Micron Technology-Aktie: Was die Patentstreitigkeiten für den Chipspezialisten bedeuten

Micron Technology-Aktie: Was die Patenschwierigkeiten für den Chipkonzern wirklich bedeuten. Hohe Wachstumsdynamik weiter intakt. Preisentwicklung bei DRAM-Chips sorgt für Sorgenfalten (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Lange Zeit gehörten die Papiere des Halbleiterkonzerns Micron Technology zu den absoluten Lieblingen der Anleger. Seit 2016 kletterten die Papiere von unter 10 Dollar und erreichten Anfang Juni bei knapp 62 Dollar ihr vorläufiges Rekordhoch. Der Konzern gilt als einer der Hauptprofiteure des weiter anhaltenden Booms im Halbleiterbereich. Doch jetzt sorgten Patentstreitigkeiten und ein Verkaufsverbot in China für Unruhe. Zeitweilig stürzte der Kurs bis auf 50 Dollar in den Keller bevor eine Erholung einsetzte.

Was hat es mit dem Importverbot auf sich? Wie steht es um die langfristigen Aussichten des Konzerns und was sagen die Analysten zum Kurspotenzial der Papiere?

Micron Technology im Portrait

Micron Technology Inc. ist ein Technologie-Unternehmen mit Hauptsitz in Boise, Idaho, USA, und gehört zu den fünf größten Halbleiterherstellern der Welt. Micron stellt hauptsächlich Speicherelemente für Computer her. Die Speicherlösungen der Gesellschaft ermöglichen innovativste Anwendungen aus den Bereichen Computing, Speicher-, mobile und eingebettete Systeme für Verbraucher und Unternehmen, Netzwerke sowie den Automobilbereich.

Beeindruckende Wachstumsstory

In den vergangenen Jahren zeigte der US-Technologiekonzern ein beeindruckendes Wachstum. Sie müssen wissen: Seit 2003 schossen die Umsätze von 3,09 auf 20,32 Milliarden Dollar in die Höhe. Zuletzt erzielte Micron Technology mit einem Jahresgewinn von 5,08 Milliarden Dollar eine satte Gewinnmarge von 25,04%.

Auch im letzten Quartal hielt die hohe Wachstumsdynamik weiter an. Insgesamt steigerten sich die Umsätze um 40% auf 7,8 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge erreichte beeindruckende 61%. Die vorherrschenden Trends Cloud-Data-Center und Smartphones treiben Umsätze und Gewinne weiter an.

Verkaufsverbot in China sorgt für schlechte Stimmung – Auswirkungen aber überschaubar

Jetzt mussten die verwöhnten Anleger aber einen Rückschlag verkraften. Ein chinesisches Gericht hat dem Chiphersteller den Verkauf von 26 Produkten in China untersagt. Damit hat sich das in Taiwan ansässige Technologieunternehmen United Microelectronics im Patentstreit gegen den US-Konzern durchgesetzt. Laut dem chinesischen Gericht hat Micron Technology Patente bei Speicherchips und anderen Produkten verletzt.

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Das Ergebnis ist ein Verkaufsverbot in China im Rahmen einer einstweiligen Verfügung. Allerdings sind die Auswirkungen mehr als überschaubar, auch wenn die Reaktion des Aktienkurses anderes vermuten lässt. Denn insgesamt beziffert die Micron Technology-Führung die Auswirkungen des Verkaufsverbots auf gerade einmal einen Prozentpunkt.

Alle schauen auf die Preisentwicklung

Während das Importverbot für die 26 Produkte nur überschaubare Auswirkungen hat, diskutieren immer mehr Anleger über die zukünftige Preisentwicklung der Speicher Chips. Wann geht der Boom zu Ende?  Zu Ihrer Information: Entscheidend ist für den US-Konzern vor allem die Preisentwicklung bei DRAM-Chips. Diese Produktgruppe steht immerhin für 71% der Gesamterlöse.

Zuletzt konnte Micron Technology die Preise für diese Halbleiter sogar noch weiter erhöhen. Besonders die Nachfrage nach leistungsstärkeren Smartphones und Data-Center hat diese Entwicklung vorangetrieben. Entsprechend dürfte laut der Konzernführung die Nachfrage von Seiten der Industrie im laufenden Jahr abermals um 20% zulegen.

Diese Preisentwicklung bleibt nicht ohne Auswirkungen. Zuletzt hatte China eine Untersuchung gegen ausländische Produzenten von Speicherchips in die Wege geleitet, um mögliche Preisabsprachen zu untersuchen. Weil die Preise für Dram-Chips zuletzt massiv gestiegen sind, prüfen die Behörden den Vorwurf von Absprachen der marktbeherrschenden Unternehmen Micron Technology, Samsung Electronics und SK Hynix

Prognose schwierig – Analysten weiter optimistisch

Wie lange der Boom noch anhalten wird, ist schwierig abzuschätzen. Zuletzt übten Smartphonehersteller vermehrt Druck auf ihre Chiplieferanten aus, an der Preisschraube zu drehen. Inwieweit ihnen Gehör geschenkt wird, wird sich im laufenden Jahr zeigen. Auch der Ausgang der Kartelluntersuchung ist weiter offen.

Unterdessen zeigen sich die Analysten weiterhin ausgesprochen zuversichtlich. Sie erwarten einen Gewinnanstieg auf 4,66 Dollar je Aktie im nächsten Geschäftsjahr. Damit würde die Aktie nach dem Kursrutsch mit dem 11-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet. Das durchschnittliche Kursziel der Experten liegt momentan bei 81,37 Dollar und damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau (52,78 Dollar).


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.