Meine Einschätzung zu Wirecard

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Die Wirecard-Aktie springt weiterhin wild hin und her. Angesichts der extremen Kursschwankungen sind die Risiken kaum kalkulierbar. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Wie ich Ihnen im Wochenausblick gestern bereits geschrieben habe, war ich am Wochenende auf der Invest in Stuttgart. In zahlreichen Gesprächen bei unserem Lesertreffen und am GeVestor-Stand konnte ich feststellen: Ein Thema, das die Gemüter der Anleger derzeit ganz besonders bewegt, ist Wirecard.

Viele deutsche Anleger sind bei Wirecard investiert

Ganz offensichtlich ist die Wirecard-Aktie in den Depots vieler deutscher Anleger vertreten. Kein Wunder, zählt der Fintech-Pionier doch zu den größten deutschen Highflyern der vergangenen Jahre. Auch im Börsenjahr 2018 entwickelte sich der Kurs lange Zeit sehr positiv.

Der Höhepunkt war der Aufstieg in den DAX. Im September ersetzte die Wirecard-Aktie im deutschen Leitindex das Gründungsmitglied Commerzbank. Spätestens da wurden sehr viele deutsche Anleger, die sich bis dahin noch nicht mit dem TecDAX-Schwergewicht beschäftigt hatten, auf Wirecard aufmerksam.

Einer Umfrage des Online-Brokers Comdirect zufolge zählte der DAX-Neuling bereits vor dem Jahreswechsel zu den zehn Aktien, in die die Deutschen das meiste Geld investiert haben. Abgesehen von Apple und Amazon sind dort übrigens ausschließlich deutsche Firmen vertreten. Gerade deutsche Anleger investieren vorwiegend in heimische Papiere, was nicht immer ein Vorteil ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Kursrutsch ist noch nicht ausgestanden

Kommen wir zurück zu Wirecard. Auf der Invest wie auch auf dem Börsentag in München haben mich viele Anleger nach meiner Einschätzung gefragt. Den Lesern meines Ranglisten Investor riet ich bereits Mitte November zum Ausstieg. Bis dahin war die Aktie im deutschen Depot meines Börsendienstes vertreten und wurde dann mit einem Gewinn von rund 48% verkauft.

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Wirecard: Short-Seller haben derzeit schlechte KartenIm Februar 2016 tauchte eine Studie auf, in der für die Aktie des deutschen TecDax-Unternehmens Wirecard ein Kursziel von 0 € angegeben wurde. Die Wirecard-Aktie verlor daraufhin an einem einzigen… › mehr lesen

Zu diesem Zeitpunkt gab mir mein Ranglisten-System das Signal zum Ausstieg. In der Folge rutschte der Kurs zeitweise um mehr als 40% bis auf ein Tief bei 86 Euro ab. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung bis auf über 136 Euro fiel der Kurs abermals zurück, um zuletzt zumindest wieder die runde 100-Euro-Marke zurückzuerobern.

Kursausschläge bleiben extrem hoch

Aktuell würde ich von der Aktie die Finger lassen. Ob an den Vorwürfen der Bilanzmanipulation etwas dran ist, kann niemand mit Sicherheit sagen. Eines ist jedenfalls klar: Das Geschäftsmodell von Wirecard ist – gelinde gesagt – wenig transparent. Und eben das macht das Unternehmen angreifbar.

Der Grund, warum ich bei Wirecard derzeit nicht einsteigen würde, ist aber vor allem in der Charttechnik begründet. Aktuell notiert der Kurs mehr als 25% unter der 200-Tage-Linie, die inzwischen nach unten gedreht hat. Zudem sind die Kursschwankungen nach wie vor extrem hoch. Vom Allzeithoch im September rutschte die Aktie bis Februar um 57% ab. Auf eine zwischenzeitliche Erholung um 59% folgte ein erneuter Rückgang um 32% – in gerade einmal zwei Wochen.

Sollten sich die Vorwürfe irgendwann in Luft auflösen, besteht natürlich die Chance auf eine kräftige Erholung. Solange sich nach dem Kursrutsch keine nachhaltige Bodenbildung abzeichnet und die Schwankungen derart hoch sind, ist mir persönlich das Risiko bei Wirecard aber viel zu groß. Ich investiere lieber in Aktien, die einen stabilen Aufwärtstrend aufweisen.


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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.