Merkel appelliert – und droht zwischen den Zeilen

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Merkel wendet sich per TV-Ansprache direkt ans Volk – ein ungewöhnlicher Schritt in ungewöhnlichen Zeiten. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Es war ein Auftritt, wie man ihn von der Kanzlerin in ihrer knapp 15jährigen Amtszeit noch nicht erlebt hat. Zum ersten Mal wählte Angela Merkel das Format der direkten TV-Ansprache an die Nation außerhalb des Silvesterabends.

Was in anderen Ländern, beispielsweise Frankreich oder den USA, ein häufiger gewähltes Kommunikationsmittel der Präsidenten darstellt, ist in Deutschland absolut ungewöhnlich und dem äußersten Krisenfall vorbehalten.

Merkel appelliert eindringlich

In ihrer Ansprache formulierte Merkel einen eindringlichen Appell an die Bürgerinnen und Bürger, die bereits erlassenen Maßnahmen und Regeln zu befolgen und sich selbst zu beschränken. Zwischen den Zeilen war jedoch deutlich herauszuhören: Sollte das nicht in hinreichendem Maße gelingen, drohen noch drastischere Konsequenzen wie eine allgemeine Ausgangssperre, die in einigen anderen betroffenen EU-Staaten bereits verhängt wurde.

Gerade aufgrund ihrer eigenen DDR-Vergangenheit tue sie sich schwer damit, Freiheitsrechte zu beschränken, betonte Merkel. Doch die aktuelle Ausnahmesituation rechtfertigt diese Mittel offenbar und wird parteiübergreifend mitgetragen.

Wirtschaftsforscher warnen vor tiefer Rezession

Unterdessen zeichnet sich immer deutlicher eine tiefe Rezession in Deutschland und Europa ab. Der Ifo Geschäftsklimaindex sackte von 96 Punkten im Februar auf 87,7 Punkte im März ab und erreichte damit den niedrigsten Stand seit 2009 – damals war die globale Finanzkrise in vollem Gange. Einen so deutlichen Rückgang innerhalb eines Monats hatte es zuletzt 1991 gegeben. Die Werte basieren auf einem vorläufigen Bericht des Ifo-Instituts – schon das allein ist ein Novum. Die endgültigen Zahlen sollen am 25. März vorgelegt werden.

Auch weitere Wirtschaftsforscher warnen vor einem Absturz des Bruttoinlandsprodukts. Wie stark dieses ausfällt, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Zum einen, wie lange der aktuelle Ausnahmezustand andauert und zum anderen, wie gut gerade Selbständige sowie kleine und mittelständische Betriebe die Krise wegstecken. Gerade von letzterem wird maßgeblich abhängen, ob es nach dem Tief zügig wieder aufwärts geht oder ob sich die schlechte Lage erst einmal ausdehnt.

Droht die nächste Eurokrise?

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet mit einem Minus von 4,5 Prozent für das Bruttoinlandsprodukt, falls sich die Situation ab Mai wieder normalisiert. Dauert der Ausnahmezustand hingegen länger an, könnte die Wirtschaftsleistung auch doppelt so stark absacken. Im Krisenjahr 2009 hatte die deutsche Wirtschaft einen Rückgang um 6 Prozent verzeichnet.

Besonders große Sorgen bereitet den Ökonomen die Lage in Italien. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone war bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie arg angeschlagen und in den letzten Jahren kaum gewachsen. Nun ist ausgerechnet Italien ein Hotspot der Coronakrise. Das gesamte Land ist abgeriegelt, der für die Wirtschaft des Landes so wichtige Tourismussektor kommt praktisch vollständig zum Erliegen.

Im schlimmsten Fall droht eine Neuauflage der Eurokrise – nur von härterem Kaliber als vor zehn Jahren.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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