Microsoft ist zurück: Warum Geschäft und Aktie jetzt wieder boomen

Microsoft-Chef Nadella macht so ziemlich alles anders als sein Vorgänger – und ist damit sehr erfolgreich. (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Totgeglaubte leben länger – das stellt derzeit einmal mehr Microsoft unter Beweis. Der IT-Gigant galt über Jahrzehnte als unangefochtene Nummer eins, niemand kam an der Software vorbei. Bis Apple erst das iPhone und dann das iPad auf den Markt brachte, Touchscreens und mobile Endgeräte zum Standard wurden und der PC ausgedient hatte.

Reihenweise gingen die PC-Hersteller in die Knie – und Microsoft mit ihnen, so hatte es zumindest lange Zeit den Anschein. Der Riese steckte in der Krise, als Anfang 2014 eine Ära zu Ende ging und eine neue begann: Satya Nadella löste Steve Ballmer an der Konzernspitze ab.

Mehr als nur ein Chefwechsel

Nicht nur personell war die Zäsur spürbar. Ballmer war dafür bekannt, auch schon mal laut zu werden und auf den Putz zu hauen. Nadella bevorzugt die leiseren Töne, gibt sich weniger exzentrisch – und fällt doch ebenso mutige wie konsequente Entscheidungen, wenn es um die Zukunft von Microsoft geht.

Erste Maßnahme: Der Fokus wurde strikt auf das Geschäft mit der Cloud, also der digitalen Datenwolke, und mobile Lösungen gelegt. Anstatt Daten lokal abzulegen, können Kunden Speicherkapazitäten in der Cloud mieten und von verschiedenen Endgeräten darauf zugreifen – ein Geschäftsmodell, das derzeit seinen Siegeszug feiert und von dem auch Microsoft zuletzt deutlich profitieren konnte. Die Cloud-Sparte wuchs im abgelaufenen Vierteljahr um satte 96 Prozent und knüpft damit an die vorangegangenen Erfolgsquartale an.

Office-Paket im Abo

Zudem hat man sich auf weitere Trends eingestellt, zum Beispiel den Hang zum Abo, den viele Kunden mittlerweile haben. Man kauft keine DVDs mehr, sondern ein Monatspaket bei einem der vielen Video-Streamingdienste. Man kauft keine CDs mehr, sondern greift gegen vergleichsweise günstige monatliche Gebühren auf digitale Musikbestände zu.

Dasselbe Prinzip gibt es nun auch für Office-Software. Anstatt alle paar Jahre die neueste Version für mehrere hundert Dollar (oder Euro) zu erwerben, zahlen Kunden nun einen überschaubaren monatlichen Festbetrag.

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Eine win-win-Situation, können auf diese Weise doch beispielsweise Updates schneller zur Verfügung gestellt oder Testversionen leichter ausprobiert werden. Aus Sicht von Microsoft und seinen Aktionären ist das Modell besonders lukrativ: Es könnte den Umsatz im Office-Bereich Analystenschätzungen zufolge um bis zu 80 Prozent steigern. Außerdem könnte früher oder später auch die monatliche Rate erhöht werden, wie es bei Abo-Anbietern gang und gäbe ist.

Geschäftskundensparte wächst

Wichtig sind für Microsoft zudem nicht nur Privat-, sondern vor allem Unternehmenskunden. Dieser Bereich hat in den vergangenen Monaten stark zugelegt. Und auch mit Apples Tablet kann man sich messen: War das „Surface“ von Microsoft zunächst gefloppt, verkauft sich die aktuelle Businessvariante Surface Pro 4 besser denn je.

Kein Wunder, dass Analysten begeistert sind. Zuletzt wurde Microsoft mit Kaufempfehlungen überschüttet, die Kurszielspanne liegt dabei vornehmlich zwischen 55 und 60 US-Dollar, die Experten von Bernstein Research gehen sogar von 62 Dollar aus. Zuletzt kostete das Papier rund 54 Dollar – und damit mehr als doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren, kurz bevor Nadella das Steuer übernahm und erst einmal das Ruder herumriss.

Der Erfolg gibt ihm Recht, und auch die Anleger profitieren von der positiven Entwicklung: Die Dividende steigt kontinuierlich und dürfte auch für 2015 wieder angehoben werden. Schätzungen rechnen mit rund 1,24 US-Dollar nach 1,12 Dollar im Vorjahr und 0,92 Dollar im Jahr 2013.

2015-10-26 Microsoft

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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