Metro und die Leerverkäufer

Metro-Chef Olaf Koch sieht in Leerverkäufern Mitschuldige für den zwischenzeitlichen Kursverfall der Metro-Aktie. (Foto: M DOGAN / shutterstock.com)

Der deutliche Kursverfall der Metro-Aktie in den ersten Monaten dieses Jahres ist nach Ansicht von Metro-Chef Olaf Koch zu großen Teilen auf Börsenspekulanten zurückzuführen.

Der Kursrückgang dürfte „ganz stark mit Leerverkäufen zu tun haben, also mit kurzfristigen Anlegern, die darauf wetten, dass eine Aktie fällt und so den Kurs nach unten treiben“, sagte Koch in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „Capital“. Darüber hinaus sagte er, Metro sei „ins Visier von Spekulanten geraten“.

Zum Hintergrund: Die Metro-Aktie notierte Mitte Februar dieses Jahres bei knapp 18 Euro. In der Folge ging es auf bis auf 14 Euro zurück. Als dann noch eine Gewinnwarnung folgte, sackte die Metro-Aktie auf nur noch knapp über 10 Euro ab. Aus meiner Sicht eine deutliche Übertreibung. Das sieht offensichtlich auch Metro-Chef Koch so.

Wie groß der Anteil der sogenannten Leerverkäufer an dem Kursrückgang der Metro-Aktie war, lässt sich objektiv nicht messen. Ich bin mir aber – genau wie Koch – sicher, dass sie einen Anteil daran hatten. In den vergangenen Wochen legte die Metro-Aktie wieder um rund 35% zu. Unter anderem wegen einer möglichen Übernahme.

Nun möchte ich Ihnen noch erläutern, was Leerverkäufer (bzw. Short Seller) sind und wie Leerverkäufe funktionieren.

Leerverkäufe einfach erklärt

Ein einfaches Beispiel soll Ihnen zeigen, wie Leerverkäufe funktionieren: Stellen Sie sich vor, Sie sind auf dem Wochenmarkt. Sie steuern einen Obststand an und fragen, was der Händler für einen Apfel haben möchte. Der Händler entgegnet, dass er keine Äpfel im Sortiment hat, Ihnen aber gerne einen besorgen würde.

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Als nächstes fragt er, was Sie bereit wären zu zahlen. Sie antworten: 1 Euro. Sie verpflichten sich, ihm für 1 Euro einen Apfel abzukaufen. Also geht der Obsthändler zum Nachbarstand und kauft einen Apfel für 50 Cent. Er setzt also darauf, das ser zu einem späteren Zeitpunkt den Apfel, den er Ihnen zuvor verkauft hatte, günstiger einkaufen kann. Die Differenz (50 Cent) ist sein Gewinn.

So funktionieren Leerverkäufe. Der Verkäufer verkauft zu einem bestimmten Preis in der Hoffnung, dass er die Aktien später zu einem günstigeren Preis zurückkaufen kann.

Warum Leerverkäufer wichtig für den Markt sind

Zahlreiche wissenschaftliche Studien zu dem Thema weisen darauf hin, dass Leerverkäufer ein wichtiges Korrektiv sind, um Kurs-Exzesse nach oben abzuschwächen.

Wie Märkte funktionieren, wenn es keine Leerverkäufer gibt, zeigt das Beispiel des Immobilien-Marktes: Hier sind Spekulations-Blasen viel verbreiteter; die größten Börsen- und Wirtschafts-Krisen hatten meist hier ihren Ursprung.

Leerverkäufer sind also in gewisser Weise so etwas wie Finanz-Aufseher der Märkte. Denn sie können nicht auf Dauer gegen ein gesundes Papier oder gegen einen gesunden Staat spekulieren. Ihre Rechnung geht nur dann auf, wenn dort wirklich etwas im Argen liegt.

Für Sie als mittel- bis langfristig orientierte Privatanleger ist das Thema Leerverkäufe jedoch nur eine Art Randnotiz. Denn: Leerverkäufer agieren im Gegensatz zu Ihnen eher kurzfristig. Daher können Sie die Leerverkäufer und ihre Leerverkäufe in den meisten Fällen getrost ignorieren.


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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.