Merck-Aktie nach Deal-Genehmigung im Aufwind

Es war eine gute Börsenwoche. Nach einem verhaltenen Wochenauftakt schalteten die deutschen Indizes dank der Aussicht auf zusätzliche Liquidität in den Rally-Modus. Der Leitindex DAX kann heute um starke 3% zulegen.

Mit 10.800 Punkten sind die Griechenland-Krise im Frühjahr des Jahres und der Sommerabsturz im August/September schon wieder vergessen. So ist das aber, wenn Geld immer schneller hin- und hergeschichtet werden kann: Dann gibt es nur noch schwarz oder weiß.

Trotz starker Halbjahreszahlen: Merck-Aktie gibt Gewinne zum Großteil wieder ab

Viele Privatanleger haben die Achterbahnfahrt an der Börse mitgemacht und gesehen, dass selbst ohne kursrelevante Meldungen die Aktienpreise kräftig schwankten – egal ob Nebenwert oder Index-Schwergewicht.

Ebenfalls eine Achterbahnfahrt hat die Merck-Aktie hinter sich. Schaffte das Papier in kurzer Zeit einen Anstieg von 60%, ging dem Kurs danach die Puste aus. Im Sommer war der komplette Gewinn fast wieder futsch – obwohl die Zahlen stark waren.

Verzögerter Deal-Abschluss ursächlich für schwache Performance?

Ein möglicher Grund für den Kursverlust kann die 17 Mrd. Dollar-Übernahme von Sigma-Aldrich sein. Der Zukauf des Laborausrüsters wurde zwar von den Analysten mehrheitlich begrüßt, doch was strategisch sinnvoll ist, muss nicht immer reibungslos funktionieren.

Vielleicht wollten einige Investoren nicht abwarten, bis sich herausstellt, wie gut der Deal ist. Zumal auch der endgültige Deal-Abschluss etwas länger auf sich warten lässt, als gedacht. Angepeilt war zunächst das dritte Quartal, jetzt soll es im November soweit sein.

Um die Siegma-Aldrich-Übernahme unter Dach und Fach zu bringen, muss Merck noch Teile des Europa-Geschäfts mit anorganischen Stoffen und Lösungsmitteln veräußern. Vorgestern teilte der Pharma- und Chemie-Konzern mit, dass man die zur Freigabe notwendigen Teile an den US-Mischkonzern Honeywell verkaufen wird.

Doch ob die Aussicht auf Dealabschluss jetzt die Investoren angelockt hat? Eher nicht. Wahrscheinlich wurde von einigen Investoren angenommen, dass die Aktie vielleicht zu hart abgestraft wurde.

Merck-Aktie in Sippenhaft?

Weltweit standen Pharmatitel zuletzt unter Druck. In Amerika droht unter Umständen eine Regulierung der Pharma-Branche – vielleicht mit Preisobergrenzen bei einzelnen Medikamenten. Das ist allerdings noch sehr vage und dürfte die deutsche Merck nicht sonderlich hart treffen.

Es ist dennoch gut möglich, dass die Aktie mit den anderen Pharma-Titeln über einen Kamm geschoren wurde und deshalb unter Druck stand. Jetzt vor den Quartalszahlen wird dann genauer geschaut auf die Branche und überlegt, bei wem die Rückgänge zu stark ausgefallen sein könnten. Merck wäre dafür ein Kandidat.

Geht es nach den Analysten der DZ-Bank, können Sie bei der Merck-Aktie noch vor den Zahlen zugreifen. Analyst Peter Spengler erwartet ein solides Ergebnis – und verweist auch auf positive operative Gewinnbeiträge durch die Sigma-Aldrich-Übernahme. Wenn der Markt dann nicht mehr schwarz – sondern weiß sieht, kann es mit der Aktie schnell weiter aufwärts gehen.

23. Oktober 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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