Meine aktuelle Einschätzung zum Euro / USD

Für viele Marktteilnehmer ist schon klar: Der Euro bleibt stark. – Das sieht unser Börsen-Experte Andreas Sommer etwas differenzierter. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Er ist nur der „kleine Bruder“ vom ISM Einkaufsmanager-Index: der Einkaufsmanager-Index von Chicago.

Aber er lieferte am Freitag eine faustdicke Überraschung!

Dieses von der National Association of Purchasing Management (Nationale Gesellschaft für Einkaufsmanagement) in Chicago veröffentlichte Barometer wird als Indikator für die US-Konjunktur angesehen.

Zur Ermittlung werden monatlich 200 für den Einkauf verantwortliche Manager aus dem verarbeitenden Gewerbe aus dem Großraum Chicago befragt.

Zum Vergleich: Beim ISM Einkaufsmanageri-Index (Institute of Supply Management) werden landesweit die Einschätzungen von 400 Managern eingeholt.

Beide Indizes verlaufen indes in aller Regel sehr ähnlich.

Und für beide gilt: Ein Index-Stand über 50 gilt als Zeichen für eine wachsende US-Wirtschaft. Werte unter 50 signalisieren ein Schrumpfen der Konjunktur.

Gutes Vorzeichen für die Quartalsberichts-Saison

Im Juni kletterte der „kleine Bruder“ von 59,4 auf 65,7. Das ist der höchste Stand, der seit Oktober 2014 (66,2) erreicht wurde.

Ende 2015 war mit 42,9 der niedrigste Wert seit 2009 (31,4) ermittelt worden.

Wie die aktuelle Messung zu werten ist, zeigt ein anderer Vergleich: Das Hoch der vergangenen 32 Jahre wurde im Februar 2011 mit 71,2 gemessen!

Das lässt für die anstehende Quartalsberichts-Saison schon einmal Gutes erwarten:

Am 19. Juli läutet traditionsgemäß der Aluminium-Konzern Alcoa die Berichterstattung der US-Unternehmen ein.

Ich werde Sie hier in Chartanalyse-Trends in der kommenden Woche mit ersten Einschätzungen auf das Thema einstimmen!

Schwacher Dollar stärkt US-Exporte

Soviel vorab:

Diese feine Entwicklung des Chicagoer Einkaufsmanager-Index lässt nach dem tollen 1. Quartal schon mal eine erneute und deutliche Gewinnsteigerung der US-Aktiengesellschaften erwarten.

Die Meinung der Einkaufsmanager dürfte auch eine andere Entwicklung positiv beeinflusst haben:

Euro erreicht Allzeithoch nicht wiederBis 2008 befand sich der Euro in einem Aufwärtstrend. Mit der Finanzkrise änderte sich dies schlagartig. Wann wird sich der Euro aus dem Abwärtstrend-Kanal wieder befreien können? › mehr lesen

Denn die US-Konzerne profitierten, exporttechnisch gesehen, nicht zu knapp von dem – übrigens auch gegenüber anderen Währungen – schwachen US-Dollar.

Wir schauen ja zumeist auf das Devisenpaar Euro / USD. Und das werden wir jetzt auch wieder gemeinsam tun:

euro-usd-chart 1_04-07-2017

Euro / USD: Wieder einmal vor 1,1470 gescheitert

Abgeblitzt! Schon wieder!

Diesen Tages-Chart kennen Sie vermutlich schon aus früheren Chartanalyse-Trends-Beiträgen. Es ist unschwer zu erkennen:

Seit Anfang 2015, also seit inzwischen 30 Monaten, pendelt der Euro / USD zwischen grob 1,0500 und 1,1500.

Nach den – laut EZB (Europäische Zentralbank) „falsch interpretierten“ – Äußerungen von Notenbank-Chef Mario Draghi vor 1 Woche hatte sich der Euro auf ein neues Jahreshoch von 1,1440 aufgeschwungen.

Eine Übertreibung, wie der Chart sichtbar macht (blauer Kreis): Das Währungs-Paar war aus dem Aufwärtstrend-Kanal nach oben ausgebüxt.

Und wie schon in mind. 10 weiteren Fällen scheiterte auch diesmal der Versuch die Marke von 1,1470 zu überwinden.

Lassen Sie sich übrigens nicht sonderlich davon beeindrucken, dass der Abwärtstrend seit Mai 2014 durchbrochen ist:

Der folgende Monats-Chart ordnet die Langfrist-Trends richtig ein:

euro-usd-chart 2_04-07-2017
 

Euro seit dem Jahr 2008 gegenüber dem USD im Abwärtstrend

Der Euro bewegt sich bereits dem Jahr 2008 in einem langfristigen Abwärtstrend.

Um den zu Jahresbeginn initiierten Aufwärtstrend fortzusetzen, muss der massive Widerstand bei etwa 1,1650 nachhaltig überboten werden.

Das dürfte nicht so einfach werden…


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.