2020: Endlich das Ende der Null-Zins-Politik der EZB?

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Die Nullzins-Politik der EZB trägt viele faule Früchte. Mein Appell daher: Die Null-Zins-Politik muss beendet werden! (Foto: Alexandros Michailidis / shutterstock.com)

Mein Wunsch für das neue Jahr: Die elende Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) muss endlich beendet werden. Doch der Reihe nach: Ende November des vergangenen Jahres lautete die Überschrift auf Seite 1 der Börsen-Zeitung: EZB kritisiert Risikofreude der Assetmanager. Was ist der Hintergrund dieser Aussage? Die Europäische Zentralbank hat das Anlageverhalten der Assetmanager (schwerpunktmäßig Fonds, aber auch Versicherungen, Pensionsfonds und andere Großanleger außerhalb des Bankensektors) untersucht.

Risikofreude der Assetmanager deutlich gestiegen

Das Ergebnis: Die Risikofreude der Assetmanager hat in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Knapp ein Drittel der Geldanlagen wurde in Zinspapiere mit dem Rating BBB investiert. BBB ist das niedrigste Rating, das noch als solide gilt (in der Fachsprache: Investment-Grade-Sektor).

Rund 15% der Gelder wurden in Zinspapiere mit dem Rating B oder BB investiert, sind also noch spekulativer angelegt worden. Luis de Guindos, EZB-Vizepräsident, kommt zu dem Ergebnis: Während das Niedrigzinsumfeld die Konjunktur unterstützt, stellen wir zugleich eine Zunahme der Risikofreude fest, welche auf mittlere Sicht Herausforderungen für die Finanzstabilität schaffen könnte.

Daher fordert die EZB, dass die betroffenen Finanzinstitute höhere Kapitalpuffer als Risikovorsorge aufbauen sollen. Dazu kann ich nur sagen: Dreister geht es kaum! Wer ist denn dafür verantwortlich, dass die großen und auch die kleinen Investoren stärker ins Risiko gehen müssen? Das sind die Notenbanken mit ihrer Niedrigzins-Politik (z.B. die Fed in den USA) oder sogar mit einer Null-Zins-Politik (z.B. die EZB in Europa).

Kritik der EZB ist eine Frechheit!

Dadurch, dass die Notenbanken die Zinsen so weit nach unten drücken und gleichzeitig im großen Stil Anleihen kaufen, fallen die Zins-Renditen immer weiter in den Keller. Zur Zeit weisen Anleihen im Wert von rund 17 Billionen US-Dollar sogar eine negative Rendite auf.

Versicherungen und Pensionsfonds sind aber zwingend auf eine positive Gesamtrendite angewiesen, da sie ihren Kunden eine ansprechende Rendite bieten müssen (wenn es einen Garantiezins etc. gibt) oder wollen.

Zusätzlich müssen die Geldverwalter auch noch die eigenen Kosten abdecken. Die logische Konsequenz: Wenn große Teile des Anleihevermögens negative Zinsen abwerfen, muss der restliche Teil möglichst hohe Renditen erwirtschaften. Und das geht in diesem Zinsumfeld nur, wenn man Zocker-Papiere kauft.

Das bedeutet im Klartext: Die Zinspolitik der Notenbanken treibt immer mehr Anleger in Risiko-Papiere. Wenn jetzt ausgerechnet die EZB die Fonds und andere Großanleger für ihre Risikofreude kritisiert, ist das eine Frechheit.

Mein Appell: Liebe EZB, erhöhe den Leitzins in den kommenden 2 Jahren schrittweise auf 2 bis 3%, dann werden weniger Zocker-Papiere gekauft. Leben und leben lassen! Die elende Null-Zins-Politik muss beendet werden!

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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