Merck: US-Behörde gibt grünes Licht für transatlantischen Milliardendeal

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Merck: US-Behörden winken milliardenschweren Transatlantikdeal durch. Für den Pharmakonzern hat der Deal enorme strategische Bedeutung. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck ist auf der Zielgeraden. Bei dem geplanten Zukauf des US-Halbleiterzulieferers Versum hat das Unternehmen eine wichtige Hürde genommen. Der für Auslandsinvestitionen zuständige US-Sicherheitsausschuss CFIUS hat dem milliardenschweren Deal jetzt zugestimmt. Die Behörde hat ihre Prüfung abgeschlossen und keine Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit festgestellt. Damit ist der Weg frei, den Deal noch bis zum Jahresende in trockene Tücher zu bringen.

Am Ende wird alles gut

Mit der Zustimmung der Behörde hat der lange Leidensweg der Darmstädter ein Ende. Denn die Übernahme zog sich kräftig in die Länge. Merck hatte sich im April im Bieterkampf gegen den US-Konzern Entegris durchsetzen können und zum Gebot von 53 Dollar je Aktie am Ende den Zuschlag für die Übernahme von Versum erhalten. Inklusive Schulden wird der Halbleiterzulieferer mit rund 6,5 Milliarden Dollar bewertet.

Versum-Deal von hoher strategischer Bedeutung

Mit dem Deal setzt Merck auf einen Spezialisten für Elektronikmaterialien, die von der Halbleiter- und Displayindustrie eingesetzt werden. Die Portfolios beider Unternehmen ergänzen sich laut der Merck-Führung gegenseitig perfekt. Zugleich soll ein Zusammenschluss für schnellere Innovationszyklen, Größenvorteile, eine erweitere globale Präsenz und effizientere Lieferketten sorgen.

Mit dem Zukauf gewinnt die Sparte Performance Materials von Merck deutlich an Bedeutung und erzielt zukünftig Umsätze von 3,5 Milliarden Euro. Damit wird das gesamte Portfolio stärker ausbalanciert, weil die kleinste der drei Sparten neben Healthcare und Life Science mehr Gewicht bekommt.

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Merck strebt profitables Wachstum an

Unterdessen zeigen sich die Darmstädter optimistisch, was die zukünftige Geschäftsentwicklung angeht. In allen Sparten wird ein profitables Wachstum angepeilt. Nach Jahren hoher Investitionen will Firmenboss Stefan Oschmann jetzt die Ernte einfahren. Unter dem Strich soll ein organisches Umsatzwachstum von 2 bis 3% jährlich erreicht werden. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll dauerhaft bei 30% liegen.

Zulassung der Gesundheitsbehörde

Auch im Pharmageschäft gab es zuletzt einen Lichtblick. So haben die Darmstädter die Zulassung für den Wirkstoff Tepotinib erhalten. Das Medikament soll zur Behandlung von Lungenkrebs eingesetzt werden. Das Potenzial ist groß. Bedenken Sie: Mit jährlich 2 Millionen Neuerkrankungen gilt Lungenkrebs als die häufigste Krebsursache weltweit.

Neue Medikamente sollen bis zum Jahr 2022 rund 2 Milliarden an zusätzlichen Umsätzen in die Kassen spülen. Neue Präparate wie Mavenclad (Multiple Sklerose) und Bavencio (Nierenkarzinome) sollen hier für Rückenwind sorgen.

Segment Life Science soll 5 bis 8% Wachstum erreichen

Im Segment Life Science peilen die Darmstädter Wachstumsraten von 5 bis 8% in den kommenden Jahren an. Damit würde Merck schneller als der Markt wachsen und entsprechend Marktanteile gewinnen. Den Aktionären scheinen die Perspektiven momentan zu gefallen. In den zurückliegenden Tagen konnten die Papiere bereits deutlich anziehen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.