Microsoft: Es kam, wie es kommen musste

Microsoft hat gestern die Wall Street erschüttert.

Das einstige Sinnbild für Wachstum und Marktbeherrschung musste gestern das schlechteste Quartalsergebnis der Firmengeschichte bekannt geben:

Dabei läuft es beim Software-Konzern aus Redmond, Virginia, USA eigentlich gar nicht so schlecht, wie der ausgewiesene Verlust von 3,2 Mrd. USD (Vorjahr: +4,6 Mrd. USD Gewinn) glauben macht. Schließlich erzielte Microsoft einen operativen Gewinn von 6,4 Mrd. USD.

Der löste sich allerdings quasi in Luft auf. Und der Grund dafür trägt den Namen Nokia.

Damit ist nun eingetreten, was ich dem US-Konzern im Familienkreis bereits voraussagte, als Anfang September 2013 die Übernahme der finnischen Smartphone-Sparte für 5,4 Mrd. USD für den Frühling 2014 angekündigt wurde. Meine Begründung war recht simpel und von gesundem Menschenverstand geprägt:

Nokias Verderben: Windows Phone

Nokias Smartphones liefen schon vor zwei Jahren dem Markt hinterher, der heute noch stärker von Apples iPhones und Samsungs Galaxy-Modellen beherrscht wird. Der in meinen Augen größte Nachteil für die Nokia-Handys: Das Windows Phone-Betriebssystem!

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Nokia-Handys haben mich viele Jahre nach meinem Einstieg in das mobile Telefonieren begleitet und waren für mich lange Zeit das Nonplusultra. Und vermutlich wäre ich nie auf eine andere Marke umgestiegen, wenn, ja wenn da nicht Windows Phone gewesen wäre.

Die Windows-Dominanz

Wissen Sie: Bei der Wahl des Betriebssystems für meine PCs oder Laptops hatte ich eigentlich nie eine andere Wahl als Windows – es war wahrlich nicht immer das „Maß aller Dinge“, nur war es leider sozusagen „alternativlos“:

Laut statista.de hatten die Betriebssysteme von Microsoft im Januar 2009 einen Marktanteil von 93,88%. Im Juli vor 3 Jahren war der Marktanteil zwar auf 88,36% geschrumpft, aber noch immer dominant.

Bis heute hat sich das Betriebssystem MacOS von Apple im Markt für PCs, Notebooks und Tablets ein Kuchenstück von immerhin 9,61% erarbeitet. Rechnet man die seither dazu gekommenen Tablet-Betriebssysteme Android und iOS mit ein, dann lagen die Windows-Systeme im Mai dieses Jahres bei nur noch 78,4%. Das heißt jedoch:

Trotz der wachsenden Konkurrenz ist Windows auf PC und Laptop weiterhin marktführend. Doch wenn ich schon auf meinem täglichen Arbeitswerkzeug PC / Laptop keine Wahl habe, dann will ich wenigstens auf meinem Handy von einem Microsoft-Betriebssystem „verschont“ bleiben.

Deshalb war für mich die Entscheidung Nokias, sich auf Windows Phone einzulassen, der Anfang vom Ende. Und so ist es auch gekommen:

Microsofts Verderben: Die Nokia-Übernahme

Vor 14 Tagen räumte der Software-Gigant aus Redmond erstmals ein, dass sich der inzwischen auf Kosten von 9,5 Mrd. USD ausgeweitete Zukauf von Nokias Handysparte zu einem wahren Desaster entwickelt hat.

Nun wurden im 2. Quartal 7,6 Mrd. USD für Abschreibungen und Umbaumaßnahmen im Zusammenhang mit der Nokia-Übernahme veranschlagt.

microsoft in usd-22-07-2015

Microsoft: Richtungslos – orientierungslos

Charttechnik: Keine Kaufargumente

Der linke Wochen-Chart zeigt, dass die Microsoft-Aktie seit der Nokia-Übernahme zwischen 40 und 50 USD auf und ab pendelt. Nach den gestern vorgelegten Zahlen dürfte nun wohl erst einmal wieder die Unterseite anvisiert werden:

Nachbörslich tendierte der Kurs rund -4% schwächer. Das trotz der jüngsten Kurserholung im negativen Bereich notierende Momentum (rechter Tages-Chart) stützt diese Einschätzung.

Die waagerecht verlaufende 200-Tagelinie signalisiert, dass der langfristige Trend derzeit richtungslos ist. Für mich ist die Microsoft-Aktie daher zurzeit kein Investment wert.

22. Juli 2015

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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