Merck KGaA: Wie es bei dem Pharma- und Chemie-Konzern nach der Übernahme weiter geht

Sie kennen bestimmt die These, dass sich ein Großteil von Mega-Übernahmen oftmals gar nicht rechnet.

Negative Beispiele wie BMW und Rover oder Daimler Benz und Chrysler lassen sich problemlos finden.

Meiste zahlen Bieter zu hohe Preise, die Synergie-Effekte werden überschätzt oder die unterschiedlichen Unternehmens-Kulturen sind schlichtweg nicht Bestandteil des Integrations-Prozesses.

Verallgemeinern lassen sich diese Argumente aber keinesfalls. Denn es geht auch anders. Das hat jetzt der Darmstädter Pharma- und Chemie-Riese Merck gezeigt.

Mit den vorgelegten Ergebnissen konnten Sie sehen, dass ein Großteil des Wachstums von dem Mega-Deal mit Sigma-Aldrich im vergangenen Jahr stammt.

Merck KGaA im Porträt

Aber bevor ich auf die Zahlen und die positiven Auswirkungen der Übernahme des Labor-Ausrüsters Sigma-Aldrich eingehe, will ich Ihnen den Konzern näher vorstellen:

Merck KGaA steht auf 3 Säulen:

  1. Healthcare (Pharmazeutik, OTC),
  2. Performance Materials (Spezial-Chemikalien wie Flüssig-Kristalle und Pigmente)
  3. sowie Life Science (Bioscience, Lab und Process Solutions).

Die  pharmazeutische  Division  innerhalb des Healthcare-Bereichs  ist  auf  Onkologie,  Neurologie,  Wachstums-Störungen  und  Metabolismus ausgerichtet.

Bei Flüssigkristallen ist Merck übrigens Weltmarktführer. Diese kommen in Bildschirmen (Fernseher, Navis, etc.) zum Einsatz.

Es sind die Flüssigkristalle des Konzerns, die ein gestochen scharfes Bild auf den Monitor zaubern.

Umsätze ziehen kräftig an

Im vergangenen Jahr kletterten die Erlöse kräftig um 17% auf 15 Mrd. € in die Höhe.

Aus eigener Kraft brachten es die Darmstädter allerdings nur auf ein Wachstum von 3,2%, wovon negative Währungs-Effekte einen Großteil wieder aufzehrten.

Der Löwen-Anteil der Zuwächse ging auf das Konto des zugekauften Labor-Ausrüsters Sigma-Aldrich.

Die Ende 2015 getätigte größte Übernahme der Firmen-Geschichte erzielte einen deutlichen Umsatz-Sprung von 16%. Beim Gewinn konnte Merck sogar einen Sprung um 46% auf 1,6 Mrd. € erzielen.

Chemikalien für Forschungs-Labore

Den Zukauf von Sigma Aldrich hat sich Merck immerhin 13,1 Mrd. € kosten lassen. Dafür hat sich der Konzern einen sehr profitablen und wachstumsstarken Labor-Ausrüster eingeheimst.

Sigma Aldrich stellt Chemikalien her, die in Forschungs-Laboren eingesetzt werden. Das Unternehmen vertreibt über 230.000 Chemikalien und andere Produkte für die Pharma-Forschung und -Analytik.

Neben zusätzlichem Wachstum erhoffte sich Merck von dem Mega-Deal Synergie-Effekte von 260 Mio. € pro Jahr innerhalb von 3 Jahren.

Branchen-Kenner schätzten schon damals den Zukauf deutlich positiv ein.

Nach dem Deal kann Merck mehr als 300.000 Produkte liefern. Im Forschungs-Bereich kann die Firma nun ein ergänzendes Angebot von Labor-Chemikalien und -Reagenzien anbieten.

Anleger können sich über Dividenden-Erhöhung freuen

Nach dem Gewinnsprung sollen auch die Aktionäre von dem Geschäfts-Erfolg profitieren. Geplant ist eine Anhebung der Dividende um 14% auf 1,20 € je Aktie.

Wie es in diesem Jahr mit der operativen Entwicklung weitergeht, wird Merck mit seinen Zahlen zum 1. Quartal im Mai offenlegen. Klar ist, dass auch in diesem Jahr ein großer Treiber Sigma Aldrich sein wird.

Zudem sollte es nach der Preis-Erhöhung des umsatzstärksten Multiple-Sklerose-Medikaments Rebif Rückenwind geben.

Belasten dürften hingegen höhere Forschungs-Ausgaben, ein anhaltender Wettbewerb bei Fruchtbarkeits-Medikamenten und unter Druck stehende Margen im Pharma-Bereich.

Anleger zeigen sich enttäuscht – Analysten sind verhalten optimistisch

Auch wenn die Zahlen im Rahmen der Erwartungen lagen, zeigen sich die Anleger enttäuscht. Die Aktie verlor deutlich um rund 4%. Die Analysten zeigen sich hingegen etwas optimistischer.

Sie gehen in diesem Jahr von einem bereinigten Gewinn-Anstieg auf 6,48 € je Aktie aus (2016: 6,21 €).

Das durchschnittliche Preisziel der Analysten liegt mit 109,50 € im Moment rund 10% über dem aktuellen Kursniveau.

10. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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