage am Mitte August 2009 künftig vier Werktage mit den westlichen Industrienationen geteilt werden.

Mehrere Konzerne hatten bereits in den letzten Jahren damit begonnen, den Donnerstag als Arbeitstag zu nutzen, darunter Siemens und das indische Stahlunternehmen Arcelor Mittal Steel.

Weltbank: Steigerung des Bruttoinlandprodukts um 1,2 %

Berechnungen der Weltbank zufolge hat Algerien durch diese Regelung seit 1976 jährlich eine Summe von 500 bis 700 Millionen Dollar verloren.

Laut Ansicht der Finanzexperten der Weltbank könnte eine Anpassung des Wochenendes an westliche Verhältnisse dazu führen, dass das Bruttoinlandsprodukt von Algerien um 1,2 Prozent wächst.

Das nominale Bruttoinlandsprodukt von Algerien lag 2007 bei 131,57 Milliarden Dollar.

Während in Saudi-Arabien Donnerstag und Freitag weiterhin als Wochenende gelten, findet das Wochenende in Tunesien sowie Marokko das Wochenende am Samstag und Sonntag statt.

Auch Kuwait hat Anfang September 2007 entschieden, das Wochenende dem westlichen Rhythmus anzunähern und verlegte es von Donnerstag/Freitag auf Freitag/Samstag.

Bereits zuvor hatten sich Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate ebenfalls zu diesem Wochenend-Rhythmus entschieden.

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Tino Hahn
Von: Tino Hahn.