Microsoft mit zweitgrößter Übernahme der Firmengeschichte: Softwaregigant nimmt führenden KI-Spezialisten ins Visier

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Microsoft auf Einkaufstour: Mit der 20 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Nuance Communications soll das Geschäft mit Spracherkennung angekurbelt werden (Foto: mariakray/Shutterstock)

Die Übernahme ist ein Paukenschlag. Zuvor rankten sich Gerüchte um eine Übernahme des Bilderdienstes Pinterest und auch der Videokonferenzspezialist Discord machte als mögliches Ziel die Runde. Doch jetzt fiel die Wahl auf Nuance Communications, einen Spezialisten für Künstliche Intelligenz (KI). Mit dem Zukauf könnte Microsoft seine Kompetenz im Bereich der KI-gestützten Spracherkennung entscheidend stärken. Der Deal ist ein großer Schluck aus der Pulle. Immerhin legt Microsoft 20 Milliarden Dollar auf den Tisch. Damit ist der Kauf nach der Akquisition von LinkedIn für 24,6 Milliarden Dollar im Jahr 2016 die zweitgrößte Transaktion in der Firmengeschichte von Microsoft.

Milliardenoffensive im Bereich Künstlicher Intelligenz

Jetzt aber zu den Details: Microsoft hat für Nuance Communications eine Offerte über 16 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt. Je Aktie bietet der Softwarekonzern damit 56 Dollar. Das entspricht einem Aufschlag von 23% auf den Schlusskurs vor der Übernahmemeldung. Inklusive Schulden lässt sich Microsoft den Spezialisten für Spracherkennung sogar 19,7 Milliarden Dollar kosten.

Mit Spracherkennung zum Erfolg

Das Objekt der Begierde ist bekannt für seine Spracherkennungssoftware. Der Konzern brachte auch den erfolgreichen Sprachassistenten von Apple “Siri” mit auf den Weg. Mittlerweile kommt die Software von Nuance Communications in zahlreichen Bereichen zum Einsatz. Ob in Callcentern, bei Diktaten in Anwaltskanzleien oder im Gesundheitsbereich.

Firmenboss Mark Benjamin hat die Firma in den letzten Jahren stark umgekrempelt und vor allem auf den lukrativen Gesundheitsmarkt fokussiert. So wurde das Geschäft mit der Dokumentendigitalisierung verkauft und der Bereich mit Spracherkennung für die Automobilindustrie in einer separaten Firma (Cerence) abgespalten und an die Börse gebracht.

Alles dreht sich um Dragon

Dabei steht vor allem die Transkriptionssoftware Dragon im Mittelpunkt. Damit können Mediziner Patientengespräche direkt in die elektronische Patientenakte in Textdokumente umwandeln und dokumentieren. Die Software ist weit verbreitet: Laut Firmenangaben ist die Software bereits in 77% aller US-Krankenhäuser im Einsatz. Nuance hat sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe von KI-basierter Spracherkennung die medizinische Dokumentation neu zu gestalten und dafür auch eine Cloud-Lösung entwickelt.

Trotz Umsatzrückgang gelingt Sprung in die Gewinnzone

Im zurückliegenden Geschäftsjahr sanken die Umsätze von Nuance Communications leicht von 15,2 auf 14,7 Milliarden Dollar. Dabei stammten 60% der Umsätze aus dem Gesundheitsbereich. Unter dem Strich erreichte der Konzern seit mehreren Jahren erstmals wieder Gewinnzone. Am Ende stand ein kleiner Gewinn von 29 Millionen Dollar in den Büchern.

Analysten sehen hohen strategischen Mehrwert in der Übernahme

Unterdessen sehen die Analysten die Stoßrichtung der letzten Jahre mit dem Zukauf bestätigt: Microsoft hat allein in den vergangenen fünf Jahren bereits zwölf weitere Firmen gekauft, die an künstlicher Intelligenz (KI) arbeiten.

Für Microsoft bietet der Deal großes Potenzial. Der Konzern hat in den letzten Jahren selbst mit seinem eigenen Programmpaket „Cloud for Healthcare“ versucht, sich in dem lukrativen Gesundheitsmarkt zu positionieren. Der hohe Bekanntheitsgrad von Nuance sollte Microsofts Position in diesem Markt deutlich verbessern. Laut Microsoft-Chef Satya Nadella verdoppelte sich durch die Übernahme der adressierbare Zielmarkt auf 500 Milliarden Dollar. Zudem dürften sich der Einsatz der Spracherkennungslösungen bei zahlreichen von Microsofts Unternehmenskunden anbieten. Gerade die universellen Einsatzmöglichkeiten in Call-Centern oder bei Finanzkunden (Authentifizierung über biometrische Stimmmerkmale) bietet ein ungeahntes Einsatzfeld.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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