Merck-Investoren feiern Milliarden-Übernahme

Der Darmstädter Chemie- und Pharma-Konzern Merck stärkt mit der Übernahme von AZ Electronic Materials sein Geschäft mit Flüssigkristallen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Am Aktienmarkt ging heute die jüngste Korrektur weiter. Bereits den dritten Handelstag in Folge gibt das Börsenbarometer ab und schließt mit 9.084 Punkten. Während bei vielen Kursen rote Vorzeichen standen, ist bei dem Darmstädter Chemie- und Pharma-Konzern Merck ein saftiges grün zu finden. Die Aktie legt heute gegen den Markt um fast 5% auf 130,50 Euro zu. Dies ist gleichzeitig der höchste Schlussstand seit dem Börsengang. Die überschwängliche Freude ist auf eine Übernahme der Darmstädter zurückzuführen. Für 1,9 Mrd. Euro will sich Merck die britische AZ Electronic Materials einverleiben. Beide Seiten haben dem Deal bereits zugestimmt.

50%-Prämie: Freude auch bei Aktionäre des Übernahme-Kandidaten

Die Übernahme sorgte nicht nur für zufriedene Merck-Aktionäre. Großer Gewinner der Transaktion sind auch die Aktionäre des Übernahme-Kandidaten, die einen Aufschlag von über 50% auf den Aktienkurs erhalten sollen. Merck bietet 4,035 britische Pfund für AZ. Gestern ging die Aktie zu 2,63 GBP aus dem Handel.  Aktuell notiert die Aktie mit 3,98 GBP nur knapp unter der Merck-Offerte, was signalisiert, dass der Markt einen reibungslosen Deal erwartet.

Klares Signal: Merck verlangt 95% Annahme-Quote 

Analysten betrachten das Angebot mehrheitlich als fair. Laut Bloomberg-Daten liegt der zu Grunde gelegte Ergebnis-Multiplikator mit 10,7 oberhalb des Durchschnittswerts von 9,5 bei vergleichbaren Deals. Angesichts des hohen Aufschlags, der fairen Bewertung und dem Einverständnis des Managements wird mit einer sehr hohen Annahme-Quote gerechnet. Die braucht Merck auch. Nur wenn 95% der Aktionäre zustimmen und die Kartellbehörden den Deal frei geben, kommt der Deal zu Stande. Die extrem hohe Annahme-Schwelle ist ungewöhnlich und könnte ein Problem werden – auch wenn der Markt dies aktuell nicht so erachtet.

Merck-Aktie: Übernahmen wecken weitere Wachstums-PhantasieDer Darmstädter Pharma-Konzern Merck hat starke Quartalszahlen präsentiert und das Umsatzziel für 2014 angehoben. Unternehmenschef Karl Ludwig Kley erklärte bei Bekanntgabe der  Geschäftszahlen: „Merck hat seinen Endspurt für das Jahr… › mehr lesen

Merck expandiert im hochprofitablen Geschäft mit Flüssigkristallen

Der Deal wird durch die Bank weg positiv aufgenommen. Alle Seiten sind sehr zufrieden und Analysten loben, dass die Übernahme strategisch passt. Merck will durch die Übernahme das Spezial-Chemie-Geschäft stärken. In der hochprofitablen Sparte „Flüssigkristalle“ wird die Position deutlich ausgebaut. AZ bringt direkt namhafte Großkunden mit und das Geschäft erfreut sich hoher Wachstumsraten. Neben Samsung, Sony und Toshiba steht auch Apple auf der Kundenliste. Die AZ-Angebotspalette wird für die Herstellung von iPads, iPhones, Fernseher und andere Hightech-Produkte benötigt.

Weitere Übernahmen werden folgen

Die Übernahme ist für Merck locker aus Barmitteln finanzierbar. Selbst nach dem Deal haben die Darmstädter noch ein großes Polster von 8 Mrd. Euro, um am Übernahme-Markt auch 2014 mitzumischen. In einem früheren Interview hatte das Unternehmen bereits Übernahme-Absichten angekündigt, sodass AZ nicht der letzte Deal in den kommenden 12 Monaten sein dürfte. Ob Merck jedoch noch einmal einen Milliarden-Deal will, ist ungewiss. Im Zuge der Übernahme sagte der Konzernchef Karl-Ludwig Kley, dass es nicht immer der große Böller sein muss.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt